Selbst Stromschocker können ihn nicht aufhalten

Alexander Schimo startet beim „Tough Guy“-Hindernislauf

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Harter Typ: Alexander Schimo beißt sich am Sonntag schon zum dritten Mal beim „Tough Guy“ durch.

Groß-Zimmern – Alexander Schimo  geht zum dritten Mal beim gefährlichsten Hindernislauf der Welt an den Start. Ums Gewinnen geht es dem Groß-Zimmerner dabei nicht. Ihn treibt eine besondere Motivation an. Von Jens Dörr 

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Wenn sich 7000 Menschen für einen Wettkampf anmelden, nur 6000 an den Start trauen und lediglich 3500 ins Ziel kommen, muss es sich wohl um etwas Hartes handeln. „600 der Finisher haben sich im letzten Jahr übrigens verletzt“, sagt einer, der es wissen muss: der Groß-Zimmerner Alexander Schimo. Die Tortur, über die er spricht, heißt „Tough Guy“ und findet alljährlich in Wolverhampton  im Herzen Englands statt. Heute startet der 28-Jährige zum dritten Mal beim „Starken Kerl“.
Hinter dem verhältnismäßig harmlos klingenden Namen verbirgt sich eine ziemlich brutale Herausforderung. Zwar handelt es sich bei einer Strecke von 15 Kilometern in puncto Entfernung kaum um eine harte Nuss. Das Fiese aber sind die 22 Hindernisse - und der ganze Matsch: Auf weiten Teilen der Strecke hieß es eher watscheln statt laufen. Mancher startet mit Vollneopren, andere im Kostüm oder gar halbnackt. Vor den Blessuren ist niemand gewappnet: Der „Tough Guy“ wird oft als „gefährlichster Hindernislauf  der Welt“ - zumindest unter den offiziell veranstalteten - bezeichnet. „Es geht um den Kopf“, sagt Schimo. „Überall sind Ecken und Kanten, alles tut einem irgendwann weh.“ Hinzu kommen mehrere Hindernisse mit Stromschockern: „Die sind heftiger als ein Weidezaun“, sagt der Elektromeister als Mann vom Fach. Spätestens hier gäben viele auf.

Ums Gewinnen geht´s hier nicht

Schimo überstand die Tortur letztmals 2014 und meldete sich alsbald wieder an, im Gegensatz zu seiner Freundin. Der reichte es im Anschluss, obgleich sie als ehemalige Marathonläuferin vor ihm gelandet war. „Ums Gewinnen geht es dort nur den Wenigsten“, so Schimo, den auch selbst eine ganz andere Motivation antreibt. Die Aspekte, auf die er sich freut, nötigen anderen wohl einen Mix aus Respekt und Kopfschütteln ab: „ Die eisige Kälte, wenn die einsetzende Unterkühlung auch das letzte Gefühl aus den Knochen treibt; das Bewusstsein, diesem physischen Hammer nicht zu unterliegen; sich auf das nächste Hindernis, den beißenden Rauch der scheinbar mit Diesel getränkten, brennenden Heuballen, die endlos erscheinenden Hügel und die für meine Schultern viel zu engen, acht Meter langen Betonröhren zu freuen - das treibt mich an.“

Hier wird alles etwas lockerer gesehen

Darüber hinaus imponiere ihm Lockerheit von Veranstalter und Teilnehmerm beim „Tough Guy“, den es seit 1987 gibt: „Als Elektromeister arbeite ich unter strengen Sicherheitsvorschriften“, sagt Schimo. Das mache natürlich auch Sinn. „Aber es ist auch mal ganz erholsam, wenn nicht alles so ernst gesehen und TÜV-geprüft wird.“ So manches der Hindernisse beim „Tough Guy“ wäre bei ähnlichen Wettkämpfen in Deutschland kaum durchgegangen, ist er sich sicher. „Da ist auch mal ein Stück Geländer abgebrochen.“

Ein Zuckerschlecken wird es also wahrlich nicht. Der Veranstalter lässt die Teilnehmer alljährlich vorab sogar eine „Death Warranty“ unterschreiben - eine Erklärung, dass sich jeder über die Risiken des Events im Klaren ist. Was ein bisschen ulkig, aber durchaus auch ein wenig ernst gemeint ist. Und den Zimmerner ebenso wenig vom Start abhält wie die 80 Euro Teilnahmegebühr und die Reisekosten.

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