Staatsanwalt: "Sehr starker Verdacht"

Manipulation? Karabatic schwer belastet

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Nikola Karabatic gilt als einer der weltbesten Handballer. Er steht unter Manipulationsverdacht.

Paris/Hamburg - Der Manipulationsskandal um den früheren Welthandballer Nikola Karabatic schlägt immer höhere Wellen. Die Staatsanwaltschaft belastet den Star schwer.

Nach einer Nacht im Gefängnis steht das Denkmal Nikola Karabatic vor dem Einsturz: Der Manipulationsskandal um den früheren Welthandballer und seinen Klub Montpellier HB wird keine zwei Monate nach dem Olympiasieg von London immer mehr zur Zerreißprobe für den französischen Handball. Dem Teilgeständnis von Karabatic folgten schwere Anschuldigungen der Ermittler.

Laut ersten Recherchen der Staatsanwaltschaft gibt es „einen sehr starken Verdacht, dass bei diesem grenzwertigen Spiel die sportliche Ethik nicht respektiert wurde“, sagte Brice Robin, Oberstaatsanwalt von Montpellier, am Montagnachmittag. Robin spricht von sehr engen Verbindungen zwischen Spielern und Wettern. „Kann man ein Spiel normal spielen, wenn man persönlich so viel Geld auf die Niederlage des eigenen Vereins gesetzt hat?“, fragte Robin. Stimmen diese Vermutungen, wäre nicht nur die sportliche Ethik in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch der Tatbestand der Korruption erfüllt.

„Die Spieler haben zwar gewettet, aber nicht betrogen“, sagte Karabatics Verteidiger Eric Dupond-Moretti dem französischen Sender Radio RTL. Zuvor waren sein Mandant und vier weitere Spieler am Sonntagabend direkt nach der Partie des amtierenden Meisters Montpellier bei Paris Saint-Germain (24:32) aus der Kabine geholt und in Polizeiautos mit Sirenen zum Verhör in den Pariser Vorort Nanterre gebracht worden. Insgesamt wurden in diesem Zusammenhang 17 Personen von der Polizei festgenommen.

Den Spielern - darunter auch Karabatics Bruder Luka - wird vorgeworfen, am 12. Mai im Auswärtsspiel beim abstiegsgefährdeten Klub Cesson Rennes mit Wetten auf einen Halbzeitrückstand viel Geld kassiert zu haben. Statt eines durchschnittlichen Einsatzes von 5000 Euro sollen an jenem Tag insgesamt 80.000 Euro auf das Spiel gesetzt und damit Gewinne von rund 200.000 Euro gemacht worden sein. Der Ex-Kieler Karabatic, der ebenso wie sein mitbeschuldigter früherer Teamkollege Samuel Honrubia bei besagtem Spiel verletzungsbedingt gefehlt hatte, soll dabei 1500 Euro durch seine Freundin eingesetzt haben.

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„Sie haben gewettet, das ist ein sportlicher Regelverstoß, aber keine Straftat. Damit die Justiz intervenieren kann, bedarf es eines manipulierten Spiels, ansonsten kann sie nicht eingreifen“, sagte Dupond-Moretti: „Es ist Sache der Staatsanwaltschaft, zu beweisen, dass das Spiel manipuliert wurde. Die Spieler bestreiten auf das heftigste, das Spiel verschoben zu haben. Sie sind keine Betrüger, das Match ist nicht manipuliert worden.“

Vereinspräsident Remy Levy kündigte auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag drastische Konsequenzen an. „Wenn sich die Vorwürfe erhärten sollten, brauchen wir eine exemplarische Strafe“, sagte Levy und bezeichnete den Klub als Opfer. Auch Montpelliers Trainer Patrice Canayer reagierte geschockt auf die Vorwürfe. „Seit einigen Tagen graut mir vor jeder neuen Stunde. Ich fürchte mich auch vor den kommenden Stunden, vor morgen, übermorgen und den dann folgenden Tagen“, sagte Canayer.

Joel Deplanque, Präsident des nationalen Verbandes FFHB, sieht derweil den Ruf der gesamten Sportart in Gefahr: „Das ist eine harte Probe für die Spieler, den Verein und den gesamten Handball. Es ist eine sehr ernste Angelegenheit, wir müssen sehr schnell die Wahrheit herausfinden.“

Auch die deutsche Handball-Szene ist ob der Meldungen aus Frankreich konsterniert. „Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass solche hochkarätigen Profis so etwas machen. Aber die Sache muss man natürlich klären“, sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan dem SID, und Ex-Weltmeister Christian Schwarzer ergänzte: „Im Moment sind es ja nur Gerüchte, aber wenn ein Spieler wie Nikola Karabatic involviert sein sollte, wäre das schon arg bedenklich.“

Sollten sich die Vorwürfe der Spielabsprachen erhärten, drohen Karabatic und Co. wegen „sportlichen Betrugs und Korruption“ bis zu fünf Jahre Gefängnis und 75.000 Euro Geldstrafe. Handelt es sich „nur“ um Fehlverhalten im Sport, könnten die Beschuldigten mit sechs Spielen Sperre und einer Geldstrafe von 15.000 Euro davonkommen.

SID

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