Nächster Deutscher auf dem Sprung in die NFL

Boston/Berlin - Sebastian Vollmer schuftet bis zur Erschöpfung für seinen Traum vom Titel, Matthias Berning muss auf dem Weg in die American-Football-Eliteliga NFL den "Terminator" beiseite räumen.

Zwei Wochen vor Saisonbeginn haben sich beide Footballer durch die schweißtreibenden Trainingslager ihrer Teams gekämpft, so dass diese Spielzeit erstmals ein deutsches Duo in der US-Profiliga auf dem Feld stehen könnte.

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Doch während sich die “German Wall“ Vollmer im dritten Jahr bei den New England Patriots als Starter etabliert hat, muss Neuling Berning in New York seinen Kaderplatz in der letzten Phase der Vorbereitung erst noch behaupten. “Ich hoffe natürlich, dass es ein weiterer Deutscher schafft und dass er erfolgreich bei den Jets ist“, sagte Vollmer in einem Telefoninterview mit deutschen Medien.

Wie hart es dabei sogar im Training zugeht, bekam Collegeabsolvent Berning gleich in seiner ersten Woche Anfang August zu spüren. Teamkamerad John Conner - wegen seiner krachenden Blocks unter dem Spitznamen “Terminator“ gefürchtet - nahm sich den 107 Kilo schweren Defensivspieler vor und donnerte ihn so heftig auf den Boden, dass Bernings Helm wegflog. “Willkommen in der NFL, rook“, beschrieb die vereinseigene Internetseite die Szene.

Der 24-Jährige biss sich durch, schaffte zwei Tackles im Auftakt- Testspiel und überstand die erste Welle von Entlassungen. “Er war eindrucksvoll im Trainings Camp“, lobte Jets-Cheftrainer Rex Ryan, auch wenn er sich bei einer frühen Pressekonferenz noch nicht an den Nachnamen von “Nummer 56, das 'German Kid'“ erinnern konnte: “Aber er fängt mit einem 'B' an.“ Nicht nur deshalb wäre es eine kleine Überraschung, sollte sich Berning am 3. September noch im Aufgebot befinden, wenn dieses von aktuell 85 Spielern auf 53 reduziert wird.

Auch Vollmer kennt das Zittern vor dem “final cut“ aus seinem Rookie-Jahr. “Alles das tun, was einem gesagt wird“, gibt der 142-Kilo-Koloss seinem deutschen Kollegen, der ebenfalls früher bei den Düsseldorf Panther spielte, als Rat mit. Die Herangehensweise hat sich für den Offensive Lineman, der Star-Quarterback Tom Brady vor Angriffen beschützt und Räume für den Lauf frei blockt, bewährt. Schon nach seiner zweiten Saison wurde er im Januar unter die besten vier NFL-Profis auf der Tackle-Position gewählt.

Die Sommerpause stellte Vollmer jedoch vor eine neue Situation. Während der Ende Juli beendeten Aussperrung im Arbeitskampf mit den Clubbesitzern durften die Profis nicht die Stadien betreten und mit ihrem Team trainieren. “Man musste alles selbst erledigen, ich musste mir meinen eigenen Trainer holen“, berichtete Vollmer.

Wäre die Saison ausgefallen, hätte der 27-Jährige “wahrscheinlich weiter trainiert“, nach der Einigung gilt es nun aus der verkürzten Vorbereitung “das Beste zu machen“. Ein typischer Tag für Vollmer beginnt derzeit um sechs Uhr. Das Frühstück findet auf der Patriots- Anlage statt, danach folgen Krafttraining, Besprechungen mit den Trainern, Analysen der Spielzüge und nach einer kurzen Mittagspause drei Stunden Training. Auch bis zum Abend bleibt keine Freizeit, “man guckt, was man im Training gemacht hat, wird korrigiert, bereitet sich auf den nächsten Tag vor und ist gegen 10 Uhr wieder fertig“.

Besonders das Studieren der dicken “Playbooks“ mit den Laufwegen fand Berning zu Beginn seiner NFL-Karriere “ein bisschen verwirrend“. Dass er sich im Hotel wie zu Collegetagen mit Nick Bellore das Zimmer teilt, erleichterte den Einstieg. “Es ist schön, jemanden zu kennen, wenn du hier ankommst und nicht von ganz vorne beginnen zu müssen“, sagte Berning auf der Jets-Homepage. Doch da sich sein Kumpel auch für einen der Plätze als Linebacker bewirbt, endet die Freundschaft spätestens auf dem Platz.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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