Prothesenläufer Pistorius im Halbfinale Letzter

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Prothesenläufer Oscar Pistorius (Mitte) ist im WM-Halbfinale ausgeschieden

Daegu - Prothesenläufer Oscar Pistorius ist am Montag bei der Leichtathletik Weltmeisterschaft im 400-Meter-Halbfinale ausgeschieden. Er blieb weit unter seinen Möglichkeiten.

In einem Hollywood-Film hätte es für Blade Runner Oscar Pistorius natürlich ein Happy End gegeben. Aber weil das Leben kein Ponyhof ist, endete der Traum des Südafrikaners im 400-m-Halbfinale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Daegu. Der Prothesenläufer scheiterte als Achter in seinem Lauf und blieb mit 46,19 Sekunden mehr als eine Sekunde über seiner Bestzeit von 45,07.

Enttäuscht war der 24-Jährige aber nicht: „Mein Ziel war das Halbfinale. Ich habe hart gearbeitet, um hier zu sein. Ich habe Spaß und ein Lächeln auf dem Gesicht“, sagte Pistorius: „Es war ein unglaubliches Erlebnis, ich komme mit der Staffel zurück.“

Pistorius, der als Dritter seines Vorlaufes in 45,39 Sekunden ins Halbfinale eingezogen war, hatte damit zumindest sein Minimalziel erreicht und gleichzeitig Geschichte geschrieben. Um seinen Start hatte es im Vorfeld der Titelkämpfe viele Diskussionen gegeben. Pistorius bleibt noch der Start in der 4x400-m-Staffel, wo er allerdings laut Weltverband IAAF nur als Startläufer antreten darf.

Titelverteidiger LaShawn Merritt den den USA, der nach abgelaufener Dopingsperre im Vorlauf mit der Jahres-Weltbestzeit von 44,35 seine Ansprüche auf eine zweite Goldmedaille unterstrichen hatte, gewann auch sein Halbfinale in 44,76 und war damit erneut der Schnellste im Feld.

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Pistorius hat aber auch ohne Finalteilnahme seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Zu spektakulär sind die Auftritte des Prothesen-Läufers, zu umstritten seine Teilnahme an diesen Titelkämpfen. „In der deutschen Mannschaft dürfte Oscar Pistorius nicht laufen. Sein Start in der normalen Leichtathletik widerspricht den Grundsätzen der Leichtathletik. Seine Prothesen sind technische Hilfsmittel“, hatte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), vor dem ersten Pistorius-Auftritt gesagt.

Unterstützung erhält Pistorius dagegen von DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska: „Ich finde es faszinierend, wie er seinen Traum lebt. Er ist ein super Typ, sehr sympathisch. Für mich ist er startberechtigt. Wir, der DLV, bewerten ihn als Mitbewerber wie jeden anderen“, sagte Gonschinska und hob den Stellenwert des Südafrikaners hervor: „Er ist ein wichtiges Phänomen, ein Vorbild für andere Menschen und Sportler. Das ist das, was den Sport ausmacht.“

Die IAAF hatte Pistorius 2007 noch den Start bei der WM versagt. Grund ist eine Regel, nach der jede technische Hilfe, ob in Form von Federn, Rädern oder ähnlichen Elementen, dann verboten ist, wenn sie einen Vorteil bringen kann. 2008 hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS verfügt, dass Pistorius bei Erfüllung der Normen mit seinen Prothesen auch bei Wettkämpfen der Nichtbehinderten starten darf. Dem Südafrikaner waren im Alter von elf Monaten die Oberschenkel unterhalb der Knie amputiert worden.

dapd

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