Deutsche abgeschlagen

Ligety ist Super-G-Weltmeister

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Ted Ligety hat den Super-G in Schladming gewonnen.

Schladming - Ted Ligety hat etwas überraschend den Super-G bei den 42. alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Schladming gewonnen. Die deutschen Fahrer hatten mit den Medaillen nichts zu tun.

Als Ted Ligety am Fuße der „Planai“ abschwang, ging ein Aufschrei des Erstaunens durch den mit 24.000 Fans besetzten Zielraum. Stark war er gefahren, der Amerikaner, das wusste das fachkundige Publikum. Ligety aber hatte die Startnummer 10, all die Favoriten standen ja noch oben. Das war auch Ligety klar, und so stand der 28-Jährige in der „Leader“s box„ und wartete, und wartete. Doch als die Favoriten alle unten waren, stand Ligety immer noch da - und war plötzlich Super-G-Weltmeister.

`Es war sehr nervenaufreibend, Top-Leute wie Aksel Lund Svindal runterfahren zu sehen“, sagte Ligety über seine Gefühle, die er hinter einer großen Sonnenbrille zu verbergen versuchte. „Aber ich wusste, dass ich auf diesem Berg für eine Medaille gut bin. Dass es Gold werden würde - wow, das ist ziemlich cool, fast unglaublich.“

Silber, und das war eine fast noch größere Überraschung, ging an den adligen Franzosen Gauthier De Tessieres (0,20 Sekunden zurück), der als Ersatz für seinen verletzten Teamkollegen Johan Clarey antrat und praktisch ohne Training angereist war. Für Svindal (0, 22), Olympiasieger und Top-Favorit aus Norwegen, blieb immerhin noch Bronze. Zu den Geschlagenen gehörten die Ski-Nation Österreich, die auch im zweiten Rennen dieser Heim-WM leer ausging, und die beiden deutschen Starter. Tobias Stechert aus Oberstdorf belegte Platz 24, Stephan Keppler (Ebingen) kam auf Rang 33.

„Das war von oben bis unten einfach Mist. Da war gar kein Angriff dahinter. Ich bin nur so runtergestolpert“, sagte Keppler geknickt. Der 30-Jährige haderte mit der Riesenslalom-ähnlichen Kurssetzung des norwegischen Trainers Tron Moger. „Da habe ich eh schon Probleme mit, und dann habe ich auch noch Fehler gemacht. Das war nix“, sagte er. Die Kurssetzung - sie war mitentscheidend für Ligetys Sieg.

Der Kombinations-Olympiasieger von 2006 ist der überragende Riesenslalom-Fahrer der Saison, am Freitag kommender Woche will er den Titel in seiner Lieblingsdisziplin erfolgreich verteidigen. Er dürfte sich auf der 1820 Meter langen Strecke wie bei einem „Riesen“ gefühlt haben. In dieser Disziplin hat er vier der fünf Rennen in diesem Winter gewonnen. Im Super-G stand Ligety nur ein einziges Mal überhaupt auf dem „Stockerl“, im Dezember 2009 in Val d'Isere. „Der Berg hier ist mehr auf der technischen Seite“, gab er zu.

Davon hätte auch Mit-Favorit Kjetil Jansrud profitieren können, doch der Norweger drehte eine Pirouette und stürzte. Viele, wie etwa der auf Platz vier beste Österreicher Hannes Reichelt, verpassten bessere Platzierungen wegen Fehlern im Weirather-S kurz vor dem Ziel.

„Es war mir nach der Besichtigung klar, dass Ted zu den Favoriten gehören wird“, sagte Reichelt. Svindal verspielte Silber, womöglich gar Gold mit einem Patzer am vorletzten Tor. „Die Bedingungen waren gut, aber nicht optimal“, sagte er, „es war ein bisschen eine Suppe, Schnee, der nicht hart ist. Aber Ted ist klasse gefahren.“

Ähnlich analysierte das Stechert. „Schön war es nicht“, sagte er über seine Fahrt, „die Verhältnisse waren nicht einfach, die Piste war unruhig - nicht unbedingt das, was man sich fürs erste WM-Rennen erwartet.“ Sein Knie, das er sich Anfang Dezember verletzt hatte, schmerzte ein bisschen, „aber ich hoffe, es wird wieder besser im Laufe des Tages“. Muss es - am Donnerstag ist das erste Training für die Abfahrt. Die gute Nachricht für die Speed-Spezialisten: In der Königsdisziplin ist Ligety voraussichtlich nicht am Start.

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sid

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