Alexander Pointner

Österreich-Trainer litt an Depressionen

+
Alexander Pointner (r.).

Bischofshofen - Österreichs Skisprung-Cheftrainer Alexander Pointner hat eine Zeit lang an Depressionen gelitten. In einer Rundfunksendung spricht er offen über die schwere Zeit.

Mit einem mutigen Schritt in die Öffentlichkeit hat Österreichs Skisprung-Cheftrainer Alexander Pointner einen Tag vor dem spannenden Finale der 62. Vierschanzentournee für Aufsehen gesorgt. Der 43-Jährige berichtete am Sonntag in der Ö3-Rundfunksendung „Frühstück bei mir“, bis vor einem halben Jahr an Depressionen gelitten zu haben. „Es hat Phasen gegeben, da bin ich kaum aus dem Bett gekommen“, erzählte Pointner.

Nach einer depressiven Erkrankung seines Sohnes im Jahr 2012 und dessen dreimonatigem Klinikaufenthalt habe sich auch bei ihm dieses Krankheitsbild gezeigt. „Der Auslöser dafür war sicher eine Mischung aus beruflicher Belastung und dass ich mit meinem Kind so mitgelitten habe“, erklärte Pointner und fügte hinzu: „Als wir ihn in die Klinik gebracht haben, war das sehr schwer. Die ganze Familie hat geweint und ich habe mich immer wieder gefragt, was ich als Vater falsch gemacht hätte.“

Sein Sohn sei dann für ihn zum Vorbild geworden, als er wenig später selbst in eine Depression fiel. „Er hat immer offen dazu gestanden und gesagt, er brauche Hilfe“, berichtete Pointner. Er sei ebenfalls nur mit ärztlicher Hilfe und medikamentöser Behandlung aus dem Tief herausgekommen.

Seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2004 führte Pointner Österreichs Ski-Adler zu einem nie dagewesenen Höhenflug. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen gab es seither 31 Medaillen, davon 17 aus Gold. Bei der Vierschanzentournee triumphierten seine Athleten zuletzt fünfmal nacheinander.

Sein Team sei von Anfang an im Bilde gewesen und habe gewusst, „dass ich ärztliche Hilfe in Anspruch nehme. Ich habe immer mit offenen Karten gespielt. Sonst hätte ich ja schauspielern müssen. Irgendwann zerbricht man daran. Zu viele Leute vertuschen Depressionen, das wollte ich nicht“, sagte Pointner.

Mit seinen Worten wolle er anderen Menschen Mut machen, offen über ihre Probleme zu sprechen. „Ich finde es wichtig, weil es eine Krankheit ist, an der viele Menschen leiden. Ich habe eine Ebene kennengelernt, die manch anderen auch treffen kann. Heute bin ich stärker als je zuvor“, erzählte der Familienvater.

Er bedankte sich zugleich für die Unterstützung seiner Schützlinge um Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern. „Ohne meine Athleten hätte ich die Zeit nicht überstanden“, stellte Pointner fest. „Sie mussten mehr Verantwortung übernehmen. Wir haben es gemeinsam gemeistert - es hat jeden geprägt.“

dpa

Kommentare