Nach 34 Jahren

Schäfer holt historische WM-Medaille - Reckturner patzen

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Pauline Schäfer (r.) freut sich über die Bronzemedaille.

Glasgow - Alles war fokussiert auf das Reck-Duell, doch Fabian Hambüchen und Andreas Bretschneider kamen ins Stolpern. Dafür hat Pauline Schäfer den deutschen Turnern eine historische WM-Medaille beschert.

Bei Pauline Schäfer waren die Freudentränen über WM-Bronze gerade getrocknet, da verstolperten Fabian Hambüchen und Andreas Bretschneider ihre Reck-Abgänge. Der erkältete Hambüchen verpasste bei den Turn-Weltmeisterschaften in Glasgow als Siebter seine 25. Medaille bei Top-Ereignissen deutlich - und auch Bretschneider brachte nach perfekter Übung seinen Abgang nicht in den Stand und wurde Fünfter.

So stahl Pauline Schäfer den Turn-Recken die Schau, als sie das erste deutsche WM-Edelmetall am Schwebebalken seit 34 Jahren holte. Die 18-jährige Saarbrückerin gewann in ihrem ersten WM-Gerätefinale die Bronzemedaille. Mit dieser Riesen-Überraschung erkämpfte sie zugleich ihr Einzel-Ticket für den Olympia-Start in Rio. Als letzte Deutsche hatte die Berlinerin Maxi Gnauck an dem Zittergerät ein Medaille gewonnen. In Moskau holte sie 1981 WM-Gold für die DDR.

Nach ihrem unerwarteten Erfolg war die Saarländerin völlig überwältigt. „Ich kann es nicht in Worte fassen, es ist so unglaublich“, sagte sie nach ihrem ersten Gerätefinale bei einer WM. 14,133 Punkte reichten der 18-Jährigen zum Sprung auf das Podest, weil viele Konkurrentinnen nicht fehlerfrei durch ihre Übungen kamen. Der Sieg ging an Titelverteidigerin Simone Biles aus den USA (15,358), die mit vier Goldmedaillen zur erfolgreichsten Turnerin der Titelkämpfe avancierte.

Das Schlimmste sei für sie die Warterei nach der eigenen Übung gewesen, meinte Pauline Schäfer. „Ich habe mich mit Wasser betrunken, weil ich so aufgeregt war“, schilderte sie ihre Nervosität.

Vor 8000 Zuschauern in der ausverkauften Arena hatte sie auf den von ihr kreierten „Schäfer-Salto“ verzichtet. „Das war ärgerlich, aber er war im Training einfach zu instabil“, meinte sie, nachdem die Trainer darauf bestanden hatten, das schwierige Element nicht zu turnen. „Die Trainer haben immer Recht. Aber ich bin nicht immer ihrer Meinung“, formulierte sie kess.

Am Reck verdarb die mangelnden Konzentration bei der Landung alle Medaillen-Träume am Reck. Altmeister Hambüchen stürzte beim Abgang und wurde nur Siebter. Sein Chemnitzer Herausforderer Bretschneider geriet gleichfalls nach der Doppel-Tsukahara-Landung ins Stolpern. Zuvor war ihm der von ihm entwickelte „Bretschneider“-Doppelsalto mit zwei Schrauben erstmals bei einer WM perfekt gelungen. Der Sieg ging an Mehrkampf-Champion Kohei Uchimura aus Japan (15,833) vor dem US-Amerikaner Danell Leyva (15,70) und Manrique Larduet aus Kuba (15,60).

Tags zuvor hatte Sophie Scheder ihre Chance auf eine weitere Medaille für die deutschen Turnerinnen nicht nutzen können und wurde Achte. Fast entschuldigend zuckte sie mit den Schultern, als nach verpatzter Landung am Stufenbarren alle Träume geplatzt waren. An der Spitze gab es eine WM-Premiere: Gleich vier Turnerinnen teilten sich die Goldmedaille. Die Russinnen Daria Spiridonowa und Viktoria Komowa, Madison Kocian aus den USA und die Chinesin Fan Yilin erhielten jeweils 15,366 Punkte. „Ich dachte, es sei ein Computerfehler“, meinte die Cheftrainerin Ulla Koch schmunzelnd.

Insgesamt erlitten die Deutschen aufgrund der verpassten Olympia-Tickets in Glasgow einen „mittleren Betriebsunfall“, wie es Sportdirektor Wolfgang Willam ausdrückte. Er führte mangelnden Teamgeist in der Frauen-Riege und mentale sowie Verletzungs-Probleme als Ursachen der enttäuschenden Team-Resultate an.

dpa

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