Tränenreicher Abschied für Heiner Brand

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Heiner Brand war 14 Jahre lang Bundestrainer.

Mannheim - Heiner Brand hat bei einer emotionalen Handball-Party endgültig Abschied von der Trainerbank genommen. Ab sofort will sich der ehemalige Bundestrainer mehr um seine Familie kümmern.

Nachdem Heiner Brand von der Trainerbank auf die eigens in die Halle gebrachte Rentnercouch gewechselt war, übernahm die Familie nach 40 Jahren das Kommando vom Handball. „Ich werde versuchen, ein besserer Opa als in der Vergangenheit zu sein“, versprach der bekannteste Schnauzbart-Träger des deutschen Sports mit Tränen in den Augen seinen vier Enkelkindern, die ihm bei seiner emotionalen Abschiedsgala in Mannheim symbolisch die Rote Karte gezeigt hatten.

Allerdings zweifelte ein Familienmitglied schon gegen Ende der Party unter dem Motto „Eine Legende sagt tschüß“ an der Glaubwürdigkeit des 59-Jährigen, der als Spieler (1978) und Trainer (2007) den WM-Titel mit der deutschen Mannschaft geholt hat. „Er ist mittlerweile seltener zu Hause als in seiner Zeit als Bundestrainer“, sagte Brands Ehefrau Christel: „Ich hoffe, dass er irgendwann doch nochmal vernünftig wird.“

Einen ersten Ansatz von Vernunft im Sinne seiner Frau zeigte Brand, der bis 2015 als Manager beim Deutschen Handballbund (DHB) arbeiten will, allerdings bereits bei der Würdigung seiner Karriere. „Ich komme ganz sicher nicht auf die Trainerbank zurück. Einen schöneren Abschied kann man nämlich nicht haben“, sagte der Gummersbacher vor 7338 Zeugen: „Den Vertrag beim DHB werde ich aber erüllen, ich bin doch ziemlich pflichtbewusst.“

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Passend zu dieser Aussage dröhnte der Abschiedsklassiker „Niemals geht man so ganz“ bei Brands Ehrenrunde aus den Lautsprechern. Kurz zuvor hatte es sich der 131-malige Nationalspieler mit seiner Familie auf dem Sofa bequem gemacht und den Film mit den Stationen seiner erfolgreichen Laufbahn genossen. „Ich denke, man kann im Großen und Ganzen von einer Erfolgsära sprechen. Der Stellenwert des Handballs ist in dieser Zeit gestiegen“, sagte Brand, der im vergangenen Sommer nach 14 Jahren vom Amt des Bundestrainers zurückgetreten war.

Wie hoch der Stellenwert Brands in der Handball-Welt auch heute noch ist, zeigte die Gästeliste der Party. Zu Ehren des Bundesverdienstkreuz-Trägers gaben sich nationale und internationale Größen ein Stelldichein. Darunter waren die Weltmeister von 1978 und 2007, die Olympiasieger von 1980 sowie zahlreiche Weggefährten Brands aus der Bundesliga.

Auch der Präsident des Weltverbands (IHF), Hassan Moustafa, würdigte Brand und zeichnete ihn für seine Verdienste um den Handball aus. Als Höhepunkt der Feierlichkeiten traf die mit ehemaligen Spielern wie Stefan Kretzschmar und Daniel Stephan verstärkte deutsche Nationalmannschaft auf eine mit Stars gespickte Weltauswahl, die sich mit 37:34 (18:15) durchsetzte.

„Es sind sehr viele schöne Erinnerungen hochgekommen. Das war ein einmaliger und ganz besonderer Tag für mich“, sagte Brand mit ein wenig Wehmut: „Ich habe in 40 Jahren internationalem Handball sehr viele Leute kennengelernt. Es war mir ein Anliegen, dass viele davon kommen. Ich habe immer die Leistung aller, die mit mir und gegen mich gespielt haben, zu schätzen gewusst.“

sid

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