Mit russischen Träumen

Putin eröffnet Winterspiele in Sotschi

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UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (links), der russische Präsident Vladimir Putin (rechts) und IOC-Präsident Thomas Bach (Mitte).

Sotschi - Die 22. Olympischen Winterspiele sind am Freitagabend in Sotschi eröffnet worden. Die Show war ein angenehmer Kontrast zum bisherigen Gigantismus von „Putins Party“.

Ein Kind namens Liebe, die gewaltige Stimme von Anna Netrebko und eine gelungene Änderung beim sonst so zähen Einmarsch der Nationen: Mit einer kurzweiligen, leichten und eher „kleinen“ Show haben am Freitagabend im russischen Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele offiziell begonnen. Der russische Staatspräsident Wladimir Putin, die treibende Kraft hinter der Vergabe und Ausrichtung der Spiele, sprach um 22.26 Uhr Ortszeit die traditionelle Eröffnungsformel.

Neben Putin saß Thomas Bach, für den diese viel kritisierten Spiele die ersten seiner Amtszeit als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sind. Er forderte in seiner engagierten Ansprache die Politiker dazu auf, ihre Konflikte „nicht auf dem Rücken der Sportler auszutragen“. Dann rief er Sportler, Offizielle, Zuschauer und die Fans in aller Welt dazu auf, „die Spiele zu genießen“.

Die Eröffnung war ein Kontrast zum sonstigen Gigantismus der Spiele. Die Entzündung des Olympische Feuers als Schlusspunkt vor einem dann wieder gewaltigen Feuerwerk fand außerhalb des Olympiastadions Fischt statt. Die frühere Eiskunstläuferin Irina Rodnina, dreimalige Olympiasiegerin im Paarlauf, und der legendäre ehemalige Eishockey-Torhüter Wladislaw Tretjak schickten die Flamme mit einer kleinen Fackel an die Spitze einer großen.

„Der IOC-Präsident Thomas Bach hat in seinen Worten die aktuellen Diskussionen nochmal auf den Punkt gebracht und zugleich die Athleten eindrucksvoll in den Mittelpunkt gestellt“, lobte DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der mit der Mannschaft einlief. Die Stimmung im Stadion war aber zwischenzeitlich ein wenig bedrückt, nachdem das Publikum davon erfahren hatte, dass ein angeblich mit einer Bombe bewaffneter Entführer ein Flugzeug nach Sotschi hatte umleiten wollen. Die Maschine aus dem ukrainischen Charkow landete allerdings sicher in Istanbul.

Bemerkenswert war auch der Einmarsch der Athleten: Die Sportler kamen aus einem doppelten Boden im Innenraum des Stadions. Nach zehn Minuten gab es zunächst eine Panne, als sich von fünf gewaltigen Schneeflocken unter dem Hallendach nur vier in die Olympischen Ringe verwandelten. Durch die Show unter dem Titel „Dreams of Russia“ (Russlands Träume) führte zunächst ein Mädchen namens Lubow („Liebe“), das zu Beginn an Seilen vom Stadiondach hängend zwischen „fliegenden“ Inseln umherschwebte.

Die deutsche Delegation kam als 21. in das Stadion und wurde eher verhalten empfangen. Angeführt wurde sie von Ski-Rennläuferin Maria Höfl-Riesch, die als eine der großen Medaillenhoffnungen gilt. „Ich hatte selbst unter der dicken Jacke eine Gänsehaut“, sagte die 29-Jährige im ZDF: „Das war von den Emotionen her unbeschreiblich.“ Das erste deutsche Gold könnte spätestens am Sonntagabend Ortszeit der favorisierte Rodler Felix Loch holen, er war bereits 2010 in Vancouver der erster deutsche Olympiasieger. Die 153 deutschen Athleten sollen wie vor vier Jahren 30 Medaillen holen und mindestens Dritte der Nationenwertung werden.

Insgesamt erschien die Rekordzahl von 88 Delegationen - Rekord. Sieben Nationen sind in Sotschi erstmals bei Olympischen Winterspielen vertreten, darunter Malta, Osttimor oder Tonga. Bis 23. Februar treten 2873 gemeldete Sportler in 98 Wettbewerben an - ebenfalls Rekord. Zwölf Disziplinen sind neu, etwa Skispringen der Frauen. Die Russen hoffen auf Großtaten der Eiskunstläufer vor allem auf der Eishockey-Nationalmannschaft.

Nach der Präsentation der Teilnehmer zeichnete die „russische Odyssee“ den Weg des Landes hin zur Moderne nach. Themen der Show waren auch Leo Tolstojs literarisches Mammutwerk „Krieg und Frieden“, das von Stars des russischen Balletts dargestellt wurde, und die Oktoberrevolution, die das Ende des Zarentums markierte. Als „Visitenkarte Russlands“ hatte Ernst die Eröffnungsfeier bezeichnet. „Das war ein lockerer und unterhaltsamer Streifzug durch die russische Geschiche, gewürzt mit selbstironischen Elementen“, lobte DOSB-Generalsekretär Michael Vesaper.

Bislang hatte Russland kein gutes Bild abgegeben. Die Vorbereitung der Spiele war begleitet von Diskussionen um Umweltsünden, Korruption und die schlechte Behandlung der Zehntausenden Arbeiter. Spitzenpolitiker aus aller Welt, darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel oder US-Präsident Barack Obama, hatten auf einen Besuch der Eröffnung verzichtet. Bach dankte in seiner Rede auch den Arbeitern von Sotschi für ihre Leistungen „unter manchmal schwierigen Bedingungen“.

Olympia-Eröffnung mit Panne

Olympia-Eröffnung mit Panne

Ebenfalls in Verruf geraten war Russland wegen seiner ablehnenden Haltung und Gesetzgebung zur Homosexualität. Umso bemerkenswerter, dass im Verlauf des einstündigen Aufwärmprogramms vor der eigentlichen Show das russische Pop-Duo t.A.T.u. auftreten durfte: Die beiden Sängerinnen hatten vor gut zehn Jahren auch international große Popularität erlangt, vor allem, weil sie offen ihre vorgebliche lesbische Beziehung zur Schau stellten und sich danach für die Rechte Homosexueller einsetzten.

sid

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