Eisschnelllauf

Wirbel nach Pechstein-Attacke auf Teamkollegin

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Die Fronten zwischen Claudia Pechstein (r.) und Stephani e Beckert (M.) sind verhärtet.

Heerenveen/Köln - Claudia Pechstein hat mit ihrer verbalen Attacke gegen Stephanie Beckert für Unmut im deutschen Lager gesorgt. Dafür musste die 41-Jährige teils heftige Kritik einstecken.

„Mobbing“, „Narrenfreiheit“, und „Verstoß gegen den Fairplay-Gedanken“: Die Verbalattacke von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat im Lager ihrer Kontrahentin Stephanie Beckert für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Das Management der Erfurter Team-Olympiasiegerin Beckert forderte die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) auf, sich vor die Athletin zu stellen. Andernfalls werde Beckert keine Rennen mehr im Team bestreiten.

„Der Verband hat Stephanie vor den Attacken von Claudia Pechstein zu schützen. Er hat eine Fürsorgepflicht. Was Pechstein macht, ist Mobbing“, sagte Klaus Kärcher, der Beckert mit seiner Agentur berät: „Der Verband schützt Beckert, oder Beckert zieht die Konsequenz und startet nicht mehr im Team.“

Es sei auch nicht das erste Mal, dass Pechstein Beckert angreife. „In ihrem Buch hat sie das ebenfalls getan. Auch damals gab es keine Konsequenzen durch den Verband. Pechstein hat bei der DESG Narrenfreiheit“, sagte Kärcher. Auch Jochen Habermeier, der zu Beckerts Beraterteam zählt, fordete „Sanktionen“.

Vorwurf der "Arbeitsverweigerung"

Die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein hatte Beckert nach dem schwachen Rennen in der Teamverfolgung am Freitag beim Weltcup-Finale in Heerenveen via Facebook „Arbeitsverweigerung“ vorgeworfen und eine Entschuldigung gefordert. Sie wolle in einem Team laufen, in dem Erfolg, Ruhm und Ehre Ziele seien und nicht nur das Einstecken von Antrittsprämien zum wichtigsten Aspekt werde, schrieb Pechstein.

Beim Management von Pechstein zeigte man sich verwundert über die Reaktionen aus dem Beckert-Lager. „Claudia hat eine indiskutable sportliche Leistung analysiert. Das ist ihr gutes Recht. Dass jetzt ausgerechnet das Management, das auch Anni Friesinger vertritt, persönliche Attacken gegen Claudia reitet, überrascht nicht“, sagte Ralf Grengel, der die Vorwürfe Kärchers entschieden zurückwies: „Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, über Narrenfreiheit zu sprechen, wenn es die eigene Klientin ist, die ein Teamtraining nach dem anderen platzen lässt.“

Langstrecken-Spezialistin Beckert, als schwache Starterin bekannt, hatte ihren Mannschaftskolleginnen über eine Runde lang hinterherlaufen müssen. In 3:09,47 Minuten landete das Trio mit neun Sekunden Rückstand auf die siegreichen Niederländerinnen abgeschlagen auf dem vierten Rang.

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Für ihre öffentliche Schelte hatte Pechstein bei Teilen des deutschen Teams Unverständnis geerntet. Sprint-Bundestrainer Thomas Schubert sagte: „Ich bin froh, nicht Bundestrainer Mehrkampf zu sein. Da muss mal Tacheles geredet werden.“ Auch weitere deutsche Athleten zeigten sich verwundert. „Es ist nicht geschickt, so etwas auf Facebook zu setzen. Aber das müssen Claudia und Stephanie selbst untereinander klären“, sagte Monique Angermüller, die von Pechstein als Beckert-Ersatz ins Spiel gebracht worden war: „Ich glaube nicht, dass jemand in unseren Leistungsregionen so etwas macht. Keiner treibt solche Spielchen.“

Beckert selbst reagierte zumindest äußerlich gelassen. Sie könne sich nichts vorwerfen: „Wenn ich an den Start gehe, gebe ich alles“, sagte die 24-Jährige. Ihr Erfurter Heimtrainer Stephan Gneupel legte sich ein Sprechverbot auf. „Bevor ich meine Meinung sage, muss sich die DESG positionieren. Da sind der Vorstand und der Sportdirektor gefragt. Es geht hier ums Team und nicht um eine Einzelleistung“, sagte Gneupel.

Dass Pechstein Sanktionen seitens des Verbandes befürchten muss, ist unwahrscheinlich. „Die DESG hat beide Läuferinnen nötig“, sagte DESG-Sportdirektor Günter Schumacher. Am Sonntagabend werde er noch mit Präsident Gerd Heinze sprechen, man müsse die Fakten noch zusammentragen.

Für klare Verhältnisse auf dem Eis hatte Pechstein am Samstag gesorgt. Im 3000-m-Rennen verpasste die 41 Jahre alte Berlinerin zwar als Vierte das Podest knapp, war in 4:05,82 Minuten jedoch deutlich schneller als Beckert. Die Erfurterin lief in 4:09,92 Minuten lediglich auf Rang zwölf.

sid

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