Sieger-Aura ist futsch

Nadal unterliegt bei Comeback im Finale

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Rafael Nadal freut sich über sein gelungenes Comeback

Vina del Mar - Erfolgreiches Comeback! Rafael Nadal spielt sich in Chile zurück auf die Tour. Die Aura des Unbezwingbaren hat der Sandplatzkönig in seiner Verletzungspause allerdings verloren.

Horacio Zeballos konnte sein Glück kaum fassen. „Ich glaube, ich träume“, sagte der argentinische Davis-Cup-Spieler, nachdem er Rafael Nadal im Finale des ATP-Turniers von Vina del Mar in Chile 6:7 (2:7), 7:6 (8:6), 6:4 bezwungen hatte. Zeballos - in der Weltrangliste ein Spieler der Kategorie „ferner liefen“ - steht damit auf einer Stufe mit Novak Djokovic und Roger Federer. Die Superstars im Tennis-Zirkus waren bislang die einzigen, die Sandplatzkönig Nadal in einem Finale auf seinem Terrain geschlagen haben.

Damit bestätigt sich die Befürchtung eines weiteren Weltklassespielers der „Fab Four“: Olympiasieger Andy Murray prophezeite, dass Nadal in seiner Zwangspause mehr verloren haben könnte als ein paar Plätze in der Weltrangliste oder das Vertrauen in seinen geschundenen Körper. „Er wird nicht sofort wieder die gleiche Aura haben“, sagte Murray: „Solange er nicht sein bestes Tennis spielen kann, werden die Spieler daran glauben, dass er schlagbar ist.“

Gegen Zeballos kassierte Nadal erst die zehnte Niederlage überhaupt auf seinem geliebten Sandplatz. Geht es nach Murray, wird es nicht seine letzte in diesem Jahr gewesen sein. Der Australian-Open-Finalist erwartet, dass es „Wochen oder Monate dauern kann, bis Nadal wieder er selbst ist“. Eines sei jedoch gewiss: „Spätestens bei den French Open ist er wieder in guter Verfassung.“

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Die Titelverteidigung im Stade Roland Garros (26. Mai bis 9. Juni) ist das Ziel des Familienunternehmens Nadal. Onkel Toni bezeichnete bereits das mit 410.200 Dollar (ca. 300.000 Euro) dotierte Turnier in Vina del Mar als „unsere ersten French Open“. Auch „Rafa“ ist sicher, in Paris mit Djokovic, Federer und Murray mithalten zu können. „Ich muss einfach nur weiter arbeiten und mit Hoffnung, Motivation und der richtigen Einstellung trainieren“, sagte der 26-jährige Spanier nach seiner Finalniederlage.

Schwankungen hat er bis dahin einkalkuliert. 222 Tage Zwangspause und die mit dem Hoffa-Kastert-Syndrom, der Schwellung im Fettgewebe unter der Patellasehne, verbundenen Schmerzen wirken nach. Alleine die Erinnerung daran lässt Nadal zusammenzucken: „Bei jeder Bewegung hätte ich schreien können.“

Noch immer zwickt es im Knie, und niemand weiß genau, ob Nadals Schwachstelle die Belastungen der Tour auf Dauer aushalten kann. Der Linkshänder selbst verbreitet allerdings Zuversicht, seine erste Turnierwoche nach der Auszeit habe ihm viel Selbstvertrauen gegeben. „Alles in allem war es sehr positiv“, sagte Nadal und sprach von einem „großartigen Turnier“. Daran änderte auch die zweite Finalpleite innerhalb weniger Stunden nichts. An der Seite von Juan Monaco (Argentinien) unterlag Nadal im Doppel den Italienern Paolo Lorenzi/Potito Starace 2:6, 4:6.

„Natürlich wollte ich heute gewinnen, aber es war nicht möglich“, sagte Nadal und lobte seinen Gegner Zeballos: „Er hat heute vieles besser gemacht als ich. Und ich hatte nicht meinen besten Tag.“ Auch nach sieben Monaten ohne offizielles Match muss vieles zusammenkommen, damit Nadal einem Namenlosen der Tour unterliegt. Diese Erkenntnis nimmt er aus Chile mit, um bis zum Major in Paris seine Aura wiederzufinden.

sid

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