Interview

Rebensburg: So war mein Heimaturlaub

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Viktoria Rebensburg

Schladming - Viktoria Rebensburg hat in der Heimat Kraft getankt und will jetzt bei der Ski-WM noch mal angreifen. Im Interview spricht sie über ihre Aussichten.

Viktoria Rebensburg war seit dem Olympiasieg 2010 in Vancouver die dominierende Riesenslalom-Fahrerin im Weltcup. Die bisherige Saison ist für sie jedoch nicht ganz nach ihren Vorstellungen verlaufen, vor allem im Riesenslalom, wo sie den Weltcup-Titel bereits an Tina Maze (Slowenien) verloren hat. Bei der WM startete die 24-Jährige mit Platz acht im Super-G, am Donnerstag im Riesenslalom gehört sie zu den Medaillenkandidaten. Im Interview mit dem SID spricht sie über ihre Aussichten.

Viktoria Rebensburg, nach dem Super-G sind Sie noch einmal aus Schladming abgereist. Wie war es zu Hause?

Viktoria Rebensburg: Schön. Es war lustig - die anderen haben sich reingehaut im Kampf um Medaillen, und ich war daheim. Das war mal eine andere Erfahrung, irgendwie komisch, aber auch cool. Ich habe mein normales Leben gelebt, das Leben zu Hause genossen. Ich habe Freunde getroffen, war mal einen Kaffee trinken und im Kino.

Was haben Sie sich angeschaut?

Rebensburg: Kokowääh 2, war echt lustig.

Sie sind seit Samstag zurück in Schladming und galten auch als Kandidatin für den Team-Wettbewerb am Dienstagabend. Warum waren Sie nicht dabei?

Rebensburg: Ich wäre schon gerne gestartet. Aber das war eher ein Parallel-Slalom als ein Parallel-Riesenslalom wie bei manchen vergangenen Rennen. Deshalb war es mannschaftsdienlicher, dass da jemand oben stand, der auf so einem Hang besser Ski fährt als ich.

Maria Höfl-Riesch hat in der ersten Woche gleich zwei der drei insgesamt erhofften Medaillen gewonnen. Erleichtert Ihnen das den Start beim Riesenslalom am Donnerstag?

Rebensburg: Natürlich ist es schön, dass wir schon Medaillen gewonnen haben, aber jeder hat ja seine ganz persönlichen Ziele und Erwartungen, unabhängig vom Team oder Maria. Ich will angreifen und Gas geben, mich gscheit reinhauen. Ich bin jetzt wieder da - und voll drinnen.

Welche Erwartungen haben Sie konkret?

Rebensburg: Es wäre schön, eine Medaille zu gewinnen, das ist das Ziel von jedem Athleten. Aber es wird nicht leicht. Es muss an einem Tag alles passen. Die Konkurrenz ist sehr stark, und ich war in dieser Saison nicht so konstant wie die beiden Jahre zuvor. Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: auf das Skifahren. Am Ende werde ich sehen, was rauskommt.

Bei der WM 2011 waren Sie die Top-Favoritin im Riesenslalom und wurden Fünfte ...

Rebensburg: Der fünfte Platz war für mich eine Enttäuschung. Ich hatte im Vorfeld mit einer Grippe zu kämpfen und war auch nicht im Vollbesitz meiner Kräfte. So etwas hat man nicht in der Hand und kann man leider nicht steuern. Es war bitter für mich, weil ich in dieser Saison bis dahin schon zwei Rennen gewonnen hatte und in einer sehr guten Form war. Aber ich konnte daraus lernen, was ich in Zukunft vielleicht ein bisschen besser machen kann.

Was denn zum Beispiel?

Rebensburg: Ich habe eine gewisse Sensibilität entwickelt, was meinen Körper angeht. Wenn im familiären Umfeld jemand krank ist, bin ich vorsichtiger. Meine kleinen Cousinen zum Beispiel besuche ich dann vor einem wichtigen Rennen nicht. Ich habe gelernt, meinen Körper noch besser zu pflegen und mache vorbeugend mehr.

Die Voraussetzungen diesmal sind andere ...

Rebensburg: Ja, es hat sich dieses Jahr ein bisschen verändert. Ich habe bislang einen Sieg, einen zweiten und einen dritten Platz. Aber es gab eben auch zwei Ausfälle und den 15. Platz in Courchevel. Für mich ist die Favoritin im Riesenslalom Tina Maze. Auch Anna Fenninger und Tessa Worley schätze ich sehr stark ein. Ich freue mich auf das Rennen, und ich weiß, dass ich vorne dabei sein kann.

Sie hatten anfangs mit der Umstellung des Materials zu kämpfen. Was ist so anders an diesen Ski?

Rebensburg: Der Ski carvt nicht mehr so schön in die Kurve rein. Man muss selbst mehr machen beim Fahren, manchmal auch gar nicht so sehr auf sein Skigefühl hören, sondern einfach versuchen, von Tor zu Tor an Geschwindigkeit aufzunehmen. Wenn ich das umsetze, dann ist das so wie bei meinem Sieg in Åre, wo auch die Schneeverhältnisse für mich richtig gut waren. Und dann gibt es halt auch wieder andere Rennen, da treffe ich es nicht so genau.

Woran liegt das?

Rebensburg: Das weiß ich selber nicht genau. Ich befinde mich in einem Prozess. In den vergangenen Jahren war es so: Hatte man einmal ein Setup gefunden, griff das bei allen Bedingungen. Dieses Jahr scheint das nicht mehr so zu sein. Und es ist schwierig, während der Saison einen Mittelweg zu finden. Wichtig ist, dass ich mich auf das Skifahren und auf die Technik konzentriere und das Wesentliche nicht vergesse. Da kann ich nichts Negatives feststellen. Trotzdem denke ich immer wieder: Wo stehe ich eigentlich?

Sie kommen ins Grübeln, wenn es nicht so gut läuft?

Rebensburg: Nein. Ich mache mir immer Gedanken über den Sport, was ich verbessern und verändern kann, aber nicht nur, wenn es mal nicht so läuft. Man muss immer schauen, dass man sich verbessert und dran bleibt. Ich weiß, dass ich schon ganz nahe dran bin, dass ich es wieder so umsetzen kann, wie ich es mir vorstelle, aber es sind dann noch Feinheiten, die perfekt zusammenpassen müssen.

Wie gehen Sie mit Durchhängern oder Rückschlägen um?

Rebensburg: Auf gar keinen Fall aufgeben. Es ist ja auch bislang eine ordentliche Saison, aber noch nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Das gehört im Sport dazu.

Wenn man jemanden sieht wie Tina Maze, die ja relativ dominant ist im Riesenslalom, schaut man sich da eigentlich auch mal was ab?

Rebensburg: Ja klar, ich schaue mir die Schnellsten immer an. Vor allem die Technik, die sich jetzt mit den neuen Skiern ein bisschen weiterentwickelt hat. Auch Anna Fenninger, die auch starke Leistungen im Riesenslalom gebracht hat, schaue ich mir an und versuche die Dinge, bei denen ich denke, dass sie für mich hilfreich sind, im Training auszuprobieren. Was das Material betrifft, so kann ich am Ski nicht mehr viel rausholen. Bindung, Platte und Schuh - das sind Punkte, an denen ich in den letzten Tagen gearbeitet habe.

sid

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