Großer Wurf für Athleten?

Olympiasieger Harting plant Sportlotterie

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Der deutsche Diskuswerfer Robert Harting.

Köln - Diskus-Olympiasieger Robert Harting will im Kampf um eine bessere Förderung des Spitzensports mit einer Deutschen Sportlotterie den großen Wurf landen.

Der dreimalige Weltmeister veröffentlichte in der Bild am Sonntag ein von der Sporthilfe unterstütztes Konzept für eine bessere finanzielle Unterstützung von Athleten. „Wir Sportler kämpfen mit jeder Faser unseres Körpers für den Erfolg, aber wir brauchen Hilfe. Und helfen kann uns jeder, dem der Medaillenspiegel wichtig ist. Selbst wenn man kein Geld gewinnt, wird man trotzdem zum Gewinner, weil man mit seinem Wetteinsatz eine erfolgreiche Zukunft des deutschen Sports fördert“, sagte Harting.

Harting hatte in den letzten Monaten im Streit um eine bessere Sportförderung immer wieder den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Führungsspitze kritisiert und teilweise persönlich angegriffen. Nun ließ der Berliner in Zusammenarbeit mit dem Unternehmer Gerald Wagener erstmals Taten folgen. „Die Sportförderung in Deutschland ist beschämend niedrig. Jammern bringt aber nichts. Wir lösen unsere Probleme jetzt selbst“, sagte Harting.

Das Konzept ist einfach: Im Internet kann für 2,50 Euro ein Tippschein ausgefüllt werden, der Höchstgewinn liegt wöchentlich bei 250.000 Euro. Von jedem Euro, der reinkommt, sollen mindestens 30 Cent an die Sportler gehen. 40 Cent wandern in den Topf, aus dem die Gewinne ausgeschüttet werden. 17 Prozent sind Steuern, der Rest Verwaltung. Harting selbst arbeitet unentgeltlich.

Statt Zahlen wie beim Lotto muss man sich in drei Kategorien festlegen: Erst bestimmt man die Reihenfolge der olympischen Farben (blau, grün, gelb, rot, schwarz). Dann entscheidet man sich für eine Winter- und eine Sommer-Sportart. Und schließlich wählt man eine Medaille aus: Gold, Silber oder Bronze.

„Beim normalen Lotto liegt die Gewinn-Chance bei 1 zu 14 Millionen. Bei der Sportlotterie ist sie zehnmal höher: 1 zu 1,4 Millionen“, sagte Harting. Sein Ziel: „Wir wollen langfristig erreichen, dass die Top-Sportler statt 300 Euro auf 1000 Euro Grundförderung monatlich kommen.“

DOSB-Generalsekretär Michael Vesper sagte der Rheinischen Post: „Der DOSB steht der Idee aufgeschlossen gegenüber und hat auch eine Option, sich nach deren Genehmigung an der Sportlotterie zu beteiligen. Natürlich sind wir sehr daran interessiert, die Spielräume der Spitzensportförderung deutlich zu erweitern.“

Vesper erklärte, dass Sportvereine und Sportverbände bereits in hohem Maße von den Erträgen aus Glücksspielen profitieren. „Die Auswirkungen einer privaten Sportlotterie müssen deshalb mit den Lottogesellschaften der Länder abgestimmt werden. Wenn dies eine reine Umverteilung zur Folge hätte, wäre für den Sport kein einziger Cent gewonnen.“

Mit seiner Idee löste Robert Harting Jubel derweil unter den Athleten aus. „Es ist stark, dass Robert nicht nur den Mund aufmacht - sondern seine Ideen auch umsetzt. Die Sportlotterie ist sensationell“, sagte beispielsweise Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink in der BamS. Auch Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll ist begeistert: „Die Sportlotterie ist eine super Geschichte, die nur im Sinne der Sportler sein kann.“

Profitieren sollen von der Sportlotterie vor allem Athleten aus den Randsportarten, die es mit der eigenen Finanzierung aufgrund fehlender Medienpräsenz und mangelnder Sponsoren schwer haben. Basketball-Superstar Dirk Nowitzki ist als Multimillionär zwar selbst kein Profiteur der Idee, hält aber viel von dem Konzept: „Ich finde es großartig, dass es jetzt eine private Initiative gibt, die zusammen mit der Sporthilfe die Randsportarten in Deutschland nach vorne bringt.“

Die Idee stammt aus England. „Als die Briten 1996 mit der Lotterie The National Lottery starteten, hatten sie in Atlanta nur eine Goldmedaille geholt. In London waren es jetzt 29“, sagte Mitinitiator Gerald Wagener. Unterstützt wird die Aktion unter anderem von der Deutschen Sporthilfe und Lotto Hessen.

sid

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