Nach Geschlechtsangleichung

Wie geht es Balian Buschbaum heute?

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Balian Buschbaum, hier auf einem Foto aus dem Februar 2013

Mainz - Mit seinem Bekenntnis zur Transsexualität wurde Balian Buschbaum fast bekannter als mit seinen sportlichen Erfolgen. Wie geht es ihm jetzt, fünf Jahre nach den großen Schlagzeilen?

Die Frage, wie es ihm geht, erübrigt sich. Balian Buschbaums blaue Augen strahlen aus einem Gesicht mit Bartstoppeln, neugierig, offen, freundlich. Vor fünf Jahren schrieb er, damals für alle noch eine Sie, bundesweit Schlagzeilen mit dem öffentlichen Bekenntnis, dass er sich einer Geschlechtsangleichung unterziehen werde. Aus Yvonne Buschbaum, der Weltklasse-Stabhochspringerin, wurde nach Hormonbehandlungen und einer komplizierten Operation Balian Buschbaum. Heute sagt der 42-Jährige im dpa-Interview: „Das ist mein Leben. Endlich. Ich fühle mich frei. Die Startbahn ist offen, frei zum Fliegen.“

Über seine Transsexualität, über sein Leben mit falschen Geschlechtsmerkmalen und seinen Sport hatte Buschbaum eine Biografie veröffentlicht: „Blaue Augen bleiben blau.“ Das Schreiben ist seine Leidenschaft geblieben. „Da kommt die Seele zur Ruhe.“ Viele Nächte der vergangenen eineinhalb Jahre saß er vor seinem Computer. Die Idee zu seinem neuen Buch „Frauen wollen reden, Männer Sex“, das an diesem Donnerstag im Fischer-Verlag erscheint, entstand bei Lesungen. Da löcherten ihn die Zuhörer mit Fragen nicht nur nach seiner Lebensgeschichte, sondern vor allem: Wie ist das mit den Frauen und Männern?

Wer kennt schon besser die Irrtümer, die Missverständnisse, die Vorurteile und vor allem die Wahrheit als jemand wie Buschbaum, der heute als attraktiver Kerl in lässiger Jeans und Lederjacke daherkommt? „Trotz meiner unglücklichen Lage hatte ich dadurch die einzigartige Möglichkeit, achtundzwanzig Jahre lang in die Welt der Frauen einzutauchen und herauszufinden, was diese Geschöpfe wirklich bewegt.“ Das Buch hätte auch „Mann-Frau-Mensch“ heißen können, sagt Buschbaum. „Denn ich wollte weg von den Klischees.“ Aber: Sex sells.

Wollen Frauen nun wirklich nur reden und Männer Sex? Entgegen aller Klischees reden Frauen über den Tag verteilt nicht mehr als Männer, nämlich durchschnittlich 16 000 Wörter, so Buschbaums auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützte Erklärung. Aber das Sexualzentrum des Mannes im Gehirn sei eben zweieinhalb Mal größer als das einer Frau. „Ich persönlich kann diese Aussagen aus eigener Erfahrung beipflichten. Ich denke jedenfalls häufiger an Sex als an Essen.“

Warum gehen Frauen immer gemeinsam auf die Toilette? Warum hören Männer nie richtig zu? Verstehen Frauen ihre Männer besser als umgekehrt? Buschbaum hat die Auseinandersetzung mit den beiden Geschlechtern in viele kleine Kapitel zerlegt. Humorvoll schreibt er, aber ohne Häme, mit wissenschaftlichem und psychologischem Fundus, mit vielen eigenen Erlebnissen. Die größte Motivation sei es, den ganzen Menschen kennenzulernen.

Buschbaum hat viel Herzblut in das 250-Seiten-Werk gesteckt, und die Arbeit daran hat ihm Mut gemacht, seinen Weg weiterzugehen. „Mein Leben war immer mit Sport verbunden, sagt er. Jetzt ist er bereit, auch hier loszulassen. Buschbaum war 2000 Olympia-Sechste im Stabhochspringen und zweimal EM-Dritte, zuletzt arbeitete er als Stützpunkttrainer in Mainz. Wegen „Diskrepanzen“ mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband hat er diese Arbeit mit der jetzigen Hallen-Saison beendet. „Zu eng, zu wenig Freiheit, zu sehr in einem Konstrukt gefangen“ fühlte er sich.

Buschbaum leistet Aufklärungsarbeit zum Beispiel in Schulen, hält Vorträge, bietet Coaching und Beratung in Privat- und Berufsleben an, organisiert Reisen in Wüsten. Er macht im April bei der neuen RTL-Staffel von „Let's dance“ mit, dabei hatte er wegen des vielen Leichtathletik-Trainings einst nie Zeit für einen Tanzkurs. Und vor allem lebt Balian Buschbaum sein Leben. Körperlich fühlt er sich blendend. „Ich bin gesünder als jeder andere Mensch.“ Seine kräftigen Oberarme zeugen von regelmäßigem Sport. „2013 gehört mir“, sagt er und mit einem Lächeln. „Zeit für mich.“

dpa

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