Nach Pleitenserie bei Olympia

Schwimm-Trainer wegen Missbrauchs vor Gericht

London - Nach der Pleitenserie bei Olympia geht der Ärger für den DSV weiter. Einer seiner Olympiatrainer steht wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener vor Gericht.

Die Olympischen Spiele mit Pleiten, Pech und Pannen sind vorbei, doch der Ärger geht für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) weiter. Am Dienstag steht in Kiel einer seiner Olympia-Trainer wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener vor Gericht. „Der Termin war nicht geplant“, sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow lapidar nach dem letzten Wettkampf der DSV-Athleten, die in 46 Entscheidungen in London nur eine Medaille holten: „Ich glaube auch nicht, dass wir da zugucken müssen.“

Genau hinsehen werden andere. „Jetzt muss man abwarten, was in der Gerichtsverhandlung rauskommt. Dann muss der DSV die entsprechenden Konsequenzen ziehen“, forderte bereits Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Die Spiele in London dürften wohl selbst bei einem Freispruch die ersten und letzten gewesen sein für den Trainer, der sich nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung zwischen August 2004 und März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmschülerin vergangen haben soll. „Wir werden dann mit unseren Juristen im Hause intern beraten, wie wir vorgehen. Aber für mich ist das ein Vertrauensbruch“, sagte DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff dem SID.

DSV und DOSB sind verärgert, weil der Coach der Beckenschwimmer die Anklage verschwiegen hatte. „Wenn wir es gewusst hätten, hätten wir ihn nicht mitgenommen“, stellte Vesper klar: „Wir hätten uns gewünscht, dass er es uns vorher mitgeteilt hätte.“ Fornoff betonte, weder vom Verein noch vom Landesverband Informationen bekommen zu haben: „Die Sache hätte doch schon länger bekannt sein müssen. Das wundert mich.“ Auch der damalige Verein des Angeklagten in Kiel wusste auf Nachfrage weder von den Anschuldigungen noch von dem Verfahren.

Der DSV versuchte am Wochenende vergeblich, Kontakt zu seinem Trainer aufzunehmen. Er war mit seinen Kollegen aus dem Beckenteam bereits vor einer Woche aus London abgereist. „Wir haben noch nicht mit ihm gesprochen“, sagte Buschkow: „Er hat Urlaub, ich weiß nicht, wo er sich befindet.“

Laut Anklage nutzte der Mann das Betreuungsverhältnis als Trainer aus, um die junge Sportlerin zum Sex zu bewegen. Zu physischer Gewalt kam es laut Staatsanwaltschaft nicht. Anzeige wurde erst im August 2009 erstattet, die Staatsanwaltschaft Kiel erhob im September 2011 Anklage. Die Betroffene tritt als Nebenklägerin auf.

Die Nachricht von dem bevorstehenden Prozess überschattete das letzte Wochenende der ohnehin wenig erfreulichen Olympischen Spiele für den DSV. Nach dem Untergang der Beckenschwimmer, die erstmals seit 80 Jahren ohne Olympia-Medaille geblieben waren, gingen auch die Wasserspringer leer aus. Der WM-Dritte Sascha Klein enttäuschte zum Abschluss als Zehnter vom Turm und konnte die erste Nullnummer seit 1988 auch nicht verhindern.

„Das passt zu diesen Olympischen Spielen. Wir haben nicht das Quäntchen Glück gehabt“, bilanzierte Buschkow. Einzig die Freiwasserschwimmer um Rekordweltmeister Thomas Lurz, der am Freitag im Hyde Park Silber statt des angestrebten Goldes geholt hatte, waren „voll im Limit“, so Buschkow: „Sie haben ihren Auftrag erfüllt.“

SID tl ab

Rubriklistenbild: © dpa

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