Irres Medaillen-Ziel veröffentlicht

Deutschland wollte 28 Mal (!) Gold

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Robert Harting hat wie erhofft Gold geholt. Vielen ist die Mission misslungen

London - Das deutsche Team hat sein Medaillenziel bei den Olympischen Spielen deutlich verfehlt. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist demnach eklatant.

Das deutsche Olympiateam hat sein intern formuliertes Medaillenziel in London deutlich verfehlt. Das geht aus der Zielvereinbarung zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Fachverbänden hervor, die wiederum das Bundesinnenministerium als eine Grundlage für die Vergabe von Fördergeldern nutzt.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Demnach waren bei der im Herbst 2008 getroffenen Vereinbarung für London 86 Medaillen angestrebt worden, davon 28 goldene. Nach 241 der 302 Entscheidungen kam das deutsche Team nur auf 38 Medaillen (10 Gold, 17 Silber, 11 Bronze).

Zahlreiche Zielvereinbarungen sind demnach zu optimistisch formuliert worden. So wurde unter anderem mit einer Goldmedaille im Handball spekuliert, die Schwimmer sollten acht Medaillen holen. Die Realität sieht anders aus: Kein Handball-Team qualifizierte sich für London, die Schwimmer holten am Samstag durch Thomas Lurz über 10 km im Freiwasser ihre erste Medaille (Silber).

Das für den Sport zuständige Bundesministerium hatte in Absprache mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wenige Minuten vor Ablauf einer gerichtlichen Frist (Freitag, 15.00 Uhr) die bisher geheim gehaltenen Zielvereinbarungen veröffentlicht.

In der vergangenen Woche hatte das Verwaltungsgericht Berlin einer Klage eines WAZ-Journalisten stattgegeben und anschließend dem BMI ein Zwangsgeld in Höhe von 10.000 Euro angedroht, falls es nicht bis Freitagnachmittag seiner Verpflichtung zur Auskunft nachkomme.

Auch Medaillen-Ziel in Vancouver verfehlt

Die deutschen Sportler haben auch bei den Winterspielen 2010 das vorgegebene Olympia-Medaillenziel verfehlt. Demnach hätten die Athleten vor zwei Jahren 40 Medaillen gewinnen müssen, 14 davon sollten goldene sein. Bei den Wettkämpfen in Vancouver und Whistler gewannen deutsche Sportler 30 Medaillen. 10 Mal wurde nach einem Olympiasieg die deutsche Hymne gespielt. Für die Spiele in Sotschi 2014 sind ebenfalls 40 Medaillen das Ziel - dann soll es aber sogar 17 Goldmedaillen geben.

2010 konnte keiner der Fachverbände seine teilweise ehrgeizigen Ziele erfüllen. Im Skisport wurde die Goldvorgabe mit sechs Siegen erreicht, nicht aber die Gesamtzahl an Medaillen (15:18). Beim Bob- und Schlittenverband wurde die Medaillensumme (10:9) übertroffen, allerdings gab es nur drei statt der angestrebten vier Olympiasege. Curling, Eishockey, Eisschnelllauf, Eislauf und Snowboard blieben teilweise deutlich hinter den gesteckten Zielen zurück.

Deutschland landete mit seiner Bilanz (10 Gold, 13 Silber und 7 Bronze) im Medaillenspiegel auf Platz zwei hinter Gastgeber Kanada (14/7/5) und vor den USA (9/15/13) und büßte damit seinen Spitzenrang von Turin 2006 (11/12/6 - Summe 29) ein.

dpa / sid

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