Pechstein dreimal Zweite und "superglücklich"

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Claudia Pechstein ist zurück auf dem Eis - und wie!

Astana - Claudia Pechstein schockt „mit Wut im Bauch“ die Konkurrenz, Jenny Wolf siegt mit Mini-Vorsprung, Moritz Geisreiter holt deutschen Rekord - so kann es weitergehen bei den deutschen Eisschnellläufern.

Das deutsche Eisschnelllauf-Team hat beim zweiten Weltcup der Saison in Astana/Kasachstan für Furore gesorgt. Auch bei der spektakulären Weltcup-Premiere des Massenstarts am Sonntag gingen die deutschen Kufen-Flitzer nicht leer aus. Erneut war es Pechstein, die mit ihrem zweiten Platz hinter der Niederländerin Mariska Huisman ein deutliches Signal an ihre Konkurrentinnen schickte.

„Das war ein erfolgreicher Spaß. Das Rennen war sehr spannend und der Adrenalinpegel hoch“, sagte Pechstein nach ihrer dritten Silbermedaille in Astana und gab zu: „Vielleicht hätte ich den Schlusssprint gewinnen können, aber ich habe etwas zurückgezogen, weil ich wenig Platz hatte. Die Einzelrennen sind halt wichtiger.“

Dennoch feierte der Massenstart eine erfolgreiche Premiere. Die befürchteten Stürze blieben weitestgehend aus, dafür sorgten taktische Finessen und Ellenbogen-Gerangel für viel Spannung. „Selbst die Frauen waren brutal“, sagte die Berliner Isabell Ost, die Zwölfte wurde. Bei den Männern war der Erfurter Patrick Beckert als Neunter bester deutscher Athlet.

Pechstein fühlte sich in Astana aber vor allem wegen ihrer zweiten Plätze über 1500 und 3000 m „wie in einem Traum. Ich bin superglücklich“. Die 39-Jährige erklärte ihre beeindruckende Frühform vor allem mit dem Ärger der vergangenen Monate und Jahre mit dem Weltverband ISU: „Ich gehe jedes Mal mit einer Menge Wut im Bauch an den Start.“

Die Berlinerin, die nach zweijähriger Sperre wegen erhöhter Retikulozytenwerte erstmals wieder eine komplette Saison bestreitet, wartet nach ihrer Selbstanzeige noch immer auf eine Ausnahmegenehmigung durch den Weltverband. Pechstein: „Jedes Rennen, das ich auf dem Podium beende, ist ein Sieg für mich und tut der ISU ein wenig weh.“

Während Pechstein ihren ersten Weltcupsieg auf den Einzelstrecken seit drei Jahren knapp verpasste, weil Martina Sablikova (Tschechien/3000 m) und Christine Nesbitt (Kanada/1500 m) schneller waren, konnte Sprinterin Jenny Wolf erstmals in dieser Saison ganz oben vom Podest jubeln. Die sechsmalige Weltcup-Gesamtsiegerin rettete am Samstag über 500 m einen Vorsprung von lediglich 0,001 Sekunden auf die Südkoreanerin Lee Sang-Hwa ins Ziel. Umgerechnet ergab das die Winzigkeit von 1,3 Zentimetern. Selbst die Dritte Nao Kodaira aus Japan lag nur eine Hundertstelsekunde hinter Wolf zurück.

„So eng geht es selten zu. Es ist schon ziemlich cool, wenn man dann vorne steht“, sagte Wolf, die nach den Plätzen sieben, drei und zwei endlich den Sprung nach ganz oben schaffte. Dank des insgesamt 59. Weltcupsieges ihrer Karriere zog Wolf mit der inzwischen zurückgetretenen Anni Friesinger-Postma gleich.

Für eine faustdicke Überraschung sorgte derweil Moritz Geisreiter über 5000 m. Der Inzeller stellte beim Sieg von Olympiasieger Sven Kramer in 6:19,31 Minuten einen deutschen Rekord auf. Der deutsche Meister unterbot die knapp zwei Jahre alte Bestmarke des Erfurters Partick Beckert (6:19,82) und holte wie schon zum Weltcupauftakt einen respektablen sechsten Platz. „Ich habe gezeigt, dass ich keine Eintagsfliege bin“, sagte Geisreiter.

Auch Samuel Schwarz wusste über 1000 m zu überzeugen. Der deutsche Meister aus Berlin, der in der vergangenen Saison für den ersten deutschen Weltcup-Sieg bei den Männern seit zehn Jahren gesorgt hatte, wies als Sechster lediglich 0,15 Sekunden Rückstand auf den Bronzerang auf.

SID

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