Pechstein: WM-Start akut gefährdet

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Claudia Pechstein (Archivfoto)

Hamar - Claudia Pechsteins Start bei den Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften kommende Woche in Moskau ist akut gefährdet.

Das “Wikingerschiff“ von Hamar bleibt für Claudia Pechstein ein Ort der Leiden. Nachdem sie vor drei Jahren wegen erhöhter Blutwerte aus dem Verkehr gezogen und für zwei Jahre gesperrt wurde, trat am Samstag bei der 39 Jahre alten Berlinerin eine Halswirbel-Blockade auf. Damit ist ihr Start am kommenden Wochenende bei den Mehrkampf-Weltmeisterschaften in Moskau akut gefährdet.

Nach oben zeigt hingegen die Formkurve für Stephanie Beckert. Die Erfurterin lief über 3000 Meter in 4:06,42 erstmals in dieser Saison auf Platz zwei und musste am Sonntag nur Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien (4:05,88) den Vortritt lassen.

“Ich konnte auf den 1500 Metern den Kopf gar nicht mehr in die Laufrichtung bewegen. So etwas ist mir in meiner Karriere noch nie passiert“, schilderte Pechstein ihre Schmerzen auf der Mittelstrecke, auf der sie nur den deprimierenden 18. Rang belegt hatte. Umgehend reiste sie ab und begab sich am Sonntag in Berlin in ärztliche Behandlung. “Wir mussten die Notbremse ziehen. Ich hoffe sehr, dass sie wieder auf die Strümpfe kommt“, meinte Cheftrainer Markus Eicher. Pechstein trägt in Moskau die alleinigen Hoffnungen des Verbandes auf eine WM-Medaille, denn Beckert ist dort nicht dabei.

Komplett überschattet waren die Rennen in Hamar von der “Causa Erfurt“. Mit einer öffentlichen Erklärung wehrten sich Athleten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG gegen eine “unerträgliche Vorverurteilung“ im Fall des Erfurter Sportmediziners Andreas Franke, der Blut von Sportlern mit UV-Strahlen behandelt hat. Die Aktiven forderten von der ARD “eine angemessene Entschuldigung“ für ihre Berichterstattung. “Der Zeitpunkt der Erklärung war aus meiner Sicht ungünstig. Aber ich habe Verständnis, dass sich die Athleten gegen pauschale Doping-Anfechtungen wehren. Es herrscht eine große Unruhe im Team, es ist eine Katastrophe“, schilderte Eicher die Situation.

In der Erklärung begrüßten die Sportler, dass DOSB-Präsident Thomas Bach bereits vor der ersten Sportschau-Berichterstattung, “zu diesem Thema klar Stellung bezogen und erläutert hat, dass die Methode der UV-Blutbehandlung seit dem 1. Januar 2011 auf der Verbotsliste des WADA-Codes steht.“ Der DOSB machte in einer Pressemitteilung umgehend klar, dass Bach in dem Interview “keine Bewertung der in Erfurt angewandten Methode“ vor dem 1. Januar 2011 abgegeben habe. David Howmann, Generaldirektor der Welt-Anti- Doping-Agentur WADA, hatte erst in dieser Woche in einem dpa-Interview erklärt: “Es ist eine Methode, die verboten ist. Die Untersuchungen sind im Gange, und wir werden sehen, was herauskommt.“

Der DOSB wird “nach Vorliegen der Ermittlungsergebnisse und Gerichtsentscheidungen den Fall umfassend und sorgfältig analysieren und dann über weitere Konsequenzen entscheiden“. Rund 30 Sportler, darunter einige Eisschnellläufer, sollen von Franke behandelt worden sein.

Das Sportliche trat nach dem Wirbel in Hamar in den Hintergrund. Stephanie Beckert (210 Punkte) verbesserte sich mit dem zweiten Podestplatz der Saison auf Rang drei des Gesamtklassements. Pechstein (230) behauptet trotz Absage Rang zwei hinter Sablikova (400).

Akzeptabel präsentierten sie die Herren, die über 5000 Meter gleich zu dritt in die Top Ten liefen. Der Inzeller Moritz Geisreiter kam über 5000 Meter in 6:32,71 Minuten auf Platz sieben. Alexej Baumgärtner (Chemnitz) und Patrick Beckert (Erfurt) liefen auf die Ränge neun und zehn.

dpa

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