Mann läuft 500 Marathons in 500 Tagen

Barcelona - Am 1. Oktober 2010 lief Ricardo Abad einen Marathon. Am 2. Oktober auch. Jeden Tag, Heiligabend, Ostern, an seinem Geburtstag. Insgesamt 500 in Serie.

21 Millionen Schritte, und die letzten sind die leichtesten. Ricardo Abad sieht ein wenig ausgezehrt aus - wer kann es ihm verdenken? Dennoch federt er ins Ziel, die Zeigefinger weisen in den Himmel über Barcelona: 3:46 Stunden. Eine respektable Zeit für einen Marathon. Eine unglaubliche Zeit! Denn Ricardo Abad ist nicht nur am Sonntag 42,195 Kilometer gelaufen. Sondern bereits am Samstag. Und am Freitag. Am Donnerstag. Und an den 496 Tagen (!!! ) zuvor.

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Füße des Spaniers aussehen. 21.097,5 km, einmal um die halbe Welt ist er gelaufen, 25 Paar Schuhe hat er dabei verschlissen, bevor er - beflügelt, aber doch etwas unrund - durchs Ziel läuft. Und steht. „Mir fehlen die Worte. Das ist ein bewegender Moment, den ich niemals vergessen werde“, sagt der 41-Jährige, bedankt sich überschwänglich bei seinen Helfern für die „große Zuneigung“ und fügt an: „Es gab einige Krisen und Tage, an denen es mir sehr schlecht ging. Aber ich habe es geschafft!“

Pamplona in Navarra, Oviedo in Asturien, Santander in Kantabrien. Die Hauptstädte aller 50 spanischen Provinzen hat der Extremsportler besucht, den nächsten Marathon laufen, das war für Ricardo Abad Martinez schon nach 50 Tagen wie Brötchen holen oder das morgendliche Zähneputzen. Es gibt Bilder, wie er im Eisregen verzweifelt in seine Handschuhe pustet, um die Finger zu wärmen, auch, wie er bei brütender Hitze eine dampfende Schweißspur auf einer endlosen Straße hinterlässt. 500 Marathons, einen an jedem Tag, egal, ob erkältet, lustlos, mit Zahnschmerzen, an seinem 40. oder 41. Geburtstag.

Zweifler gab es reichlich. Das hat Abad angetrieben. „Ich wollte ihnen beweisen, dass ich alle Hindernisse überwinden kann“, sagt er am Sonntag im Olympiahafen von Barcelona. Er lief für seine Tochter Ainhoa, für seine Frau Ivana; demnächst wird er im berühmten „Guinness Buch der Rekorde“ stehen. Der alte Rekordhalter, der Belgier Stefaan Engels, hat es auf vergleichsweise sehr beschauliche 365 Marathons in Serie gebracht. Er klaute den Rekord Abad (150 im Jahr 2009).

Der revanchierte sich nun in mehr als 2000 Stunden, sein Durchschnitt lag bei 4,5 Stunden. Es genüge nicht, sich „bloß körperlich“ für diese Tortur zu wappnen, sagte er fröhlich, viel wichtiger sei der Kopf. Sein Kampf gegen den kleinen Teufel, der in süßen Worten einflüstert, wie paradiesisch es nur wäre, aufzugeben. Täglich grüßt der Marathon, manchmal mit seiner hässlichen Fratze! „Du musst mental davon überzeugt sein, das Richtige zu tun“, sagt Ricardo Abad Martinez. Das fällt leichter, wenn man, wie er, bereits in 30 Tagen Australien durchquert hat. 5500 km, auf dem Rad. Oder mal 194,5 km in 24 Stunden gelaufen ist.

Es ist aber keineswegs so, als würde Abad alles gelingen. Jeden einzelnen der 21.097 Kilometer wollte er sich mit je einem Euro sponsern lassen. Er kam auf rund 60 Cent, insgesamt 12.600 Euro. Diese spendete er einer Stiftung, die sich um geistig zurückgebliebene Kinder kümmert. Soll bloß niemand glauben, 500 Marathons in 500 Tagen wären ein sinnloses Unterfangen.

SID

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