Neuner verzichtet - und macht Kampfansage

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Magdalena Neuner ist optimistisch, was ihre Ziele für die verbleibende Saison betrifft

Oslo - Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner hat wegen ihrer Erkältung überraschend auf eine Teilnahme beim Massenstart-Wettkampf am Sonntag in Oslo verzichtet.

 Die Doppel-Olympiasiegerin hatte zuvor den Sprint und die Verfolgung am Samstag gewonnen. Ob die 24-Jährige am nächsten Weltcup in Kontiolathi teilnimmt, ist nach Angaben von Damen-Trainer Gerald Hönig noch offen.

Neuner lässt keine Ablenkung zu. Auf der Zielgeraden ihrer Karriere ist die Biathlon-Königin in einer überragenden Form und hat zwei große Ziele fest vor Augen: Sechs Medaillen bei der Heim-WM in Ruhpolding und den dritten Sieg im Gesamtweltcup. Einen Zweifel, dass ihr das gelingen kann, hat fast niemand - vor allem sie selbst nicht. „Bei mir wird es immer besser, ich merke das“, sagte Neuner beim Weltcup in Oslo: „Wo viele jetzt schon richtig Federn lassen, da geht es bei mir noch gut und gerade erst so richtig los. Die Kurve geht nach oben.“

Noch weiter nach oben? Das scheint fast unmöglich. Doch auch von einer Erkältung geschwächt und bei eisigen Temperaturen von mehr als zehn Grad unter Null gewann die Rekordweltmeisterin den Sprint und den Verfolger am Holmenkollen fast mühelos. „Ich habe eine wahnsinnig gute Grundlagenausdauer, das ist das, was ich jetzt seit 16 Jahren trainiere“, sagte die 24-Jährige aus Wallgau: „Man kann über die letzten Jahre sagen, dass ich immer zum Ende der Saison richtig gut war. Das wird auch dieses Jahr so sein.“

Da passt es perfekt, dass in knapp vier Wochen mit der Weltmeisterschaft in Ruhpolding (29. Februar bis 11. März) der Saisonhöhepunkt ansteht. „Ich freue mich riesig“, sagte Neuner, die den Gewinn von sechs Medaillen als Ziel ausgegeben hat: „Angst, dass ich meine Form verliere, habe ich überhaupt nicht. Warum auch? Auch mein dritter Sieg im Gesamtweltcup ist ein Ziel, das ich unbedingt noch erreichen möchte.“

Ihre Vorstellungen im Weltcup sind fast schon beängstigend stark und für die Konkurrenz absolut demoralisierend. Man bräuchte „eine Rakete im Hintern“, um Neuner zu schlagen, sagte die Norwegerin Tora Berger. Ihre seltenen Fehler kann die Doppel-Olympiasiegerin meistens ganz einfach erklären: „Flüchtigkeitsfehler, weil ich mir manchmal zu sicher bin.“

Als Lohn für ihre harte, konzentrierte Arbeit in der Loipe und am Schießstand durfte sie nach ihrem Sieg im Verfolger den norwegischen König Harald V. in seiner Loge besuchen. „Er hat gesagt, dass er traurig ist, wenn ich aufhöre, das fand ich echt nett“, sagte Neuner. Umstimmen konnte er sie freilich nicht.

Nur wenige Meter von der Ziellinie entfernt stand außerdem fast die gesamte Familie zur Unterstützung. „Das ist einfach ein schönes Gefühl, dass sie bei den Siegen dabei sind“, sagte Neuner. Auch ihr Freund Sepp war zum ersten Mal an der Strecke und gab seiner Partnerin vielleicht noch den Extra-Kick. „Für uns alle ist das ein ganz besonderes Erlebnis am Holmenkollen“, sagte Neuner.

Groß gefeiert wurde trotz der herausragenden Leistungen nicht. „Ich mache jetzt erstmal die Saison fertig. Klar, der 30. Weltcupsieg war schon toll, und das sind schon Dinge die mir bewusst sind. Aber ich bin trotzdem immer noch fokussiert auf die WM und das, was ich vor mir habe“, sagte Neuner: „Danach kann ich alles genießen und feiern, und mich auch feiern lassen. Jetzt ist einfach Sport im Vordergrund.“

Ihre Worte sind mit Bedacht gewählt, sie wirkt so konzentriert wie selten zuvor. In ihren letzten Rennen vor dem endgültigen Abschied beim Weltcupfinale im russischen Chanty-Mansijsk Mitte März will Deutschlands Sportlerin des Jahres am liebsten immer gewinnen. „Klar, es sollen noch ein paar Siege hinzukommen“, sagt Neuner. Auf dem Weg dorthin kann sie sich wahrscheinlich nur selbst schlagen.

SID

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