Magdalena Neuner: Es gab Morddrohungen gegen mich

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Magdalena Neuner im März bei der Biathlon-WM in Ruhpolding.

Wallgau - Die zurückgetretene Ausnahme-Biathletin Magdalena Neuner hat bei der Heim-WM in Ruhpolding im März eine Morddrohung erhalten.

Das strahlende Lächeln wirkte stets locker und gelöst, doch in Wirklichkeit machte sich Magdalena Neuner ernsthafte Sorgen um ihr Leben: Die mittlerweile zurückgetretene Biathlon-Königin hat während der Heim-WM in Ruhpolding im März eine Morddrohung erhalten und musste daraufhin besonders geschützt werden. „Und da denkt man sich schon: Ist es das wert? Aber wahrscheinlich gehört das zum Berühmtsein“, sagte Neuner dem „Münchner Merkur“.

Gerüchte über mögliche Bedrohungen hielten sich während des letzten Highlights in der Karriere der Rekordweltmeisterin in Oberbayern vor fünf Wochen hartnäckig, bestätigt wurden sie durch Neuner selbst aber erst jetzt. Es sei nicht einfach gewesen, mit dem Gedanken im Kopf in die Loipe zu gehen: „Da ist vielleicht jemand, der einem was anhaben will“, sagte die 25-Jährige, betonte aber: „Ich konnte das ganz gut ausschalten.“

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Die Doppel-Olympiasiegerin wurde von der Drohung überrascht, unterschätze das große Risiko jedoch nicht. „Ich habe versucht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, sagte Deutschlands Sportlerin des Jahres. Es seien in jedem Fall immer ausreichend Zivilpolizisten und andere Sicherheitskräfte im Einsatz gewesen, um Neuner vor einem möglichen Angriff zu schützen: „Ich habe mich sicher gefühlt. Aber klar, denkt man gelegentlich daran. Auch ab und zu beim Einschlafen.“

Neuner, die in Ruhpolding zwei WM-Titel sowie eine Silber- und eine Bronzemedaille gewonnen hatte, wurde nicht zum ersten Mal bedroht. Erst im Februar wurde ein Stalker vom Landgericht München zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt, nachdem der 44-Jährige vor knapp zwei Jahren auf den Balkon von Neuners Haus in Wallgau geklettert war und ans Fenster geklopft hatte. Die zwölfmalige Weltmeisterin erlitt daraufhin einen Schock.

Der Stalker wurde zunächst mit einem Kontaktverbot belegt, hinterließ aber trotzdem mehrfach weitere Liebesbotschaften. Sollte der frühere Wirtschaftsinformatiker noch einmal Kontakt zur Ex-Biathletin suchen, wird er in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen.

Über die Schattenseiten ihrer Berühmtheit und den Fluch des Hypes um ihre Person hatte sich „Gold-Lena“ in den Wochen vor ihrem Rücktritt mehrfach beklagt, arbeitete jedoch stets professionell. Da sie sportlich keine Ziele mehr hatte, beendete sie nach dem dritten Gewinn des Gesamtweltcups im März ihre glanzvolle Karriere - ohne es zu bereuen. „Es ist alles superschön. Mir ist nicht langweilig. Ich war noch an keinem Tag daheim, an dem ich mich gefragt hätte: 'Was mache ich jetzt?'“, sagte Neuner.

Vielmehr genieße sie nach einem kräftezehrenden Weltcup-Winter ihre Freiheit. Erst einmal sei sie Joggen gewesen, und das auch nur eine halbe Stunde lang. Die Sehnsucht nach dem Leistungssport hat die Ausnahmekönnerin noch nicht gepackt, stattdessen genießt sie die ruhigen Momente im idyllischen Oberbayern: „Das war überfällig, dass ich meinem Körper Ruhe gönne.“

Ganz aus dem Rampenlicht wird Neuner nicht verschwinden, und so gibt es den nächsten großen Auftritt nach der Abschiedsparty mit 5000 Fans am Freitag in Wallgau schon am 12. Mai im Berliner Olympiastadion. Im Rahmen des DFB-Pokalendspiels zwischen Fußball-Rekordmeister Bayern München und Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund vor mehr als 75.000 Zuschauern wird sie die Trophäe ins Stadion tragen.

Unter diesem Link lesen Sie das Neuner-Interview beim "Münchner Merkur".

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