Rekord-Werte: Pechstein erwägt Selbstanzeige

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Claudia Pechstein will ihre Karriere zunächst auf dem Rad fortsetzen

Berlin - Auch nach Ablauf ihrer Sperre explodieren die Blutwerte bei Claudia Pechstein. Die Eisschnellläuferin erwägt eine Selbstanzeige und fährt nächste Woche bei den Bahnrad-Meisterschaften.

Claudia Pechstein lässt nicht locker: Nach rekordverdächtigen Retikulozytenwerten bei den Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften in Inzell will die fünfmalige Olympiasiegerin den Eislauf-Weltverband ISU zwingen, sie öffentlich zu rehabilitieren.

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“Ich fordere die ISU auf, die auf dem Advia-Gerät gemessenen Blutwerte - insbesondere bei der WM 2011 - endlich öffentlich zu machen. Sollte sich die ISU hierzu bis Ende Juli nicht erklären, ziehe ich eine Selbstanzeige in Betracht“, erklärte Pechstein am Donnerstag in Berlin. Mit der möglichen Selbstanzeige will die bis zum 8. Februar 2011 gesperrte Pechstein die ISU zu einem zweiten Verfahren gegen sie zwingen, um ihre Unschuld nachzuweisen.

Auf eigene Kosten hatte sie bei der WM im März ihre Blutwerte testen lassen. Dabei waren die Retikulozytenwerte mit 3,7 und 3,8 Prozent so hoch wie nie zuvor. Damit lagen sie auch höher als jene bei der WM 2009 in Hamar, die zur Sperre geführt hatten. Ihr bisher gemessener “Rekordwert“ stand vom November 2007 in der Höhe von Calgary bei 3,75. Der Weltverband hat sich bisher geweigert, die von Pechstein bei der Inzeller WM selbst geforderte offizielle Dopingkontrolle auf dem Advia-Gerät öffentlich zu machen. In ihrem Blutpass-Programm waren nur auf einer Sysmex-Maschine gemessene Werte öffentlich geworden, die über einen niedrigeren Referenzbereich (bis 2,0 statt 2,5 Prozent bei der Advia) verfügt. Ihr Anwalt Simon Bergmann bezeichnete dieses Vorgehen des Weltverbandes als “mafiös“.

Während die ISU bisher immer davon ausging, dass Pechsteins hohe Werte nur durch Doping möglich gewesen seien, hatten Hämatologen der 39-jährigen Berlinerin, die Doping stets bestritt, nach ihrer Sperre eine Blutanomalie als Grund für die schwankenden Werte bescheinigt.

Beiläufig teilte Pechstein in Berlin mit, dass sie in der kommenden Saison auch Weltcup-Starts über 1000 Meter ins Auge fasst. Als nächstes sportliches Ziel nimmt sie aber den Start bei den Bahnrad-Meisterschaften kommende Woche in Berlin in der Einzelverfolgung und im Zeitfahren in Angriff. “Ich habe nichts zu verlieren und nicht den Anspruch, deutsche Meisterin zu werden“, sagte Pechstein. Sie konterte die bisherige Skepsis von BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer mit den Worten: “Er hat mich noch nicht auf der Bahn gesehen. Ich möchte sehen, was er sagt, wenn ich gut fahre.“ Am Donnerstag räumte Bremer aber ein, dass er eine Olympia-Qualifikation von Pechstein nicht ausschließt.

Scherzhaft meinte Pechstein: “Meine Altersklasse werde ich definitiv gewinnen.“ Keine Sportlerin ihres Alters wird sich in Berlin vorstellen. Ihr Rad-Trainer Werner Otto, für dessen Verein sie auch startet, hält einen Olympia-Start 2012 für realistisch. “Sie kann es schaffen. Aber ich bin kein Fantast, die Bandbreite der Anforderungen ist sehr hoch“, sagte der Ex-Tandem-Weltmeister.

dpa

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