"Fantastisch, faszinierend"

Björgen holt viertes Gold - Fessel starke Fünfte

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Marit Björgen

Cavalese - Norwegens Skilanglauf-Star Marit Björgen hat bei der nordischen WM in Val di Fiemme ihre vierte Goldmedaille gewonnen.

Während sich Norwegens Superstar Marit Björgen als Skilanglauf-Königin von Val di Fiemme bejubeln ließ, feierte Nicole Fessel Platz fünf wie eine Medaille. Die 29 Jahre alte Oberstdorferin lieferte im 30-km-Massenstart der nordischen WM das vielleicht beste Rennen ihres Lebens ab und bescherte den deutschen Frauen einen versöhnlichen Abschluss der Titelkämpfe. „Ich bin einfach nur happy, dass ich das geschafft habe“, sagte Fessel, die für das beste WM-Ergebnis einer deutschen Läuferin im „Marathon“ überhaupt sorgte.

Als sich Fessel mit 1:49,0 Minuten Rückstand auf Björgen bravourös ins Ziel kämpfte und dabei reihenweise hochkarätige Konkurrenz hinter sich ließ, kam Bundestrainer Frank Ullrich aus dem Schwärmen kaum noch heraus: „Fantastisch, faszinierend, vom Feinsten. Das war richtig stark von Nicole, Hut ab.“ Fessel hatte bei der WM zuvor eine eher unglückliche Figur abgegeben, war im Skiathlon nur 22. geworden. „Ich bin in Form wie noch nie und habe mich hier vielleicht zu oft zu sehr unter Druck gesetzt. Aber heute habe ich es endlich einmal umsetzen können“, sagte die frühere Junioren-Weltmeisterin.

Fessel war nach dem Kraftakt bei 12 Grad um einen Platz besser als Evi Sachenbacher, die 2003 an gleicher Stelle WM-Sechste geworden war. Katrin Zeller kam als zweite deutsche Starterin auf Rang 14 (4:32,0 zurück). In einem packenden Rennen setzte sich Björgen nach 1:27:19,9 Stunden im Spurt vor ihrer polnischen Erzrivalin und Olympiasiegerin Justyna Kowalczyk durch und holte ihr viertes Gold in Val di Fiemme und ihren zwölften WM-Titel insgesamt. Dritte wurde Titelverteidigerin Therese Johaug (Norwegen).

Im letzten Frauen-Rennen der WM mischte Fessel von Beginn an vorne mit, die Allgäuerin mit den markanten Zöpfen lag zur Halbzeit noch gleichauf mit den Favoritinnen. „Ich bin locker und ohne großen Druck gelaufen. Zwischendurch habe ich gedacht: Geil, ich bin ja vorne dabei“, sagte Fessel.

In der zweiten Halbzeit machten die Favoritinnen aber ernst. Bei Kilometer 20 trat zunächst Johaug an, nur noch Björgen und die bis dahin bei den Titelkämpfen im Fleimstal enttäuschende Kowalczyk konnten folgen. Auf den letzten 1000 Metern vor dem Finale fiel Johaug dann einer Tempoverschärfung der Polin zum Opfer, die aber auf der Zielgerade keine Chance gegen Björgen hatte.

Tausende Norweger feierte frenetisch ihre „Königin Marit“, die in Val di Fiemme bereits Gold im Sprint, im Skiathlon und mit der Staffel geholt hatte und damit als erfolgreichster Sportler der 49. nordischen WM feststeht. Lediglich über 10 km musste sie sich hinter Johaug mit Silber begnügen. „Schon bei Olympia in Vancouver und der WM in Oslo hatte ich dreimal Gold. Es wird nicht leichter, solche Erfolge zu bestätigen, das ist eine Herausforderung“, sagte Björgen, die für Bundestrainer Ullrich „eine Athletin ist, wie sie nur alle 20, 30 Jahre geboren wird.“

Die Ausnahmeläuferin aus Trondheim liegt in der ewigen Bestenliste nur noch zwei Titel hinter der führenden Jelena Wälbe (14-mal Gold) zurück. Bei der WM 2015 in Falun/Schweden dürfte die Bestmarke der großen Russin aus Magadan reif sein - Björgen wird wohl über die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi hinaus weitermachen.

sid

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