Streit um Eröffnungsfeier

Führt Schweigeminute zu Olympia-Boykott?

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London/Bonn - DOSB-Präsident Thomas Bach hat seine Ablehnung einer Schweigeminute bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London für die Opfer des Attentats von München 1972 bekräftigt.

In einem Interview der Deutschen Welle sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Donnerstag, das Nein zu einem Gedenken bei der Zeremonie sei auch in der Haltung arabischer Staaten begründet. Ein Boykott der Spiele durch diese Staaten „könnte eine Auswirkung sein nach Ansicht vieler“. Für ihn stehe das nicht im Vordergrund. Er plädiere für eine Gedenkfeier am Rande der Spiele, die allein von israelischer Seite veranstaltet werde.

Zugleich räumte Bach ein, dass bei dieser Debatte aus der deutschen Politik andere Bewertungen kämen. Dies sei bei einer solchen Frage selbstverständlich, sagte er unter Verweis auf ein Plädoyer von Bundesaußenminister Guido Westerwelle für eine Schweigeminute bei der Eröffnungsfeier am 27. Juli. Man könne da nicht „künstlich versuchen“, eine einhellige Meinung zu erreichen. Der Sport müsse jedoch seine politische Neutralität wahren. Politische Demonstrationen bei Sportveranstaltungen widersprächen dem Sinn des Sports und wären „im Übrigen auch nicht durchführbar“.

Der DOSB-Präsident verwies darauf, dass sich die deutsche Seite in dieser Frage mit dem Vertreter Israels im Internationalen Olympischen Komitee abstimme. Schon seit 1976 organisiere Israel eine Gedenkfeier für die Opfer von 1972. Er sei der Meinung, „dass dies die angemessene Form der Würdigung ist“.

Palästinensische Terroristen hatten am 5. September 1972 im olympischen Dorf in München elf israelische Teilnehmer als Geiseln genommen. Während der Geiselnahme und eines gescheiterten Befreiungsversuchs auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck wurden alle elf Israelis sowie ein deutscher Polizist getötet.

dpa

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