Ahmed Aouadi will in Sachsenhausen durchstarten

Frankfurter will mit dem Rennrollstuhl Olympia-Gold holen

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Rennrollstuhlfahrer Ahmed Aouadi aus Frankfurt.

Frankfurt - Ahmed Aouadi ist zweifache Teilnehmer an den Paralympischen Spielen, Assistent des Nationaltrainers der tunesischen Rollstuhlathleten und seit 2000 Spitzensportler mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Und er will Übungsleiter für Leichtathleten mit Handicap in Sachsenhausen werden.

Ahmed Aouadi erwartet die Medienvertreter stehend, die Gehhilfe fällt kaum auf. Vielleicht ein kleiner Sportunfall, könnte man denken. Er kann in ein paar Tagen sicher den Stock weglegen, wieder sprinten. Und wo ist jetzt der junge Mann, für den der Rennrollstuhl gekauft wurde? „Ahmed Aouadi hat sich letztes Jahr an die TG Sachsenhausen gewandt und gefragt, ob er hier trainieren könne. Er wollte in Frankfurt seinen Rennrollstuhlsport wieder aufnehmen“, erklärt Manfred Christmann, seit 1963 Vereinsmitglied und seit 2012 Vorsitzender der Turngemeinde. Man habe sich getroffen und entschieden: Ein Rennrollstuhl muss her. Ahmed Aouadi ist zweifache Teilnehmer an den Paralympischen Spielen, Assistent des Nationaltrainers der tunesischen Rollstuhlathleten und seit 2000 Spitzensportler mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei offenen Meisterschaften und bei den African Games.

Aouadi will Leichtathletik-Abteilung beim TG Sachsenhausen aufbauen

Er hatte sich außerdem bereit erklärt, eine Leichtathletik-Abteilung für Menschen mit Handicap bei der TG aufzubauen. Eine Trainer-Lizenz hat er bereits, allerdings gilt das tunesische Dokument in Deutschland nicht. Doch als Übungsleiter kann er tätig sein. „Wir haben 5000 Euro aus eigener Kraft für den Rennrollstuhl aufgebracht. Fehlten noch 2000 Euro. Trotz zahlreicher Anfragen konnte die Sportpolitik nicht helfen. Deshalb habe ich mich an Daniela Birkenfeld gewandt. Nach etwa sechs Wochen hatten wir eine Zusage“, erläutert Christmann. „Nun kann sich Ahmed Aouadi mit diesem Spezialrollstuhl bei uns auf die Paralympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro vorbereiten.“ „Als ehemalige Sportdezernentin liegt mir dieses Gebiet immer noch am Herzen. Und ich kenne die integrative Bedeutung von Sport.

Inzwischen haben 133 der insgesamt 430 Sportvereine unserer Stadt Angebote für Menschen mit Handicap“, sagt die Stadträtin. Das Geld kommt aus allgemeinen Spendenmitteln, dahinter stehen Abgaben der Pfandhäuser. „Die Mittel dienen Trägern der örtlichen Sozialhilfe, sie sollen Teilhabe ermöglichen. Alle Ausgaben werden nachgewiesen und kontrolliert“, erklärt Birkenfeld. Es wäre gut, wenn es gelänge, eine Leichtathletikgruppe für Menschen mit Handicap aufzubauen – darin sind sich alle einig. Und denken schon weiter: Später könnte diese Gruppe in die bestehenden Leichtathletik-Abteilung integriert werden – Inklusion im besten Sinne.

TG Sachsenhausen ist seit zwei Jahren barrierefrei

Barrierefrei ist die Sportstätte an der Babenhäuser Landstraße seit dem Umbau vor zwei Jahren. Die TG Sachsenhausen und die TSV Sachsenhausen nutzen die Anlage gemeinsam. Auf der 400 Meter langen Laufbahn führt Ahmed Aouadi seinen neuen, für ihn individuell angefertigten und etwa sechs Kilo leichten Rennrollstuhl vor. Bis zu 36 Kilometer pro Stunde kann der Spitzenathlet damit erreichen. Hartes Training steckt dahinter, ein bis zwei Stunden täglich, sechs Mal die Woche. „Im Winter könnte Ahmed außerdem in der Halle trainieren, die wir umbauen und für die Tanzabteilung herrichten wollen. Einen Kraftraum soll es dann auch geben“, blickt Christmann in die Zukunft. Er hofft, dass noch in diesem Jahr ein entsprechender Pachtvertrag über das Gelände abgeschlossen und dann der Umbau in Angriff genommen werden kann. Ahmeds Frau Nicole schaut ihrem Mann bewundernd zu, wie er seine schnellen Runden um den Platz fährt. Seit drei Jahren sind die beiden verheiratet, hatten sich in Nicoles Urlaub kennengelernt – sie wohnte in Tunesien im gleichen Hotel wie die tunesische Nationalmannschaft. „Wir sind über die Suche im Internet auf die TG Sachsenhausen gestoßen. Mit dem neuen Gerät kann Ahmed wieder trainieren, denn der Rennrollstuhl in Tunesien war ja ein Leihgerät“, sagt sie. Ehrgeizig, wie Ahmed Aouadi ist, klappt die Qualifikation für die Paralympics. Vielleicht gibt es bis dahin sogar eine gemeinsame Leichtathletik-Abteilung – mit einem Goldmedaillengewinner als Übungsleiter.

jf

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