Eintracht-Rückblick: Nach Veh ein neuer Dreh

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Alex Meier (Mitte) tankt sich gegen Stuttgart durch. Für die SGE wird er unverzichtbar.

Frankfurt – „Es war ein tolles Jahr, wir haben das gesamte Spektrum abgedeckt“, sagte Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen über 2014. Tatsächlich war es ein Jahr mit zwei verschiedenen Eintracht-Mannschaften. Und beide haben mit Erfolg gespielt. Von Peppi Schmitt

Im ersten Halbjahr noch die „alte“ Eintracht mit Trainer Armin Veh, mit Kapitän Pirmin Schwegler, mit Antreiber Sebastian Rode, Eigengewächs Sebastian Jung  und Torjäger Joselu. Diese Eintracht hat große Spiele geliefert, das beste und spektakulärste gegen den FC Porto in der Europa-League, als die Mannschaft trotz einen 3:3-Unentschiedens nach dem 2:2-Hinspiels ausschied. Im Sommer gab es dann tränenreiche Abschiede, vor allem für den allseits beliebten Trainer Armin Veh. Dass sich später herausgestellt hat, dass Veh mit seinem Wechsel nach Stuttgart aufs falsche Pferd gesetzt hat, ist nur noch eine Randnotiz. Denn die „neue“ Eintracht mit dem neuen Trainer Thomas Schaaf und vielen, vielen neuen Spielern, hat ihre Vorgänger ziemlich schnell vergessen lassen. Nach spielerisch holprigem Beginn ist die Eintracht immer besser geworden und am Ender der Vorrunde in den letzten Wochen, haben die Frankfurter so spektakulär und erfolgreich gespielt, wie es ihnen kaum einer zugetraut hatte. Das größte Kompliment an die Beteiligten: Von den Verlusten des Sommers ist längst keine Rede mehr. Thomas Schaaf  ist angekommen in Frankfurt. Er arbeitet anders als sein Vorgänger, er wollte auch anders spielen lassen, mit weniger Ballbesitz, und schneller nach vorne. Das hat gerade zu Beginn nicht immer geklappt, dennoch war es halbwegs erfolgreich.

Guter Start für die Eintracht

Der Eintracht war ein guter Start gelungen, bevor der „Verletzungsteufel“ zugeschlagen hat. Nacheinander sind mit Nelson Valdez und Constant Djakpa  (beide Kreuzbandrisse), vor allem aber Kevin Trapp (Syndesmoseriss) und Carlos Zambrano  (Innenbandriss im Knie) wichtige Spieler ausgefallen. Das waren Rückschläge, die noch übertroffen wurden von teilweise unverständlichen bis unverschämten Leistungen der Schiedsrichter. Vier klare Elfmeter wurden nicht gepfiffen. Erinnert sei dabei an den sogenannten „Headset“-Skandal, als die technische Kommunikation zwischen Schiedsrichter Manuel Gräfe und dem vierten Mann nicht funktioniert hatte, die Eintracht deshalb einen klaren Strafstoß nicht bekam und schließlich gegen den FC Ausgburg mit 0:1 unterlag.Im Frühherbst schlitterte das Team in eine tiefe Krise, unterlag inklusive Pokal fünfmal in Folge. Der Absturz in die Abstiegsregion schien unvermeidlich.

Ruck durch die Mannschaft

Doch dann, ausgerechnet vor dem Heimspiel gegen Bayern München, ging ein Ruck durch die Mannschaft. Trainer und Spieler hatten sich zusammengesetzt und Grundsätzliches verändert. Fortan wurde aktiver gespielt, früher attackiert, der Gegner unter Druck gesetzt, mehr agiert als reagiert. „So fühlt sich die Mannschaft offenbar am wohlsten“, hatte der Trainer erkannt. Es wurde schon gegen die Bayern besser, obwohl am Ende eine 0:4-Niederlage stand. Doch dann kamen drei Siege in Mönchengladbach, gegen Dortmund und Bremen und die Eintracht hatte ihre Zuschauer mit begeisterndem Fußball zurück erobert. Der Rest war Schaulaufen. 2:3 in Hoffenheim, 4:4 gegen Hertha nach 0:3-Rückstand und zwei Toren von Alex Meier in den letzten Sekunden, ein 1:1 in Leverkusen. „Unsere Arena ist der Tempel des Spektakels“, sagte Finanzvorstand Axel Hellmann. Dem Trainer war es dann fast schon zu viel des Guten. „Wir müssen unser Tor besser verteidigen“, sagte Schaaf, „das geht an die Nerven.“ Das liegt auf der Hand bei einem Torverhältnis von 34:34 nach 17 Spielen. Und doch waren alle zufrieden, gerade auch nach dem Remis zum Abschluss bei Bayer Leverkusen.

Wieder den eigenen Stil gefunden

Die Eintracht hat wieder einen eigenen Stil gefunden, steht für Offensivfußball, für Kombinationsfußball. Und sie hat einen Alex Meier. Der 31 Jahre alte Stürmer liegt mit 13 Treffern deutlich an der Spitze der Torschützenliste der Liga. „Er ist ein Phänomen“, sagt Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Er hat die Gabe, immer da zu stehen, wo die Kugel hinkommt“, sagt sein Trainer. Doch längst ist die Eintracht nicht nur Meier. Sportdirektor Bruno Hübner, zu Beginn der Saison noch heftig kritisiert, teilweise auch intern, hat zwei, drei Volltreffer bei den Neuverpflichtungen gelandet. Zunächst einmal Haris Seferovic. Der Schweizer Nationalstürmer hat auch schon sieben Treffer erzielt und den Spanier Joselu vergessen lassen. Aber auch der Japaner Makoto Hasebe ist nach holprigem Beginn immer besser geworden und erfolgreich in die Fußstapfen des ehemaligen Spielmachers Pirmin Schwegler getreten. Genau wie Timothy Chandler, der lange gebraucht hat, aber zuletzt ähnlich gute Leistungen zeigen konnte wie sein Vorgänger Sebastian Jung. Und so hat sich bei der Eintracht vieles zum Guten gewendet. „Wenn die Verletzten zurückkehren, haben wir noch Potential nach oben“, sagt der Trainer. Das ist ein schönes Versprechen für 2015.

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