Ihm droht lebenslänglich

Weinender Pistorius bestreitet Mordvorwürfe

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Oscar Pistorius brach vor Gericht in Tränen aus.

Pretoria - Gegen Oscar Pistorius ist am Freitag vor Gericht in Südafrikas Hauptstadt Pretoria Mordanklage erhoben worden. Der Leichtathlet bricht in Tränen aus. Ihm droht lebenslänglich.

Als „Bladerunner“ schrieb er mit sechs Paralympic-Siegen Sportgeschichte, nun droht Oscar Pistorius lebenslang hinter Gittern zu verschwinden. Der 26-Jährige wurde am Freitag in Südafrikas Hauptstadt Pretoria des „vorsätzlichen Mordes“ an seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp angeklagt. Der Stelzenläufer wies den Vorwurf „aufs Schärfste“ zurück. Doch wegen der Schwere der Tat und der Härte der Anklage scheint fraglich, ob Pistorius am Dienstag oder Mittwoch gegen Kaution freikommt. Ein Prozess wird wahrscheinlich noch 2013 beginnen.

Der beidseits unterschenkelamputierte Leichtathletik-Staar, der bei der Verlesung der Mordanklage im Gerichtssaal in Tränen ausgebrach, soll in der Nacht zum Donnerstag in seinem Haus die 29 Jahre alte Freundin mit einer Pistole des Kalibers 9 Millimeter erschossen haben. Im Statement durch seine Familie und das Management wies Pistorius, der im Jahr durch Werbung rund zwei Millionen Dollar (rund 1,5 Mio. Euro) verdienen soll, aber nun den Rückzug aller Sponsoren fürchten muss, die Anklage entschieden zurück. Allem voraus schickte er die Erklärung: „Das Wichtigste ist es nun, dass alle Gedanken bei der Familie und den Freunden von Reeva Steenkamp sind.“

Richter Desmond Nair begründete die Vertagung der Kautionsfrage auf kommende Woche so: „Die Verteidigung hat nun Zeit, die Dinge zu untersuchen.“ Wie sehr der spektakuläre Fall um Südafrikas neuen Nationalhelden in der Öffentlichkeit des Landes wirkt, machte die Tatsache deutlich, dass sogar Südafrikas Präsident Jacob Zuma im Parlament dazu eine kurze Botschaft gab.

Pistorius-Freundin Reeva Steenkamp: Juristin, Model und Fernsehstar

Pistorius-Freundin Reeva Steenkamp (†): Juristin, Model und Fernsehstar

Nachdem am Vortag medizinische und forensische Untersuchungen erfolgt waren, wurde Pistorius am Freitagmorgen aus der Zelle in der Boschkop-Polizeistation von Pretoria zum Gericht gebracht. Er verhüllte den Oberkörper mit dem dunklen Jackett des Anzugs. Mit gesenktem Kopf saß er auf der Anklagebank, hinter ihm Vater Henke, der ihm öfter einen aufmunternden Klaps auf die Schulter gab, sowie Bruder Carl und Schwester Aimee. Als nach 40 Minuten Vernehmung die Entscheidung über die Mordanklage fiel, schlug er die Hände vors Gesicht und weinte. Dann verließ er vor laufenden Kameras und vielen Schaulustigen mit der einer Jacke über dem Kopf das Gerichtsgebäude.

Laut südafrikanischen Zeitungen wurde Reeva Steenkamp durch die Tür des Badezimmers erschossen. Ein Nachbar erklärte der Zeitung IKT, die Tür habe Einschusslöcher aufgewiesen. Eine deutliche Parallele zum Fall des Boxers „Bubi“ Scholz. Dieser hatte seine Ehefrau Helga am 22. Juli 1984 im Alkoholrausch durch die geschlossene Tür der Gästetoilette der gemeinsamen Wohnung erschossen. Scholz, der 2000 starb, wurde wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft verurteilt.

Die durch TV-Shows und Werbeauftritte im Fernsehen bekannte Reeva Steenkamp, die als examinierte Juristin in der kommenden Woche in einer Schule in Johannesburg zum Thema Gewalt gegen Frauen reden sollte, wurde laut neuesten Berichten nicht nur an Kopf, Arm und Hand getroffen, laut Polizeiaussagen auch an Brust und Becken.

Polizistin Denise Beuskens sagte einem TV-Sender: „Das ist nicht der erste Vorfall im Haus Pistorius.“ Der auch als „Adrenalin-Junkie“ bekannte Athlet, der den Nervenkitzel liebt, einen superschnellen McLaren-Sportwagen fuhr und schon mit seinem Speedboot schwer verunglückt war, hatte 2009 bereits eine Nacht im Gefängnis verbracht. Er soll bei einer Party eine 19-Jährige tätlich angegriffen haben.

Andererseits lebte Pistorius in seinem von hoher Kriminalitätsrate gezeichneten Heimatland offenbar auch in Angst. 2012 hatte der Stelzenläufer einer Zeitung berichtet, er schlafe aus Furcht vor Einbrechern mit Pistole, Maschinengewehr, Cricket- und Baseballschlägern. Im November hatte der 26-Jährige getwittert: „Wenn ich nach Hause komme und die Waschmaschine läuft, hört sich das an wie ein Eindringling in Kampfbereitschaft in der Speisekammer...“

Völlig konsterniert zeigten sich zwei deutsche Paralympics-Sieger. Heinrich Popow (Leverkusen), der 2012 in London über 100 m triumphiert hatte, meinte bei Sky Sport News HD: „Er ist so ein lieber Kerl, man wird von ihm mit Umarmungen begrüßt. Ich hoffe, dass es ein schreckliches Missverständnis ist. Wir müssen die Ermittlungen abwarten. Ich will das nicht wahrhaben.“

Ähnlich hatte zuvor Woytek Czyz reagiert, der 2004 in Athen gleich dreimal gesiegt hatte. „Ich bin absolut geschockt. Keiner, der Oscar kennt, kann glauben, dass er wirklich jemanden umbringt.“

Stelzenläufer Pistorius ist der erste amputierte Athlet, der sowohl an Paralympics als auch an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Er gewann 2012 in London sein sechstes Paralympics-Gold.

sid

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