Keine Olympia-Einladung trotz aufgehobener Sperre

IOC bleibt bei 15 Russen hart: DOSB applaudiert, Kreml schimpft

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IOC-Präsident Thomas Bach verteidigt die Entscheidung.

Obwohl die lebenslange Sperre für 15 russische Athleten und Trainer aufgehoben wurde, verweigert das IOC ihnen die Olympia-Einladung. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.

Pyeongchang - Das IOC bleibt hart, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) begrüßt die klare Linie, während Russland Unverständnis äußert: Die 15 russischen Athleten und Trainer, deren lebenslange Olympia-Sperren vom Internationalen Sportgerichtshof CAS aufgehoben worden sind, erhalten keine Einladung für die Olympischen Winterspiele ab Freitag in Pyeongchang. Wahrscheinlich fällt die endgültige Entscheidung wieder vor dem CAS.

"Das ist eine gute Nachricht, dass das IOC trotz des CAS-Urteils nach neuerlicher Prüfung bei seiner Entscheidung bleibt und die russischen Athleten, die am betrügerischen System in Sotschi beteiligt waren, nicht zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang einlädt", sagte Dirk Schimmelpfennig, Chef de Mission im deutschen Team.

Schimmelpfennig sieht durch den Schritt wichtige Voraussetzungen des Fair-Play bei den 23. Winterspielen gewahrt. "Für die Chancengleichheit aller Athletinnen und Athleten sowie einen konsequenten internationalen Anti-Doping-Kampf ist es ein gutes und wichtiges Signal", sagte der Vorstand Leistungssport im DOSB.

Kreml: „Schlag gegen das Recht“

Der Kreml dagegen bedauert die Entschediung: „Wir sind überzeugt, dass das CAS-Urteil bestätigt hat, wie unbegründet jeder Verdacht war“, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Mit kräftigeren Worten reagierten Sportminister Pawel Kolobkow und Abgeordnete im Parlament. Das IOC habe seine eigene Charta verletzt, sagte der Minister. Die Sportler und ihre Anwälte untersuchten, ob es in letzter Minute doch noch Rechtsmittel gegen den Ausschluss von den Wettbewerben in Pyeongchang vom 9. bis 25. Februar gebe.

„Das ist ein Schlag gegen die Olympische Bewegung und gegen das Recht“, sagte der Abgeordnete Pawel Krascheninnikow. Das IOC müsse sich an die eigenen Regeln halten. Dazu gehöre, Urteile des Sportgerichts anzunehmen.

Zuvor hatte das IOC den 15 Russen weiter die Rote Karte gezeigt und sich dabei auf die Expertise des IOC-Prüfausschusses unter der Leitung der früheren französischen Sportministerin Valerie Fourneyron gestützt. Das Panel hatte jeden Fall noch einmal individuell überprüft und sich letztendlich einstimmig gegen Einladungen für die 15 Russen ausgesprochen.

169 saubere Athleten starten unter neutraler Flagge

"Das Gremium hat erneut großartige Arbeit geleistet", sagte IOC-Präsident Thomas Bach, der betonte, dass die Fälle anonym bearbeitet worden seien. Dies mache die Entscheidungen so wertvoll, die zuständigen Kommissionen hätten "gewissenhaft und auf gleiche und faire Weise für alle Athleten" gearbeitet.

Ein Grund für die klare Haltung der Kommission seien zusätzliche Informationen gewesen, die das Gremium erhalten habe und die für weitere Zweifel an der Integrität der Sportler gesorgt hätten. Dazu gehörten auch die Informationen aus der Datenbank des Moskauer Kontrolllabors, die im vergangenen November in die Hände der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gelangt war.

Insgesamt hatte der CAS am letzten Donnerstag die lebenslangen Olympiasperren von 28 russischen Wintersportlern wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Richtlinien bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 aufgehoben. 13 von ihnen sind aber nicht mehr aktiv und kommen deshalb für einen Start in Pyeongchang nicht in Frage.

Wegen systematischen Dopings bei den Winterspielen 2014 war das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) vom IOC Anfang Dezember suspendiert worden. 169 saubere russische Athleten dürfen in Pyeongchang aber unter neutraler Flagge starten.

Klagt sich Russland noch ein?

Es liegt nun an Russland, ob das Riesenreich abermals vor den CAS zieht und seine Teilnahme an den ersten Winterspielen auf der koreanischen Halbinsel womöglich noch einklagt. Der CAS hatte sich mit seinem Urteil am Donnerstag den Ärger des IOC zugezogen. "Wir haben einige Sorgen über die Qualität dieser Entscheidung", sagte Bach gesagt und brachte prompt die Notwendigkeit von internen Reformen im höchsten internationalen Sportgericht ins Spiel: "Wir dürfen nicht in eine Situation kommen, dass der CAS seine Glaubwürdigkeit bei den Sportlern verliert."

Am Montag betonte der CAS die Urteilsbegründungen in den Fällen der 39 nicht mehr lebenslang für Olympia gesperrten russischen Sportler "so schnell wie möglich" zu veröffentlichen. Das erklärte John Coates, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums ICAS. Bisher gibt es noch keine detaillierte Urteilsbegründung. Dies hatte Bach am Sonntag als "unbefriedigende Situation" bezeichnet.

Coates, selbst IOC-Mitglied und ehemaliger Vizepräsident, erklärte in der Stellungnahme, der CAS habe die Sorgen von Bach zur Kenntnis genommen und werde diese sorgfältig prüfen. "Die Athleten haben Anspruch darauf, auf allen Ebenen Vertrauen in die juristischen Verfahren zu haben, insbesondere vor dem CAS", sagte Coates.

dpa / sid

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