Bei Neuner kribbelt's, Greis ganz entspannt

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Von links: Michael Greis, Andrea Henkel, Magdalena Neuner und Arnd Peiffer

Ruhpolding - Neben Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner wecken bei der Heim-WM auch zwei Männer Medaillenhoffnungen. Michael Greis ist dagegen froh, überhaupt dabei zu sein.

Magdalena Neuner verspürt ein ganz besonderes Kribbeln. „Es könnte keinen schöneren Ort für meinen Abschied geben“, sagt die Rekordweltmeisterin vor der Heim-WM in Ruhpolding. Los geht's am Mittwoch mit der Eröffnungsfeier, bis zum 11. März sollen die Titelkämpfe ein krönender Abschluss der unvergleichlichen Karriere der deutschen Biathlon-Königin werden. Sechs Medaillen will die 10-malige Weltmeisterin sammeln. Deutlich bescheidener sind die Ziele des Dreifach-Olympiasiegers Michael Greis, der erst im letzten Moment auf den WM-Zug aufgesprungen ist. Er steht im Schatten der heißen Medaillenkandidaten Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher.

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„Ich denke noch nicht viel an den Abschied vom Weltcup-Zirkus, sondern lebe in der Gegenwart. Vor mir liegen drei spannende Wochen, auf die ich mich wahnsinnig freue. Es läuft gerade alles super“, sagte Neuner. Die 25-Jährige, die am Saisonende ihre Karriere beenden wird, liegt mit acht Saisonsiegen im Gesamtweltcup an der Spitze und präsentiert sich seit Monaten in überragender Form. Auch eine Erkältung, die sie bei den Weltcups in Oslo und Kontiolahti behinderte, konnte den Siegeszug der Doppel-Olympiasiegerin nicht stoppen.

Trotz all des Rummels auf ihrer Abschiedstournee ist die Wallgauerin tiefenentspannt. „In Ruhpolding werden sehr viele im Publikum mitfiebern, die mir wichtig sind und nahe stehen. Es ist etwas Besonderes zu wissen, dass meine Familie und Freunde da sind“, sagte Neuner im Trainingslager in Obertilliach. Dort tankte die deutsche Mannschaft auch mental Kraft: „Wir haben gerade wirklich ein super Team. Meine Zimmerkollegin Miriam Gössner und ich sind echte Freundinnen geworden. Für die gute Stimmung bin ich unheimlich dankbar“, sagte Neuner.

Bundestrainer Uwe Müssiggang traut seiner Vorzeige-Athletin einiges zu: „Magdalena machte im Training und im Mannschaftshotel einen coolen und entspannten Eindruck. Ihr selbst gestecktes Ziel von sechs Medaillen in sechs Rennen zeigt, dass sie selbstbewusst ist. Ich bin vollkommen überzeugt, dass sie in allen Wettbewerben um Edelmetall kämpfen wird.“

Neben Neuner haben die deutschen Skijägerinnen in Andrea Henkel eine weitere heiße Medaillenkandidatin. Die „Grande Dame“ des DSV-Teams stellte mit dem Massenstart-Erfolg in Oslo („Der Sieg hat mir nochmal enorm gut getan“) eindrucksvoll unter Beweis, dass bei dieser WM mit ihr zu rechnen ist. Zudem zeigt die Formkurve der Staffel-Weltmeisterinnen Tina Bachmann und Miriam Gössner deutlich nach oben, beide sind für eine Überraschung gut. Wie bei Bachmann 2011, als sie Silber im Einzel gewann. „Zu Hause habe ich mir nochmal meine Silbermedaille vom letzten Jahr angeschaut und in Erinnerungen geschwelgt. Es ist schön zu wissen, dass man schon etwas erreicht hat und auch in der Lage ist, zu gewinnen“, sagte Bachmann.

Erreicht hat Michael Greis in seiner Karriere schon einiges. Dreimal Gold bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin, dazu den Weltmeistertitel und den Gesamtweltcup. Doch die Teilnahme an dieser WM gehört für den 35-Jährigen nach einer völlig verkorksten Saison zu seinen größten Siegen. „Die WM hatte ich fast schon abgehakt. Ich wollte auf gar keinen Fall nur als fünftes Rad am Wagen dabei sein“, sagte Greis, der in der Vorbereitung eine Bänderverletzung erlitten hatte. Eine Erkältung zu Jahresbeginn verhinderte, dass Greis die WM-Norm schaffte. Erst im Trainingslager in Ridnaun löste er das WM-Ticket.

„Ich freue mich jetzt erst einmal, dass es doch noch mit der Heim-WM klappt. Ich bin jetzt relativ entspannt und relaxt. Für mich ist es ja nicht die erste WM, und ich bin stolz darauf, was ich bis jetzt erreicht habe. Ich möchte ganz bestimmt kein Schaulaufen in Ruhpolding machen“, sagte Greis.

Die Führungsrolle im deutschen Team hat Greis aber an Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer und den dreimaligen Saisonsieger Andreas Birnbacher abgeben müssen. Das Duo hat sich in der absoluten Weltspitze etabliert und gehört in allen Rennen zu den Favoriten.

Birnbacher, der während der Titelkämpfe zu Hause wohnen wird, bleibt gewohnt bescheiden: „Ich würde mich natürlich sehr über eine Medaille freuen. Mein Ziel ist es erst einmal, normal in die Wettkämpfe zu gehen, also wie in jedem anderen Rennen auch. Wenn ich gut drauf bin, kann ich aber durchaus vorne mitlaufen“, sagte der 30-Jährige aus Schleching. Auch Peiffer stapelt tief: „Ich denke, ich habe gute Chancen auf eine Medaille, und das ist auch mein Ziel.“ Nicht zum Team gehört Olympiasieger Michael Rösch, der wegen eines Infekts seine WM-Teilnahme absagen musste.

Insgesamt setzt die deutsche Mannschaft auf so viel Normalität wie möglich in den turbulenten Wochen von Ruhpolding. „Die Scheiben in Ruhpolding werden nicht kleiner sein als anderswo, die Strecke nicht länger“, sagte Müssiggang. Doch kribbeln wird es nicht nur bei Magdalena Neuner trotzdem ganz gewaltig.

sid

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