Neuner-Rücktritt: Sogar die Konkurrenz trauert

+
Magdalena Neuner will ihre Karriere mit 25 Jahren beenden

Wallgau - Die Biathlon-Szene ist überrascht vom Rücktritt Magdalena Neuners zum Ende der Saison. Sogar Konkurrentinnen sind traurig. Wir haben die Reaktionen zusammengestellt:

Biathlon-Weltcupgesamtsiegerin und Weltmeisterin Kaisa Mäkäräinen (Finnland): “Das ist sehr schade, sie wird definitiv fehlen. Aber ich kann sie verstehen. Denn sie hat alles gewonnen und man muss sehr viel investieren und auf viel verzichten.“

Biathlon-Weltmeisterin Helena Ekholm (Schweden): “Das ist schlecht für den Biathlon, vor allem in Deutschland. Aber wenn Du nichts mehr gewinnen kannst, ist es hart, sich zu motivieren. Ich kann ihre Entscheidung verstehen.“

Biathlon-Olympiasieger Tarjei Bö (Norwegen): “Das ist schade und ungewöhnlich, in so einem jungen Alter seine Karriere zu beenden. Ich respektiere Athleten, die nicht ihr ganzes Leben dem Erfolg hinterher rennen. Ich denke, ich würde dasselbe machen, wenn ich wie sie alles gewonnen hätte.“

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

Biathlon-Olympiasiegerin Martina Beck bei Sky Sport News: “Es kommt für mich nicht überraschend. Sie hat immer gesagt, dass sie nicht lange machen wird. 25 Jahre ist kein Alter für eine Biathletin, da fangen andere erst an mit Siegen. Aber sie hat eben schon alles erreicht und wollte jetzt einfach die Wahrheit sagen.“

Olympiasieger Michael Greis bei Sky Sport News HD: “Hat ja immer schon gesagt, dass sie Biathlon nicht ewig machen will. Es ist eigentlich schade, weil sie die Person ist die das in Deutschland hochhält, die Strahlefrau sozusagen.“Emil Hegle Svendsen: “Sie ist eigentlich noch zu jung, um aufzuhören. Aber wenn man keine Motivation mehr hat, sollte man es machen.“

Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer bei Sky Sport News HD: “Hat alles erreicht, was man im Biathlon erreichen kann. Bei ihr ist die Ausgangslage anders. Wenn man keinen Spaß mehr daran hat, in der Welt herumzureisen, dann sollte man etwas anderes machen.“

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle: “Mit Lena verliert der Biathlon-Sport seine Königin, sie ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Aber sie hat alles erreicht und ich kann nachvollziehen, dass es schwer ist, sich immer wieder neu zu motivieren. Sie will keine Rekorde wie andere Sportler. Lena wird nur an Siegen gemessen und wenn man sich dem nicht aussetzen will, ist der Rücktritt eine konsequente Entscheidung. Aber es ist wirklich Schade. Auch für uns Langläufer. Lena war ja immer eine Option für eine Staffel-Nominierung.“

Langlauf-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle: “Ich kann Lenas Entscheidung nachvollziehen. Sie steht immer in der Öffentlichkeit und das kann sehr stressig sein. Sport ist nicht alles im Leben, man will auch ein Privatleben führen. Nach der Saison steht für sie die Familie im Vordergrund. Lena war ganz wichtig für den deutschen Sport, sie wird nicht nur im Biathlon fehlen. Ich hoffe, dass vielleicht wieder jemand anderes gefunden wird.“

Bob-Bundestrainer Christoph Langen: “Für den Frauen-Biathlon ist es ein herber Verlust, doch ich schaue immer nach vorne und sage: Das ist auch eine große Chance für die jungen Wilden danach. Sie können sagen, jetzt kommen wir! Magdalena Neuner hat mit 24 Jahren alles erreicht, was man erreichen kann in dieser Sportart. Sie ist finanziell abgesichert und kann sich als eine der größten Biathletinnen Deutschlands berechtigt fragen: Was kommt noch? Das Leben bietet nun mal noch mehr Überraschungen auch außerhalb des Sports, daher muss man diesen Schritt respektieren.“

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbands: “Lena ist nicht nur eine der erfolgreichsten Sportlerinnen, sondern gleichzeitig auch eine der sympathischsten und beliebtesten Athletinnen Deutschlands. Deshalb bedauern wir natürlich, dass sie nur noch dieses eine Jahr aktiv sein wird. Lena hat so viel für ihre Sportart und den Deutschen Skiverband geleistet, dass es für uns selbstverständlich ist, sie auch bei ihrer weiteren Lebensplanung bestmöglich zu unterstützen. Wir werden ihr beim DSV auch in Zukunft alle Türen offen halten.“

DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller: “Wir haben bereits vor einigen Tagen ein ausführliches Gespräch mit Lena geführt, in dem sie uns ihre Beweggründe geschildert hat. Natürlich bedauern wir ihre Entscheidung. Lena ist ganz einfach eines der ganz großen Aushängeschilder für unseren Verband und den gesamten Biathlon-Sport. Es ist klar, dass wir die Lücke, die sie nach dieser Saison hinterlassen wird, nur sehr schwer schließen können.“

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds: “Sie ist eine Sympathieträgerin und ein großes Vorbild im deutschen Sport. Vor ihrer heute getroffenen persönlichen Entscheidung haben wir großen Respekt. (...) Ich wünsche ihr, dass sie die gerade begonnene Saison nun besonders positiv erleben und erfolgreich gestalten kann. Ich hoffe, ihr gelingt bei der WM in Ruhpolding ein goldenes Finale. Wir würden uns freuen, wenn Magdalena Neuner nach ihrer Karriere im Deutschen Skiverband aber auch im deutschen Sport insgesamt noch eine Rolle spielt. Hier sind die Türen im DOSB ebenso weit offen wie im DSV.“

dpa / dapd

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare