"Ich habe starke Schmerzen"

So geht es Steiner nach dem Nackenschlag

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Matthias Steiner lag nach dem 196-Kilogramm-Nackenschlag am Boden

London - Nach dem spektakulären Unfall mit der 196-Kilo-Hantel plagen Deutschlands Super-Gewichtheber Matthias Steiner "starke Schmerzen". Dennoch gibt es eine positive Nachricht.

Der Schock war nach einer schlaflosen Nacht im Krankenhaus des Olympischen Dorfes noch nicht verarbeitet, da gab Gewichtheber Matthias Steiner am Mittwochmorgen erste Entwarnung. „Ich habe starke Schmerzen. Aber es ist nichts Schlimmeres passiert. Bei mir und meiner Familie überwiegt die Erleichterung“, sagte Steiner dem.

196 kg in den Nacken: Steiners Unfall in Bildern

196 kg in den Nacken: Steiners Unfall in Bildern

Eine 196 kg schwere Hantel war dem Goldmedaillengewinner von Peking im olympischen Finale des Superschwergewichts am Dienstag in den Nacken gefallen, Steiner blieb zunächst regungslos unter der enormen Last liegen, schien ernsthaft verletzt zu sein. Doch der Chemnitzer hatte Glück im Unglück.

Steiner erlitt zwar neben einer Bandverletzung an der Halswirbelsäule auch eine Prellung des Brustbeins und eine Muskelzerrung im Bereich der Brustwirbelsäule, muss jedoch keine bleibenden Schäden befürchten und nicht operiert werden. Knöcherne Verletzungen und unmittelbare Schäden am Rückenmark wurden ausgeschlossen. „Ich war froh, dass ich schnell gemerkt habe, dass ich meine Beine bewegen kann. Es hat aber richtig weh getan“, sagte Steiner in der ARD.

Für die Karriere des 29-Jährigen könnte das Malheur fatale Auswirkungen haben, doch das war Steiner am Tag nach dem Unfall nicht so wichtig. „Das Sportliche rückt für den Moment in den Hintergrund“, sagte Steiner, dessen Ehefrau Inge vor Ort Augenzeugin der dramatischen Ereignisse war. Monatelang hatte sich der gebürtige Österreicher nach einem Einriss der Quadrizeps-Sehne am linken Knie zurück zu alter Stärke gekämpft, sich gegen das vorzeitige Ende seiner Laufbahn gestemmt. Steiner war in der Form von Peking, hätte ohne den schmerzhaften zweiten Fehlversuch im Reißen wohl um eine Medaille, vielleicht sogar um Gold gehoben.

Ob er nach dem jüngsten körperlichen und mentalen Rückschlag aber die Kraft findet, sich nochmals in der Reha zu quälen, in die Weltspitze zurückzukehren und bis zu den Spielen in Rio durchzuhalten, ist zumindest fraglich. Er fühle sich wieder fit und eigentlich noch nicht alt genug, um ans Aufhören zu denken, hatte Steiner kurz vor dem Wettkampf gesagt. Diese Frage wird er nun neu erörtern müssen. „Ich werde jetzt erstmal alles sacken lassen“, sagte Steiner.

„An Training ist erstmal nicht zu denken. Das tun wir nur, wenn wir Grünes Licht von den Ärzten haben. Alles weitere ist Spekulation“, sagte Bundestrainer Frank Mantek, der die Pechsträhne Steiners mit einem Kopfschütteln quittierte: „Ich bin seit über 35 Jahren im Gewichtheben. Sowas wie bei Matthias habe ich noch nie erlebt.“

Mantek war die Betroffenheit auch am Tag danach anzumerken. Der Coach, der Steiner auch bei seinem Gold-Märchen in Peking betreut hatte, sprach ruhig und mit ernster Stimme: „Das Wichtigste ist, dass der Kerl gesund ist. Das steht an erster Stelle. In den ersten Schrecksekunden musste man mit allem rechnen. Wir sind haarscharf an einer schlimmeren Geschichte vorbeigeschrammt.“

Zumindest den Plan für die kommenden Wochen hat Steiner genau im Kopf. Nach der intensiven Trainingsphase der letzten Monate wird er die kommenden Wochen bei seiner Familie verbringen. „Auch sie haben wahnsinnig viel investiert. Ich werde mir erst mal Zeit für sie nehmen“, sagte Steiner, der dabei regelrecht ins Schwärmen geriet: „Mein Sohn nimmt daheim schon Besenstiele in die Hand und stemmt sie wie ein Gewichtheber in die Höhe. Das ist ein sehr schönes Gefühl.“

sid

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