Nach Halbfinal-Einzug

Lisicki jetzt auch Wettfavoritin in Wimbledon

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Sabine Lisicki ist jetzt auch Wettfavoritin in Wimbledon.

London - Die deutsche Tennishoffnung Sabine Lisicki ist für den Sportwettenanbieter bwin inzwischen die klare Favoritin auf den Wimbledonsieg.

Vor ihrem Halbfinale gegen Agnieszka Radwanska aus Polen wird die Weltranglisten-24. mit einer Quote von 2:1 geführt, deutlich niedriger als ihre Kontrahentin (3,6:1). Zudem wertet bwin das Duell als vorgezogenes Finale: Marion Bartoli (Italien/4,75:1) und Kirsten Flipkens (Belgien/7,25:1), die das zweite Halbfinale auf dem „heiligen Rasen“ bestreiten, sind von der Quote her Außenseiter. Wer darauf wettet, dass die Siegerin des Spiels Lisicki/Radwanska das Turnier gewinnt, erhält dementsprechend nur 1,34 Euro für einen Euro Einsatz.

Plötzlich ist Sabine Lisicki bei den englischen Buchmachern die Favoritin auf den Titel, in den Zeitungen verdrängt sie mit ganzseitigen Fotos sogar den lokalen Helden Andy Murray in die Randspalten. Die Experten der BBC rühmen ihre Nerven und ihre Aufschläge, die Fans lieben ihr Dauerlächeln. Die Berlinerin lebt in diesen verrückten Tennistagen 2013 ihren ganz persönlichen Wimbledon-Traum - und die wundersame Reise über die Rasenplätze im Südwesten Londons soll erst am Samstagnachmittag zu Ende gehen.

„Ich glaube, sie hat eine gute Chance, ins Endspiel einzuziehen“, schrieb Steffi Graf nach dem Halbfinal-Einzug der 23 Jahre alten Berlinerin auf Facebook. Aus der Ferne verfolgt die bislang letzte deutsche Wimbledon-Siegerin das turbulente Geschehen im All England Lawn Tennis Club. Natürlich fällt nun ständig der berühmteste Name in der Geschichte des deutschen Damen-Tennis. Natürlich muss auch Sabine Lisicki Fragen beantworten wie zuletzt die eines englischen Journalisten: Ob sie die Tatsache, dass nun ständig an Steffi Graf erinnert werde, beflügle oder doch eher emotionale Last sei.

„Weder noch“, sagte Lisicki, lächelte und meinte: „Ich schaue auf mich. Ich möchte alles geben, nur darum kümmere ich mich.“ Das gelang der letzten im Feld verbliebenen deutschen Spielerin bislang so imponierend, dass sie spätestens seit ihrem Sieg gegen die bis dato übermächtige Serena Williams von der kessen Außenseiterin zur ernsthaften Anwärterin auf den Siegerpokal aufstieg.

„Klar wird es jetzt gegen Radwanska sehr schwer werden. Aber alles ist möglich. Ich wäre nicht erstaunt, wenn Sabine am Ende die Trophäe hochhalten würde“, sagte ihr Trainer Wim Fissette nach Lisickis Viertelfinal-Sieg dem „Tennismagazin“ (Online).

„Die lächelnde Killerin hat wieder zugeschlagen“, schrieb am Mittwoch der „Independent“, die „Daily Mail“ konstatierte trocken: „Lisicki wieder einen Schritt näher am Slam. Sie ist jetzt Favoritin von Buchmachern und Fans auf ihren ersten Grand-Slam-Sieg.“

Vor zwei Jahren stand Lisicki schon einmal in der Runde der besten Vier bei ihrem Lieblingsturnier. Damals unterlag sie der Russin Maria Scharapowa. Die Engländer tauften sie in Anlehnung an einen Heroen der Vergangenheit „Bum Bum Bine“. Jetzt sagt sie: „Ich fühle mich besser als vor zwei Jahren. Aber es ist wichtig, nicht so weit vorauszuschauen. Mal schauen, was noch möglich ist.“

Gut möglich, dass diese Sabine Lisicki also die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999 in Wimbledon im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers wird. Wenn sie an diesem Donnerstag die nächste Prüfung auf dem Centre Court besteht. Die Polin Agnieszka Radwanska stand vor einem Jahr hier im Endspiel, ist die Nummer vier der Welt und derzeit auf dem grünen Spielbelag so stark wie Lisicki. Die beiden kennen sich von gemeinsamen Juniorinnenturnieren in Polen.

„Sie ist ein schlauer Fuchs“, schrieb Trainer-Legende Nick Bollettieri in seiner Kolumne für den „Independent“. Doch auch er traut seiner früheren Schülerin Lisicki einen weiteren Sturz einer höher gesetzten Spielerin zu. „Das Selbstvertrauen aus dem Sieg gegen Serena wird sie weiter beflügeln“, glaubt Bollettieri.

Ob es wirklich zur Krönung auf dem Heiligen Rasen reicht? Als erste deutsche Wimbledon-Championesse seit 1996? Als erste deutsche Siegerin bei einem der vier großen Turniere, seit Steffi Graf 1999 bei den French Open triumphierte? „Sie kann unglaublich gut Tennis spielen. Und in Wimbledon weiß sie, dass sie alle schlagen kann“, sagte Lisicks Coach Fissette. Er hat als Trainer schon einmal eine Spielerin zu Grand-Slam-Weihen geführt: Kim Clijsters.

dpa/sid

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