Gold für Kotsenburg

Riesiger Zoff nach Slopestyle-Finale

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Worauf kam es wirklich an, um Gold zu gewinnen? Sage Kotsenburg bekam die begehrte Medaille

Krasnaja Poljana - Was ist wichtiger? Schwere Sprünge oder kreative, saubere Tricks? Nach dem unerwarteten Slopestyle-Gold von Kotsenburg bei der Olympia-Premiere ist sich die Snowboard-Szene uneins.

Mit Gold um den Hals streckte Snowboarder Sage Kotsenburg als erster Slopestyle-Olympiasieger der Historie den Fotografen vor Freude die Zunge raus. Bronze-Gewinner Mark McMorris aus Kanada schnitt daneben Grimassen. Auf der anderen Seite posierte der Norweger Staale Sandbech mit der Silbermedaille in der Hand und radikal hoch gegelter Frisur. Das Trio aus 20 Jahre alten Jungs posierte bei der abendlichen Medaillenzeremonie in lockeren Trainingshosen. Ohne US-Superstar Shaun White am Start feierte die Disziplin in Sotschi ihre Olympia-Premiere - und bescherte der Snowboard-Szene gleich einmal eine Grundsatzdebatte.

Noch während der Blumenübergabe in den Bergen von Krasnaja Poljana begannen die Diskussionen über die Jury-Urteile. „Ich glaube keiner der zwölf Teilnehmer weiß, worauf sie geachtet haben“, beschwerte sich der fünftplatzierte Maxence Parrot aus Kanada über die Punktrichter. Der am besten bewertete Qualifikant und Sieger der X-Games landete unerwartet weit hinten. Weltmeister Roope Tonteri aus Finnland schimpfte über die Bewertungen: „Das war nicht gut und schon in der Quali komisch, es war ein Wettbewerb der FIS (Skiweltverband), was kannst du da anderes erwarten.“

Als einziger der Medaillengewinner hatte Kotsenburg den Zuschauern auf den nicht voll besetzten Tribünen keinen Triple präsentiert. Statt eines solchen Tricks mit dreifachem Überschlag zeigte der Amerikaner einen sehr sauberen Lauf und legte viel Wert auf Details wie Handgriffe. Das bewertete die Jury offenkundig höher als das derzeitige Nonplusultra in der Szene. Nach der Qualifikation war es für nahezu alle Starter undenkbar, dass der erste Olympiasieger ihrer Sportart auf einen Triple würde verzichten können. „Fahrer sind für einen Triple quasi abgewertet worden“, beschwerte sich Parrot.

Kotsenburg aber scherte sich nicht darum. „Es ist ziemlich stark, dass sich dieses verrückte, kreative Zeug ausgezahlt hat. Ich habe den Holy Crail gemacht und einen 1620 - über den habe ich zuvor noch nicht mal nachgedacht“, sagte der als Außenseiter gestartete Blondschopf über zwei seiner wichtigsten Sprünge. Die viereinhalbfache Drehung „habe ich zuvor noch nie ausprobiert“.

Die Jury-Kritik der Konkurrenz brachte Kotsenburg nicht aus der Ruhe. „An jedem anderen Tag hätten diese Jungs vielleicht gewonnen, aber heute ist es einfach mein Tag geworden“, frohlockte er. „Es fühlt sich großartig an. Ich weiß gerade gar nicht, was abgeht. Das ist das Verrückteste, was mir je passiert ist.“

Trainer Mike Jankowski freute sich über die Jury, deren Gewichtung im US-Team als „Statement für Snowboarding“ aufgefasst wurde: „Wir wollen keinen Sport, bei dem die Richter nur die Umdrehungen zusammenzählen. Wir wollen nicht alles in Zahlen ausdrücken können. Im Snowboarden zählt auch dieses Gefühl, das alles aufnimmt.“

US-Superstar White hatte auf den Wettbewerb verzichtet und gratulierte keine 15 Minuten nach dem Sieg des Teamkollegen via Twitter. Ohne den Snowboard-Millionär im Starterfeld erlebten die Zuschauer eine sportlich hochklassige, aber nicht immer stimmungsvolle Olympia-Premiere. Die Athleten in den weiten Klamotten und mit den großen, meist verspiegelten Skibrillen mussten das Publikum gleich mehrmals zum Jubeln animieren. Schlimm war das aber wohl nicht. „Auf der Strecke hab ich eh' Musik im Ohr. Da höre ich nichts anderes“, sagte Weltmeister Tonteri.

dpa

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