Experte Simon:

"60 Prozent der Athleten bei Olympia gedopt"

Köln - Der Mainzer Sportmedizin-Professor Perikles Simon vermutet eine alarmierende Dopingquote bei den Olympischen Spielen 2012.

 „Ich befürchte, dass bei Olympia in London, über alle Sportarten verteilt, im Schnitt 60 Prozent der Athleten gedopt waren“, sagte der Dopingforscher im Interview mit den Zeitungen der WAZ-Gruppe: „An den sauberen Sport glaube ich auf diesem Niveau nicht mehr.“

Zur mutmaßlich dopenden Mehrheit zählt Simon, der im Bereich Gendoping zu den weltweit führenden Wissenschaftltern gehört, auch den zweimaligen Dreifach-Olympiasieger Usain Bolt aus Jamaika: „Das ist wahrscheinlich so, wie bei allen, die auf diesem Niveau antreten“, sagte der 39-Jährige: „Es wäre doch verrückt zu glauben, im Sprint hätte es sich zum Guten gewendet. Ich glaube, vier Zehntelsekunden der derzeitigen Spitzenleistungen über 100 Meter basieren auf Doping.“

Im Kampf gegen Doping plädiert Simon aufgrund der geringen Erfolgsquote für tiefgreifende Änderungen bei den Kontrollen. „Wir haben ein Riesen-Problem mit unserem Kontrollsystem. So kann es nicht weitergehen, das ist unglaubwürdig“, sagte Simon: „In Deutschland waren im vergangenen Jahr nur vier von 8000 Dopingproben positiv.“

Auf die Trainingskontrollen könnten sich die Athleten mittlerweile einstellen, sagte Simon, sinvoller seien daher „retrospektive Tests. Die Proben von den großen Wettkämpfen werden eingefroren und dann flächendeckend nachgetestet.“ So sei eine stärkere Abschreckung zu erreichen. „Der Sportler weiß nicht, welche Testverfahren wir in Zukunft entwickeln“, sagte Simon.

Zudem forderte er eine Ausweitung der Tests im Nachwuchssport. Sein Vorschlag: „Wir testen nicht nur die absolute Elite, sondern auch die, die auf dem Weg dorthin sind, die nicht mit Kontrollen rechnen. Dann würden einige überlegen, ob sie wirklich mit dem Doping anfangen.“

sid

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