Wetter- und Terminchaos

Nach Tornado: "Djoker" im US-Open-Traumfinale

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Zeigte einige spektakuläre Ballwechsel mit David Ferrer: Titelverteidiger Novak Djokovic.

New York - Zum Abschluss eines turbulenten Wochenendes mit Tornadowarnung hat Novak Djokovic bei den US Open den Durchblick bewahrt. Er wurde vom Spanier Ferrer nur im ersten Satz gefodert.

Zum Abschluss eines turbulenten Wochenendes mit Tornadowarnung und Terminchaos hat Titelverteidiger Novak Djokovic den Durchblick behalten. Der Serbe zog bei den US Open nach einem letztlich deutlichen 2:6, 6:1, 6:4, 6:2 gegen David Ferrer (Spanien/4) ins Finale ein. Wegen des Wetters in New York hatte sich die Hängepartie über zwei Tage gezogen.

Im deshalb verspäteten Endspiel am Montag trifft Djokovic auf Andy Murray (Großbritannien/3), der sich bereits am Samstag in einem fast irregulären Match gegen Federer-Bezwinger Tomas Berdych aus Tschechien mit 5:7, 6:2, 6:1, 7:6 (9:7) durchgesetzt hatte. „Im Finale gibt es keinen Favoriten“, sagte Australian-Open-Gewinner Djokovic.

Wegen der Auswirkungen von Sturmtief Leslie und der erneut haarsträubenden Planung der Turnierverantwortlichen musste das Finale bereits zum fünften Mal in Folge auf Montag verschoben worden. Auch das Highlight bei den Frauen zwischen der topgesetzten Wiktoria Asarenka (Weißrussland) und Serena Williams (USA) konnte erst am Sonntagnachmittag Ortszeit statt wie ursprünglich geplant am Samstag ausgetragen werden.

Bei der Windlotterie im Halbfinale hatte Murray das große Los gezogen. Doch auch der Olympiasieger hatte seinen Kampf mit den Böen von bis zu 45 km/h. „Es war brutal. Das waren wohl die härtesten Bedingungen, bei denen ich je gespielt habe. Und das heißt schon was, schließlich bin ich aus Schottland“, sagte Murray.

Berdych forderte nach der unwürdigen Fortsetzung des Klassikers „Vom Winde verweht“ eine Regel, die eine Austragung unter derartigen Umständen künftig verhindern soll: „Ich denke, unser Sport verdient es, für solche Bedingungen wie heute Regeln zu haben“, sagte der Weltranglistensiebte: „Wir sind hier in den USA, wo sie die Show lieben. Aber das hatte nichts mit Show zu tun.“

Zuvor war es zu kuriosen Szenen gekommen. Kleidungsstücke und Plastiktüten flogen immer wieder auf den Court. Das akustische Netzkantensignal mussten abgeschaltet werden, weil der Windes es wie von Geisterhand auslöste. Berdych kam auf die vernichtende Bilanz von 62 unerzwungenen Fehlern.

Das Terminchaos waber war auch diesmal wieder vorprogrammiert: Wie in den Jahren zuvor ließen die Veranstalter am „Super Samstag“ die beiden Männer-Halbfinals trotz der für den Nachmittag angekündigten Schlechtwetterfront nicht parallel beginnen. Der übertragende TV-Sender CBS hatte so entschieden.

Am Montag (22.00 Uhr MESZ) aber steht besonders Murray im Blickpunkt: Nachdem er mit dem Olympiasieg sein Image als ewiger Zweiter abgelegt hat, will der Lockenkopf nach vier Final-Niederlagen sein erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen. An namhafter Unterstützung wird es dem 25-Jährige nicht fehlen, wenn er seine „Mission impossible“ endlich zu einem guten Ende bringen will. James-Bond-Darsteller Sean Connery und Trainer Alex Ferguson vom Fußball-Traditionsklub Manchester United wollen ihrem Landsmann als Edelfans auf der Tribüne die Daumen drücken. Bereits im Halbfinale fungierten sie als Glücksbringer.

Vielleicht haben die drei stolzen Schotten danach im kleinen Kreis über die Highlander-Saga gesprochen - getreu dem Motto: Es kann nur eine geben, der den Titel samt Preisgeld in Höhe von 1,9 Millionen Dollar gewinnt.

Das allgemeine Vertrauen in Murray ist jedenfalls immens gestiegen, seitdem er durch den Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London das Image des ewigen Zweiten abgelegt hatte. „Ich werde alles versuchen. Aber ich weiß“, meinte der 1, 90-m-Schlaks, „wie schwer es ist, solche Turniere zu gewinnen.“ Seine bisherigen vier Major-Finals hat der Wimbledonfinalist von 2012 allesamt verloren. Nur einer hat in der Open-Ära die gleiche vernichtende Bilanz: Murrays Coach Ivan Lendl.

Der Weltranglistenvierte, der dank seins Finaleinzugs in Flushing Meadows im Ranking einen Platz gutmachen wird, könnte mit einem Triumph im größten Tennis-Stadion der Welt eine 76-jährige Durststrecke beenden: Als letzter Brite hatte Fred Perry 1936 einen Major-Titel gewonnen.

SID

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