Tennisprofis üben Solidarität bei US Open - Nadal hofft auf Signalwirkung

Roddicks Tank war leer: "Hatte null Reserven"

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Andy Roddick

New York - Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, sich richtig zu ärgern. Müde und total erschöpft kämpfte sich Andy Roddick zum Netz und gratulierte dem nicht minder emotionslos wirkenden Titelverteidiger Rafael Nadal.

Dieser hatte glatt mit 6:2, 6:1, 6:3-Erfolg im Viertelfinale der US Open gegen ihn gewonnen. Die beiden Topspieler wussten, dass es bei diesen Regen-Festspielen in Flushing Meadows 2011 nicht immer mit rechten Dingen zugeht. Dass aber ausgerechnet Lokalmatador Roddick das erste Opfer des finalen Mammutprogramms der Tennis-Herren sein sollte, schmeckte den Zuschauern im Arthur-Ashe-Stadion ebenso wenig wie den Organisatoren des härtesten Grand-Slam-Turniers der Welt.

"Ich hatte null Reserven", sagte der Champion von 2003. Das Viersatz-Match am Tag zuvor gegen den Spanier David Ferrer steckte ihm noch in den Knochen. "Ich fühle mich, als hätte ich sechs Sätze gespielt", sagte Roddick. Die beiden vollkommen verregneten Tage zu Beginn der Woche haben dem 29-Jährigen die Chancen auf den zweiten Triumph bei seinem Heim-Grand-Slam wahrscheinlich früh verdorben.

Total erschöpft - und dann noch Schmerzen im Oberschenkel

Denn der Weltranglisten-21. aus Austin musste nach den quälenden Wartezeiten im Regen auch am zweiten Tage nacheinander wieder antreten - das war zu viel für den Aufschlag-Crack aus Texas. Hinzu kam der Ärger um den kaputten Belag im Louis-Armstrong-Stadion, der im Achtelfinale gegen Ferrer einen Platzwechsel auf Court 13 notwendig gemacht hatte. Der Tank war leer. Zumal gegen Nadal, der in Topform auftrumpfte und überhaupt keine Nachwirkungen seiner Krampf-Attacke während einer Pressekonferenz zeigte.

Rafael Nadal

"So aggressiv habe ich Nadal in diesem Sommer noch nicht spielen sehen", sagte der Amerikaner voller Anerkennung. "Ich habe getan, was ich konnte." Roddick hatte wegen seiner kaputten Schulter im Mai auf die French Open verzichtet und wurde übers Jahr immer wieder von Blessuren geplagt. Diesmal hatte er zunehmend Probleme mit dem linken Oberschenkel, der auf dem Platz behandelt werden musste.

Endspiel am Montag eine faire Entscheidung

"Ich hatte nur sechs Wochen zur Vorbereitung auf die US Open", sagte Roddick. In seinem achten Viertelfinale beim zwölften Auftritt in New York hatte er nicht den Hauch einer Chance gegen den starken Mallorquiner, der im zehnten Vergleich den siebten Sieg holte. "Ich denke, er war müde von seinem Spiel gestern", sagte Nadal. "Es ist aber auch schwer, Best-of-Five-Matches an zwei Tagen nacheinander zu spielen. Außerdem hatte er einen sehr schwierigen Gegner."

Einig waren sich die Spieler, dass die Verlängerung des Turniers um einen Tag wie in den vergangenen drei Jahren eine gute Entscheidung ist. "Es war eine harte Woche", sagte Roddick und stimmte Nadal zu, der erklärte: "Es ist eine faire Entscheidung, das Herrenfinale am Montag zu spielen. Wenn der eine Teil des Feldes vier Matches nacheinander hätte spielen müssen, wäre das Risiko groß gewesen, dass es nicht das richtige Endspiel gegeben hätte."

Die Proteste der Spieler und ihrer Gewerkschaft, der ATP, hätten sich gelohnt. Nun hofft der Vorjahressieger auf eine Signalwirkung: "Wir Spieler müssen zusammenhalten." Der erste Schritt sei getan: "Wir beginnen miteinander zu reden - jetzt ist der richtige Moment."

dapd

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