Petkovic und das Warten auf den "Klick"

Brisbane - Andrea Petkovic hofft 2012 auf den großen Coup bei einem Grand-Slam-Turnier. Die Weltranglistenzehnte hat ihr Umfeld weiter professionalisiert und ist bereit für den nächsten Schritt.

Am ersten Weihnachtsfeiertag begann für Andrea Petkovic die große Reise. Im doppelten Sinne. Vollbepackt jettete die deutsche Tennis-Hoffnung vom verregneten Frankfurt ans andere Ende der Erde. Zurück in den Tour-Alltag nach zweimonatiger Stippvisite zu Hause - inklusive einer kräftezehrenden Vorbereitungsphase und einiger viel beachteter TV-Auftritte.

Petkovic muss der Mammut-Flug vorgekommen sein wie ein Trip in eine andere Welt. Im australischen Sommer will die 24-Jährige ab dem 2. Januar in Brisbane den Grundstein für eine Saison legen, in der für sie der erste Titel bei einem Grand-Slam-Turnier rausspringen soll. Ihr Trainer Petar Popovic („Sie kann die großen Titel gewinnen“) und Petkovic-Kenner Alexander Waske („Andrea hat jetzt das Zeug dazu“) trauen der Weltranglistenzehnten jedenfalls schon im nächsten Jahr den großen Coup zu. Erste Chance: Die Australian Open in Melbourne (16. bis 29. Januar).

So sexy ist Damen-Tennis

So sexy ist Damen-Tennis

Auch „Petko“ selbst hat nach drei Viertelfinals bei den Majors 2011 hohe Ansprüche und Erwartungen. Für eine wie sie bedeutet Stillstand Rückschritt. „Ich bin absolut davon überzeugt, dass ich noch bessere Ergebnisse erzielen kann, wenn ich mein Tennis weiter stetig verbessere. Und da bin ich auf einem guten Weg“, sagte die extrovertierte Darmstädterin dem Sport-Informations-Dienst (SID) und träumte schon mal laut: „Einen Grand-Slam-Triumph hat man für die Ewigkeit.“

Zwar sieht Petkovic Topspielerinnen wie Branchenführerin Caroline Wozniacki (Dänemark) noch leicht im Vorteil, „aber bei mir kann es jeden Moment klick machen“. Es klingt fast wie eine Drohung. Damit es dann 2012 auch so richtig klickt, hat Petkovic ihr Umfeld weiter professionalisiert. Neu im Team sind Pressesprecher Lukas Lehmann und Jörg Fischer. Der Steffi-Graf-Manager soll seiner neuen Klientin, die wegen ihrer Cleverness auf jedem Parkett überzeugt, den Rücken frei halten.

Das wird angesichts der rasant steigenden Medienanfragen immer schwieriger. Zuletzt stellte sie auf großer Bühne bei der ZDF-Gala „Sportler des Jahres“ ihre Entertainer-Qualitäten unter Beweis. Die „Petkorazzi“-Videoblogs im Internet („Für das letzte habe ich sogar ein Drehbuch geschrieben“) sind inzwischen nicht nur den Fans bekannt.

Doch die redselige Petkovic musste in der Saison ihres Durchbruchs auch erkennen, dass ihr zu viele Interviews und Auftritte die auf dem Court benötigte Kraft raubten. Mittlerweile hat sie sich selbst ein Rede-Verbot vor den Grand-Slam-Turnieren verordnet. „Andy hat in dieser Hinsicht eine gute Balance gefunden“, sagt Barbara Rittner. Die Fed-Cup-Teamchefin will allerdings nicht vom anstehenden „Jahr der Wahrheit“ für ihre Nummer eins sprechen. Rittner: „Das hört sich so dramatisch an. Es gilt, die Super-Leistungen zu bestätigen.“

Super-Leistungen, durch die Andrea Petkovic die Kehrseite ihrer neuen Popularität kennengelernt hat. „Ich meide mittlerweile zu Hause Restaurants und Bars, denn ich spüre, dass die Leute mich erkennen. Ich stehe unter einer gewissen Beobachtung“, erzählt die Anhängerin von Eintracht Frankfurt. Als sie jüngst als „DJane“ in der Centralstation in Darmstadt auflegte, waren drei TV-Kamerateams gekommen: „Dabei war das etwas Privates.“

Petkovic nennt das Leben unter dem Brennglas einen „gerechtfertigten Preis“ für den Erfolg. In diese Kategorie fallen auch die gelegentlichen Gefühle, die sie in den Hotelzimmern rund um den Globus beschleichen. „Da kommt schon Einsamkeit auf“, verriet die Zweitplatzierte der Wahl „Sportlerin des Jahres“, die in der vergangenen Saison ein Preisgeld in Höhe von 1,6 Millionen Dollar gewonnen hat. Verändert habe sie sich aber trotz allem nicht. „Ich sage immer noch das“, beteuert Petkovic, „was ich denke.

Die erfrischende Offenheit sorgt auch dafür, dass man „Petko“ prompt die Aussage abnimmt, der Gewinn des Fed-Cup-Titels würde ihr mehr bedeuten als ein Grand-Slam-Triumph: „Wir haben die Riesenchance, das mit unserer Mannschaft zu schaffen. Vielleicht schon 2012.“

Zum Duell mit Titelverteidiger Tschechien am 4./5. Februar in Stuttgart würde Petkovic sicher am liebsten mit einem großen Erfolg aus Melbourne im Gepäck anreisen. Die Fans in Australien jedenfalls dürfen sich ab dem 16. Januar auf neue Tänze der etwas anderen Profispielerin freuen. Bei einem gemeinsamen Volley-Training mit Pat Cash hat die Weltranglistenzehnte dem ehemaluigen Wimbledonsieger versprochen, bei den Australian Open mit ihm zu tanzen. Alte Sitten auf großer Reise.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare