Eissschnelllauf-WM

Pechstein überrascht: 58. Medaille in Sotschi

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Claudia Pechstein

Sotschi - Claudia Pechstein gehört noch nicht zum alten Eisen: Bei der Eisschnelllauf-WM in Sotschi hat die 41-Jährige über 3000 Meter die Bronzemedaille gewonnen.

Daran hatte Claudia Pechstein selbst kaum geglaubt: Berauscht streckte die 41 Jahre alte Berlinerin bei der Eisschnelllauf-WM in Sotschi nach dem Gewinn der Bronzemedaille über 3000 Meter den Daumen nach oben und fiel ihrem Freund in die Arme. Dank einer extrem starken Schlussrunde sicherte sich die fünfmalige Olympiasiegerin am Donnerstag durch ihren dritten Platz in der hochmodernen "Adler-Arena" bereits die 58. Medaille ihrer Karriere bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften (14/28/16). Ihre Erfurter Rivalin Stephanie Beckert ging dagegen leer aus und verpasste als Siebte in 4:11,71 Minuten die angestrebte dritte Medaille in Serie nach 2011 (Bronze) und 2012 (Silber) deutlich.

Der Sieg in der ersten Damen-Entscheidung der Titelkämpfe ging erwartungsgemäß an die Niederländerin Ireen Wüst, die sich in 4:02,43 Minuten das elfte WM-Gold ihrer Laufbahn gewann vor Titelverteidigerin Martina Sablikova aus Tschechien (4:04,80).

Der von ihre selbst ausgelöste "Zickenzoff" mit Beckert schien für Pechstein genau die richtige Motivation für das WM-Rennen zu sein. In 4:07,75 Minuten machte sie im Duell gegen die Niederländerin Diane Valkenburg die Top-3-Platzierung perfekt. Es war ihre erste Medaille auf dieser Distanz seit acht Jahren.

Beckert hatte sich den WM-Einstand unterdessen ganz anders vorgestellt. Immer wieder hatte sie zuletzt betont, wie sehr ihr die öffentlichen Attacken von Pechstein mental geschadet hatten. Auch in der Nacht vor dem WM-Start sorgte der "Zickenzoff" zwischen den beiden erneut für Aufregung in der deutschen Teamleitung. Laut einem Medienbericht soll Cheftrainer Markus Eicher geäußert haben, dass Pechstein mit 41 Jahren keine Zukunft mehr habe. In einer Gegendarstellung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft von 01.30 Uhr verwahrte sich Eicher gegen diese Darstellung.

Unbeeindruckt von dem ganzen Theater wies Bente Kraus aus Berlin im zweiten WM-Rennen ihrer Karriere gute Form nach und kam in 4:12,35 Minuten auf den nie erwarteten achten Platz hinter Beckert. "Als ich bis zur Eisbereitungspause noch auf Platz 1 stand, habe ich das gleich fotografiert. Das war ein perfekter Einstand in die WM", meinte die 24-Jährige nach dem bisher besten Rennen ihrer Karriere.

Bei der ersten Männer-Entscheidung über 1500 Meter war kein deutscher Läufer am Start. Der Inzeller Moritz Geisreiter sagte wegen Magen-Darm-Problemen ab und will sich auf die langen Distanzen konzentrieren. Dafür verzückte Denis Juskow seine Landsleute und erkämpfte in 1:46,32 Minuten das erste Gold in der WM-Geschichte für Russland auf dieser Distanz. Mit Bronze hinter 1000-Meter-Olympiasieger Shani Davis aus den USA untermauerte auch Iwan Skobrew (1:46,97) den Vormarsch der russischen Eisschnellläufer 324 Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele an gleicher Stelle.

Von Frank Thomas, dpa

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