„Wir haben nicht die große Auswahl“

Zweifel am Eishockey-Kader vor Olympia - Sturm vor der Verlängerung

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Bundestrainer Marco Sturm muss auf seine Stars aus der NHL verzichten.

Am Dienstag absolviert Deutschlands Eishockeyteam den einzigen Olympiatest in der Schweiz. Restlos überzeugt von seinem Aufgebot für Pyeongchang scheint Bundestrainer Sturm nicht zu sein. Notgedrungen besteht dies nur aus DEL-Spielern, Experimente waren ausgeschlossen.

Füssen - Erstmals in seiner Zeit als Eishockey-Bundestrainer scheint Marco Sturm Zweifel zu haben. Nicht an seinem Amt - die Verlängerung seines im Sommer nach der WM in Dänemark auslaufenden Vertrages soll noch vor Beginn der Olympischen Winterspiele am Freitag besiegelt werden. Von seinem Olympiakader ist Sturm aber offenbar nicht restlos überzeugt. „Wir haben nicht die große Auswahl“, sagte Sturm der Deutschen Presse-Agentur in Bezug auf das Not-Team, mit dem er am Mittwoch nach Pyeongchang zu den Winterspielen in Südkorea fliegt. „Deshalb hat der ein oder andere auch Glück, weil er schwer zu ersetzen ist.“

Der 39 Jahre alte deutsche NHL-Rekordspieler macht keinen Hehl aus dem Dilemma, erstmals in seiner Amtszeit ohne Unterstützung aus Nordamerika bei einem großen Turnier antreten zu müssen (Eishockey bei Olympia 2018: Das ist der Kader der deutschen Nationalmannschaft). Die weltweit beste Liga NHL hatte sich erstmals seit 1994 geweigert, die Saison zu unterbrechen. Sturms Aufgebot, das er am Dienstag in Zürich noch einmal gegen die Schweiz (18.30 Uhr/Sport1) testet, besteht diesmal komplett nur aus Spielern der heimischen und international bestenfalls zweitklassigen Deutschen Eishockey Liga. Einige dieser 25 Athleten spielen noch dazu eine - positiv formuliert - durchwachsene Saison. „Natürlich gibt es einige Jungs, die teilweise besser spielen als manch anderer verdienter Nationalspieler“, bekannte Sturm.

Zweifel vor allem auf der Torhüter-Position

Für Pyeongchang setzte er dennoch bewusst auf bewährte Kräfte und nicht auf Talente. Die Zeit vor der Abreise nach Südkorea war einfach zu knapp. Der Test in der Schweiz ist der einzige der Vorbereitung. Zu wenig, um Neulinge einzubauen. Als besonders problematisch schätzte Sturm die Situation auf der immens wichtigen Position des Torhüters ein. „Alle drei sind bei ihren Vereinen nicht die klare Nummer eins“, sagte der Bundestrainer über die Olympia-Goalies Dennis Endras (Mannheim), Danny aus den Birken (München) und Timo Pielmeier (Ingolstadt). „Bei Olympia muss das passen“, forderte Sturm im Hinblick auf die Vorrundenspiele gegen die Favoriten Finnland (15.2.) und Schweden (16.2.) sowie gegen Norwegen (18.2.).

Seit 2015 profitierten er und das deutsche Eishockey enorm von der Qualität deutscher NHL-Spieler. Unvergessen, wie Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl, Sohn des Olympia-Helden Erich Kühnhackl, Deutschland 2016 in Lettland im Qualifikationsturnier mit dem vielleicht besten deutschen Nationalteam überhaupt zum Olympia-Comeback schoss. Für Sotschi 2014 hatte sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) unter Sturms glücklosen Vorgänger Pat Cortina erstmals nicht qualifiziert.

Bundestrainer Sturm diktiert dem DEB seine Bedingungen

Seitdem ist vieles anders. Der Bundestrainer wird wieder umgarnt und diktiert dem DEB die Bedingungen für eine Vertragsverlängerung. Nach und nach kamen DEB-Präsident Franz Reindl und seine Mitstreiter diesen nach. Jetzt endlich soll der neue Kontrakt unterschrieben werden. Eigentlich hatte dies noch im alten Jahr geschehen sollen. „Es wäre super wichtig, da Kontinuität reinzubringen. Alle wollen mit Marco weitermachen“, sagte Routinier Christian Ehrhoff nun.

Sturm ist ein gewichtiger Grund dafür, warum der 35 Jahre alte, ehemals bestbezahlte Verteidiger der Welt auch nach Olympia weiter im Nationalteam spielen will. „Das wird mit Sicherheit nicht mein letztes Turnier im Nationaltrikot sein“, bestätigte Ehrhoff der dpa. Der Kandidat als Deutschlands Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier am Freitag hofft nun auch wieder auf den Sturm-Effekt: „Soweit wir bei der Nationalmannschaft sind, werden die Karten neu gemischt.“ Soll heißen: Aus Problemkindern können wieder Hoffnungsträger werden.

dpa

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