Unter neutraler Flagge in Pyeongchang

Olympia 2018: Das hat es mit dem Kürzel OAR auf sich

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Bei der Eröffnungsfeier wurden die OAR ganz offiziell als „Olympischen Athleten aus Russland“ vorgestellt.

169 Athleten starten unter neutraler olympischer Flagge und mit dem Kürzel OAR. Was diese Bezeichnung zu bedeuten hat und welche Folgen sie nach sich zieht, wird hier erklärt.

Pyeongchang - Die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang sind in vollem Gange. Jeden Tag wird um den Sieg und die Medaillen gelaufen, gefahren oder gespielt. Üblicherweise vertritt jeder Athlet bei Olympia sein Land - gleiches gilt jedoch nicht für die Sportler, die unter der Abkürzung OAR antreten. Hier erklären wir Ihnen, was es mit dieser Bezeichnung auf sich hat.

Olympia 2018 in Pyeongchang: Das bedeutet OAR

Die Abkürzung OAR steht für „Olympic Athlets of Russia“, also olympische Athleten aus Russland. Die russischen Athleten dürfen nämlich nicht unter der russischen Fahne an den Start gehen. Grund dafür: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat das Nationale Olympische Komitee Russlands (NOK) von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Abfahrt der Herren, Riesenslalom der Damen, Eiskunstlauf, Eishockey, Biathlon und Rodeln - wir berichten im Live-Ticker vom Super-Donnerstag (15. Februar) bei Olympia 2018.

Der Ausschluss von den Olympischen Spielen ist die Folge des systematischen und flächendeckenden Staatsdopings Russlands, das von dem kanadischen Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Richard McLaren im Jahr 2016 aufgedeckt wurde. Lesen Sie dazu bei Merkur.de*: Alles was Sie über den Doping-Skandal bei Olympia 2016 in Rio wissen müssen.

Damit nicht-gedopte Athleten nicht ungerechterweise bestraft werden, sprach der IOC keine generelle Sperre gegen alle russischen Sportler aus, sondern gab ihnen die Möglichkeit, unter neutraler Flagge zu starten - vorausgesetzt, dass sie nachweislich kein Doping betrieben haben.

Der russische Verband möchte aufgrund des Ausschlusses bei den Olympischen Spielen nun im März Alternativwettkämpfe ausrichten, bei denen dann vor allem die Sportler zum Zug kommen sollen, die nicht in Pyeongchang starten durften.

Olympia 2018 in Pyeongchang: Russische Athleten unter neutraler Flagge

Die russischen Athleten, die nun unter dem Kürzel OAR an den Start gehen, repräsentieren nicht ihr Land, sondern die neutrale olympische Flagge. Im Falle eines Sieges wird für sie die olympische Hymne gespielt.

Bei der Eröffnungsfeier im Olympischen Stadion wurde die neutrale Fahne auch nicht von einem der russischen Athleten getragen, sondern von einer Freiwilligen aus Südkorea, die vom Olympischen Komitee gestellt wurde. 

Die OAR wurden bei der Eröffnungsfeier von einer Freiwilligen in das Olympiastadion geführt. 

Insgesamt sind bei Olympia in Pyeongchang 169 Athleten in 15 Disziplinen unter der neutralen Flagge und dem Kürzel OAR am Start. Nach den ersten fünf Tagen konnten die russischen Sportler bislang fünf Medaillen (viermal Bronze und einmal Silber) holen. Alle russischen Athleten, die unter der neutralen Flagge starten, finden Sie hier auf der offiziellen Seite der Olympischen Spiele in Pyeongchang

Olympia 2018 in Pyeongchang: Der Verhaltenskodex für OAR

Die russischen Athleten gehen bei den Olympischen Spielen nicht nur ohne russische Fahne und Hymne an den Start, sondern müssen sich auch an Verhaltensrichtlinien halten, die vom IOC vorgegeben wurden. Demnach schauen die konkreten Verhaltensregeln für das OAR so aus:

  • Respektieren der Entscheidung der IOC-Exekutive und deren Geist.
  • Öffentlich darf für die russische Delegation nur der Name „Olympische Athleten aus Russland“ und die Abkürzung OAR genutzt werden - auch in den Sozialen Medien.
  • Das OAR startet unter der olympischen Fahne, die olympische Hymne wird bei Siegerehrungen gespielt; es darf zudem nur die vom IOC gestellte Kleidung mit der Aufschrift OAR getragen werden.
  • Die OAR-Mitglieder müssen jegliche Aktivitäten mit der Landesfahne, der eigenen Hymne und der NOK-Embleme an jeder olympischen Wettkampfstätte vermeiden. Ausnahme: Die Nationalflagge kann in den Schlafzimmern aufgehängt werden.
  • Es darf keine russische Teamkleidung mit Hinweisen auf Pyeongchang 2018 oder andere Bekleidung mit dem Emblem des russischen NOK an Fans verkauft werden. Dies gilt auch für den Online-Verkauf und den Handel in Russland.
Auf allen Trikots, Trainingsanzügen und T-Shirts muss die Aufschrift „Olympischen Athleten von Russland“ stehen.
  • Die OAR-Mitglieder dürfen nicht an „alternativen“ Siegerehrungen teilnehmen.
  • Die OAR-Mitglieder müssen unter anderem die Anti-Doping-Regeln und andere damit verbundene Dokumente wie die über verbotenen Substanzen der WADA, den WADA-Code oder die Abmeldepflichten (Whereabouts) kennen und akzeptieren.
  • Einen ersten Dopingfall gab es bereits bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Dieser stammt aber nicht aus den Kreisen der russischen Athleten. Überhaupt ist die Frage darüber, wie „sauber“ die Spiele in Hinblick auf Doping wirklich sind, sehr umstritten. Eine Einschätzung hierzu hat ein Doping-Experte, Professor Dr. Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg bei Nürnberg, gegeben. 

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes 

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