„Beim Medieninteresse stehen wir auf Platz sechs“

98er-Präsident Rüdiger Fritsch über die ersten Wochen der Lilien in Liga eins

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„Wirtschaftlich in andere Dimensionen vorgedrungen“: Rüdiger Fritsch, Präsident des SV Darmstadt 98.

Rüdiger Fritsch, Präsident des SV 98, spricht im Interview mit dem EXTRA TIPP über den Saisonstart in Liga eins, den Medienhype rund um die „Lilien“ und eine teure letzte Runde. Von Jens Dörr

Drei Spiele, drei Unentschieden: Wie zufrieden sind Sie mit dem sportlichen Auftakt in die erste Erstliga-Saison der „Lilien“ seit 1981/82?

Wir können nur zufrieden sein. Für uns ist es wichtig zu sehen, dass wir keine leichte Beute sind, kein Kanonenfutter. Auf dieser Erkenntnis können wir aufbauen.

Einige Medien und Ihr jüngster Gegner Hoffenheim sparten nach dem schwachen 0:0 vergangenen Samstag nicht mit Kritik an der destruktiven Spielweise.

Wer erwartet, dass wir etablierte, mit Weltklasse-Spielern durchsetzte Mannschaften an die Wand spielen, sieht die Relationen nicht richtig. Jeder ist außerdem wirklich gut beraten, sich um seine Dinge zu kümmern. Die Worte von Hoffenheims Trainer Markus Gisdol, der von „abartig und eigenartig“ gesprochen hat, sind in seiner Mundart übrigens als Kompliment zu verstehen und waren auch so gemeint.

Geben Sie in Zeiten des Medienhypes rund um den SV 98 eigentlich noch gerne Interviews?

Das Volumen und die Zeit für dieses Thema haben definitiv zugenommen und sind durch den Aufstieg nochmals gestiegen. Das geht mir aber nicht auf den Geist, denn wir wollten das ja so. Die Spieler freuen sich, sich mit den Besten messen zu können. Und das gilt auch für uns im Management. Das Zeit-Management ist natürlich schon eine Herausforderung. Wir machen es aber gerne, deshalb ist es keine Belastung. Spürbar ist definitiv noch einmal ein Unterschied zwischen der Zweiten und der Ersten Liga. Das ist nicht nur so, weil wir Aufsteiger sind, sondern weil unsere Geschichte eine besondere ist. Das ergibt sich aus unserer Historie. Wir lassen zum Beispiel von unseren Mitarbeitern das Medieninteresse analysieren. Dabei kam heraus, dass wir unter den Bundesligisten bislang auf Platz sechs des Medieninteresses stehen. Deshalb ist für uns das Arbeitsaufkommen höher.

Inwiefern profitiert der SV 98 im Sponsoring bereits durch die breite mediale Darstellung?

Das tun wir auf jeden Fall. Die Gründe sind verschieden: Für uns spezifisch ist unser positives Image in der Öffentlichkeit. Zudem sind wir als Erstligist allgemein präsenter und werden öfter im Fernsehen gezeigt. Das ist ein objektiver Fakt und hat nichts mit dem SV 98 im Besonderen zu tun. Drittens wissen die Firmen auch, dass bei uns die Preise andere sind als beim FC Bayern. Wir sind bei Sponsoren auch wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses interessant.

In wenigen Wochen findet die Jahreshauptversammlung statt. Welche Zahlen wird das Präsidium präsentieren – und wie wird es sich zur diskutierten Ausgliederung des Profi-Fußballs aus dem Verein positionieren?

Zunächst zur Ausgliederung: Unser Vereinsgeschäft hat bestimmte Dimensionen erreicht, in denen man das Thema diskutieren und angehen muss. Die Frage ist, ob unsere Strukturen die gleichen wie die eines Kegel- oder Musikvereins sein können. Auf der Versammlung soll auch dieses Thema auf informeller Ebene zur Sprache kommen. Zu den Zahlen: Wir sind gerade dabei, sie endgültig zusammenzustellen. Das wird eine Plus-Minus-Geschichte. Die Leute schauen gern nur auf die Einnahmenseite und vergessen die Ausgabenseite.

Man muss aber den Erfolg den wir in der Zweiten Liga hatten, mit ins Kalkül ziehen, gerade weil wir sehr leistungsbezogen vergüten. Finanziell war es eine teure Zweitliga-Saison, sportlich eine herausragende. Es macht aber nichts, dass das vergangene Jahr auf plus minus Null hinauslaufen könnte. Schließlich sind wir durch den Erfolg in wirtschaftlich andere Dimensionen vorgedrungen.

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