Neuner-Rücktritt: Stirbt jetzt das Biathlon?

Wallgau - Wie geht es nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner weiter? Stirbt jetzt das Biathlon? Beispiele aus anderen Sportarten geben allerdings Grund zur Hoffnung.

Keine Sorge um die Quoten, schon gar keine um den Marktwert: Nach dem angekündigten Rücktritt von Magdalena Neuner sehen Experten weder die erfolgreiche Fernseh-Sportart Biathlon noch den Star selbst in der Versenkung verschwinden. “Die Sportart ist in sich so attraktiv, sie ist nicht von einzelnen Personen abhängig. Die Quoten werden nicht leiden“, sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

Gruschwitz muss dabei gar nicht weit in die Vergangenheit blicken, um seine These zu untermauern. “Vor zwei Jahren erst ist Kati Wilhelm zurückgetreten. Das war nicht spürbar“, sagt der 57-Jährige. Biathlon, das sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten TV-Sportarten entwickelt hat, kann mittlerweile auf eine sehr große und vor allem stabile Fangemeinde zurückblicken, sodass auch das Karriereende von einer Ausnahmeathletin wie Neuner kompensiert werden kann.

Deutsche Erfolge werden allerdings für hohe Quoten weiter wichtig sein. Dass es nach dem Rücktritt eines großen Stars schnell bergab gehen kann, hat das Beispiel Skispringen gezeigt. Nach dem Karriereende von Sven Hannawald sank das Interesse an den deutschen Adlern rapide ab, die Sportart erholt sich dank neuer Talente wie Severin Freund und Richard Freitag nur langsam davon.

Steffi Graf als Vorbild

Von der Bildfläche wird Neuner auch nach ihrem Rücktritt im kommenden März wohl so schnell nicht verschwinden. Der Schritt könnte ihre Bekanntheit sogar noch steigern. “Ich habe Magdalena Neuners Weg immer mit der Karriere von Steffi Graf verglichen, die ich sehr eng begleitet hatte. Steffi hatte damals auch alles gewonnen, und ihr hat der frühe Rücktritt überhaupt nicht geschadet“, sagt Bernhard Schmittenbecher.

Der Berater von Nationaltorwart Manuel Neuer und Tischtennis-Rekordeuropameister Timo Boll verweist allerdings auch auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten: “Steffi ist erst als Mutter, dann als Geschäftsfrau, immer aber als strahlende Persönlichkeit und an wechselnden Aufgaben stetig gewachsen. Sie könnte Magdalena ein leuchtendes Vorbild sein.“

Viele kommen zurück

Im Gegensatz zum einstigen Tennisstar dürfte bei Neuner eine Rückkehr nicht ganz auszuschließen sein. Geschichten über Comebacks gibt es im Sport genügend, allerdings verlaufen nur wenige erfolgreich. Michael Schumacher fährt in der Formel 1 hinterher und auch Michael Jordan fand nie wieder zu alter Klasse zurück. Mark Spitz, siebenmaliger Olympiasieger von München, war sogar erst 22 Jahre bei seinem Rücktritt. Als er es mit 41 noch mal versuchte, schluckte er nur die Wellen der Gegner.

Im deutschen Skisport finden sich allerdings auch andere Beispiele. Rosi Mittermaier war zweimalige Olympiasiegerin und Weltmeisterin, als sie im Alter von 25 Jahren ihre Karriere beendete. Noch heute lächelt Gold-Rosi fast jede Woche in die TV-Kameras und ist bekannt wie eh und je. Die Gold-Lena Neuner wird zum Zeitpunkt ihres Rücktritts übrigens auch 25 sein.

dapd

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