Nguyen verteidigt EM-Gold am Barren

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Marcel Nguyen mit der EM-Goldmedaille.

Montpellier - Marcel Nguyen hat seine Klasse am Barren unter Beweis gestellt und damit die deutsche Bilanz bei der EM in Montpellier gerettet. Der sonstige Leistungsträger Philipp Boy stürzte gleich zweimal.

Als das Resultat auf der Anzeigetafel erschien, stieß Marcel Nguyen die Faust in die Luft und strahlte über das ganze Gesicht. “Das war wahrscheinlich die beste Übung, die ich je geturnt habe“, meinte der Unterhachinger nach seiner Glanzleistung, mit der er die deutsche Bilanz bei den Turn-Europameisterschaften in Montpellier kräftig aufpoliert hatte. “Ich war gut vorbereitet, der Titel war der Lohn dafür.“

Der 24-Jährige zeigte am Sonntag seine schwierige Übung mit Ausgangswert 6,8 in nahezu perfekter Ausführung und durfte sich zurecht über die Höchstnote von 15,766 Punkten freuen. Es war der insgesamt dritte EM-Titel für den Sportsoldaten, nachdem er im Vorjahr in Berlin gleichfalls an seinem Spezialgerät und 2010 den Titel mit dem deutschen Team gewonnen hatte.

“Im Vorfeld war ich ein bisschen nervös. Aber dann ist die Übung durchgelaufen wie nie zuvor“, meinte der glückliche Sieger. Im zweiten EM-Ringe-Finale seiner Karriere kam Nguyen zudem mit 15,00 Punkten auf den sechsten Platz.

Seinem Teamgefährten Philipp Boy war nach erneut verpatzter Reck-Übung hingegen der Ärger ins Gesicht geschrieben. Minutenlang wollte er erst mal ganz allein sein. Nach zwei Abstürzen kam der Vize-Weltmeister im Mehrkampf nicht über den achten und letzten Platz hinaus. “Ich habe so viel Frust in mir: Jetzt gibt es definitiv keinen Urlaub mehr. Ich trainiere die Übung so lange, dass bei Olympia nichts mehr schief gehen kann“, meinte er, nachdem sich das Risiko mit dem derzeit unsicheren Pineda-Flieger - dem Doppelsalto gestreckt mit ganzer Drehung - nicht ausgezahlt hatte.

Besser präsentierte sich Eugen Spiridonov, der einen Tag nach seinem Dreifach-Patzer im Team-Finale ordentlich durchturnte und beim Sieg des Russen Emin Garibow auf Rang vier landete. Matthias Fahrig verfehlte trotz guter Leistung die Medaille am Sprung ebenso knapp und kam mit 15,849 Punkten auf den fünften Platz. “Es war wichtig für mich, dass ich meinen schweren Sprung hier unter Wettkampfbedingungen vorstelle. Ich war sehr aufgeregt, daher bin ich froh, dass ich ihn so präsentieren konnte“, meinte Fahrig.

Sebastian Krimmer aus Stuttgart stürzte hingegen vom Barren und kam nach einer unbefriedigenden EM nicht über Rang acht hinaus. Seine Klasse am Pauschenpferd unterstrich indes einmal mehr der Ungar Krisztian Berki, der sich zum sechsten Mal seit 2005 den höchsten EM-Podestplatz an seinem Spezialgerät sicherte.

“Natürlich freue ich mich riesig über die Leistung von Marcel. Für andere aber werden es harte 60 Arbeitstage bis Olympia“, meinte DTB-Präsident Rainer Brechtken. Tags zuvor hatten die deutschen Turner mit Platz sechs im Team-Finale einen schweren Rückschlag auf dem Weg zu den Olympischen Spielen hinnehmen müssen. Den Titel hatten sich erstmals die Briten gesichert, die noch im Oktober bei der WM in Tokio die direkte Olympia-Qualifikation verpasst hatten und sich erst über Umwege für das Heimspiel in London qualifizierten.

dpa

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