Es wird immer dramatischer

Neue Erkenntnisse im Fall Pistorius

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Oscar Pistorius vor Gericht.

Johannesburg - Der Fall Oscar Pistorius wird immer dramatischer: Laut eines Berichts des britischen Blattes "Sun" fand die Polizei im Haus des unter Mordverdacht stehenden Sportstars Steroide.

Derzeit werde durch einen Bluttest geklärt, ob zur Tatzeit Dopingmittel, Drogen oder Alkohol im Spiel waren.

Vieles spricht dafür, dass der wegen Selbstmordgefahr im Gefängnis ständig unter Beobachtung stehende Pistorius wegen der Schwere des Verdachts am Dienstag oder Mittwoch beim Haftprüfungstermin nicht wie beantragt gegen Kaution freikommt. Manager Peet van Zyl sagte am Montag alle geplanten Starts des sechsmaligen Paralympicsiegers ab.

Pistorius, der durch seine Werbeverträge in den letzten Jahren jeweils rund zwei Millionen Dollar verdient haben soll (ca. 1,5 Mio. Euro), hat laut der Nachrichtenagentur AFP inzwischen hochkarätige Experten für seine Verteidigung angeheuert. Zum Kreis der Anwälte gehörten Kenny Oldwage, der den Freispruch des Fahrers erreichte, durch dessen Wagen 2010 die Enkelin von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela getötet worden war, sowie der junge Staranwalt Barry Roux.

Als Forensiker holte er Reggie Perumal, der im Fall der 34 im Jahr 2012 durch die Polizei erschossenen Arbeiter der Marikana-Mine und dem mysteriösen Tod vom Simbabwes früherem Armee-General Solomon Mujuru Ansehen erlangte. Für Öffentlichkeitsarbeit wurde Stuart Higgins (früherer Sun-Reporter) verpflichtet, der auch für British Airways, den FC Chelsea und Manchester United tätig ist.

Durch die Bluttests will die Polizei laut der südafrikanischen Zeitung City Press verhindern, dass sich der von der Staatsanwaltschaft des vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp angeklagte 26-Jährige bei seiner Verteidigung auf die Einnahme von Substanzen beruft, die sich strafmildernd auswirken könnte. Angeblich gibt es Beweise dafür, dass im Hause von Pistorius täglich viel Alkohol getrunken wurde.

Pistorius bestreitet den Mord an seiner Freundin Reeva Steenkamp, die mit vier Schüssen aus einer 9-mm-Pistole getötet wurde, auch wenn vieles gegen ihn spricht. Dem Stelzenläufer, dem in der Kindheit die verkrüppelten Unterschenkel amputiert worden waren, droht lebenslange Haft. Diese kann nach Auffassung eines südafrikanischen Strafrechtsexperten allerdings nach 25 Jahren (dann wäre er 51) vorzeitig enden. Dieser glaubt, Pistorius komme mit 20 Jahren davon, wenn er ein volles Geständnis ablegt.

Das ehemalige Model Steenkamp war am frühen Donnerstagmorgen in Pistorius' Haus in einem Nobelvorort von Pretoria getötet worden. Die 29-Jährige wurde von vier Schüssen getroffen, vom ersten möglicherweise noch im Schlagzimmer, von den drei weiteren durch die verschlossene Tür im Bad.

Laut Berichten der Daily Mail rief Pistorius nach den Schüssen zunächst seinen Freund Justin Divaris an. „Oscar hat mich um 3.55 Uhr angerufen und gesagt, dass er Reeva erschossen habe“, sagte Divaris der britischen Tageszeitung Sunday People.

Laut Sun versuchen Experten der Polizei zu klären, ob sich Reeva Steenkamp mit dem im Haus gefundenen blutverschmierten Cricketschläger verteidigen wollte, oder ob Pistorius sie damit schlug. Die 29-Jährige erlitt offenbar einen Schädelbruch durch einen Schlag auf den Hinterkopf. Die Verletzungen an Fingern und Arm könnten entstanden sein, als die 29-Jährige ihre Arme schützend über den Kopf gehalten habe.

Laut City Press hat Pistorius in der Nacht um 03:20 Uhr auch seinen Vater Henke angerufen und gebeten, er solle sofort kommen. Als dieser eintraf, habe sein Sohn den Körper von Reeva Steenkamp die Treppe herunter getragen. Laut vereidigter Aussage seiner Schwester Aimee hat das Opfer zu diesem Zeitpunkt noch geatmet. Oscar Pistorius soll versucht haben, sie wiederzubeleben. Als Polizei und Sanitäter Minuten später eintrafen, hätten diese den Tod von Reeva Steenkamp festgestellt. Ihr Bruder habe gesagt, er habe die Freundin für einen Einbrecher gehalten.

sid

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