Kein Platz für Homo-Feinde

Alexander Arnold ist beim SV Darmstadt 98 Ansprechpartner für das Thema Homophobie

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Ab sofort steht Alexander Arnold als Ansprechpartner für das Thema Homophobie beim SV Darmstadt 98 zur Verfügung.
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Darmstadt - Der SV Darmstadt geht andere Wege. Sportlich kennt man das. Aber das gilt auch beim Thema Homophobie. Dafür hat der Verein nun mit Alexander Arnold ab sofort extra einen kompetenten Ansprechpartner, der für Betroffene zur Verfügung stehen soll.

Beim SV Darmstadt 98 ist so manches anders als bei anderen Bundesligaclubs. Das Stadion ist ein Relikt einer längst vergangenen Fußball-Kultur. Weder die Umkleidekabinen, der finanzielle Etat oder die Trainingsbedingungen können mit den Standards anderer Bundesligaclubs mithalten. Doch die Lilien gehen andere Wege und sind damit sportlich erfolgreich. Aber auch im Hinblick auf die eigene Fankultur geht der Underdog aus Südhessen andere Wege. Nach eigenen Angaben hat der Verein als einziger im deutschen Profi-Fußball einen eigenen Ansprechpartner speziell für das Thema Homophobie. Alexander Arnold hat dieses Ehrenamt übernommen, dass erst in diesem Herbst geschaffen wurde.

Es muss sich noch zeigen, ob dieses Amt funktioniert

„Jeder Fußball-Verein geht mit diesem gesellschaftlichen Problem anders um. Es wird sich noch zeigen müssen, ob dieses Amt, diese Position überhaupt für die, die dies betrifft, funktioniert“, sagt Arnold, der als Sozialpädagoge bei der Aids Hilfe in Wiesbaden arbeitet. Er selbst ist seit vielen Jahren Fan des SV Darmstadt 98, geht regelmäßig zu den Heimspielen, steht auf der Gegengeraden im Böllenfalltorstadion und weiß, dass auch eine aktive Fanszene wie die der Lilien Position gegen Homophobie beziehen muss. „Jeder, der betroffen ist, kann sich an mich wenden. Sei es durch einen dämlichen Spruch, ein Transparent eines Gegnervereins oder ähnliches. Es ist immer eine Frage, wie die Betroffenen auf homophobe Sprüche reagieren und wie sehr es sie stört. Manche entscheiden sich einfach, nicht mehr ins Stadion zu gehen, und das ist nicht gut.“

Betroffene sollen ohne Angst Fußball im Stadion sehen

Arnold will das Thema offen halten, ein Gesprächspartner sein und Betroffenen dabei helfen, ohne Angst oder das Gefühl diskriminiert zu werden, sich wie jeder anderer Fußballfan auch ein Spiel der 98er anzuschauen. Theoretisch wäre er sogar ein Vermittler für homosexuelle Fußballprofis. Doch dafür benötige es mehr als nur eine Person, die bei so einem Outing helfen müsse. Vielmehr müsste dafür ein Netz gespannt werden, in dem sich das Management, der Vorstand und die Mannschaft klar zu dem betroffenen Spieler bekennen würden. „Das ist eine sehr persönliche Entscheidung und würde hohe Wellen schlagen. Nicht so sehr bei den Mannschaftskollegen, sondern unter den Fans. Dann fürchte ich, würde es nicht mehr um Fußball gehen, sondern nur darum, dass da unten ein Fußballer herumläuft, der auf seine Sexualität reduziert wird, auf die es auf dem Platz überhaupt nicht ankommt.“

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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