Im Stabhochsprung und Kugelstoßen

Leichtathletik-WM: Silberfrust und Silberfreude

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Malte Mohr ärgerte sich über die verpasste Goldmedaille, während sich Christina Schwanitz über ihren Erfolg freuen konnte.

Sopot - Silber-Samstag für die deutschen Leichtathleten in Sopot: 24 Stunden nach Kugelstoßer David Storl glänzten auch Christina Schwanitz und Stabhochspringer Malte Mohr mit je einer Silbermedaille.

Malte Mohr ärgerte sich schwarz über das verpasste Gold, Christina Schwanitz strahlte nach ihrem Silber über das ganze Gesicht: Frust und Freude lagen bei den deutschen Leichtathleten am zweiten Tag der Hallen-WM in Sopot eng zusammen. Während Stabhochsprung-Favorit Mohr statt Weltmeister einmal mehr Zweiter wurde, bewies sich Kugelstoßerin Schwanitz als Medaillenbank.

Mohr zog vor den Augen des verletzten Weltrekordlers Renaud Lavillenie (Frankreich) zunächst eine grandiose Flugshow ab - patzte danach aber bei seinem ersten Versuch über 5,80 m. Diese Höhe nahm der Grieche Konstantinos Filippidis im ersten Versuch - und mehr hatte keiner von beiden zu bieten.

Mohr: "Es ist ärgerlich, ärgerlich, ärgerlich"; Schwanitz: "Die Medaille ist genial"

Während Lavillenie, der als Ehrengast auf der Tribüne mitfieberte, keine Angst um seinen Fabel-Weltrekord von 6,16 m haben musste, hätten Mohr die 5,90 m vom Hallen-ISTAF vor Wochenfrist in Berlin deutlich zum größten Erfolg seiner Kariere gereicht. So blieb es wie bei der Hallen-WM 2010 in Doha nur der Vize-Titel. „Es ist ärgerlich, ärgerlich, ärgerlich“, haderte Mohr mit seinem Abschneiden: „Ich bin in einer Super-Form angereist, bin dann aber technisch nicht zurecht gekommen.“

Schwanitz indes hatte wie schon bei ihrem WM-Silber unter freiem Himmel wie erwartet keine Chance gegen die übermächtige Valerie Adams. Während die Erzgebirglerin mit 19,94 m nur knapp unter ihrer Saisonbestleistung blieb, ließ das neuseeländische Kraftpaket (1,93 m, 110 kg) bei ihrem insgesamt siebten WM-Gold keine Fragen offen.

„Die Medaille ist genial, ich freue mich riesig“, sagte Schwanitz: „ Es war einfacher Wettkampf, nachdem ich früh gemerkt habe, dass ich an Valerie nicht rankomme. So weit möchte ich auch mal stoßen, wenn ich groß bin.“

So erfolgreich waren die deutschen Leichtathleten zuletzt 2003

Nachdem Kugelstoßer David Storl bereits am Freitag Silber gewonnen hatte, hat das deutsche Team bei nunmehr drei Medaillen schon am vorletzten WM-Tag das Resultat der WM 2012 (zweimal Silber) übertroffen. Mehr als dreimal Edelmetall bei einer Hallen-WM erreichten die deutschen Leichtathleten zuletzt 2003 in Birmingham (1-1-2). Am Schlusstag von Sopot ist vor allem Stabhochspringerin Silke Spiegelburg eine weitere Medaillen-Kandidatin.

Hinter Mohr und Schwanitz zeigten derweil weitere Deutsche höchst ansprechende Leistungen. So standen in Cindy Roleder und Nadine Hildebrand gleich zwei Sprinterinnen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) im Finale über 60 m Hürden. Dass es im Endkampf letztlich nur die Plätze sechs und sieben wurden, war zu verschmerzen.

Ashton Eaton verpasste nur knapp den Weltrekord

Platz acht im Finale über 1500 m belegte der Frankfurter Homiyu Tesfaye (3:39,90), Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch kam als Achte nicht über 1,90 m hinaus. Wie die Tübingerin enttäuschte Weitspringer Christian Reif mit 7,75 m ebenfalls als Achter und Final-Letzter.

Knapp den ersten Weltrekord in Sopot verpasste Zehnkampf-Olympiasieger Ashton Eaton. Der US-Amerikaner siegte im Siebenkampf mit 6632 Punkten und blieb damit nur 13 Zähler unter der Bestmarke, die er 2012 bei den WM in Istanbul erzielt hatte.

Chancenlos waren die deutschen Mehrkämpfer: Kai Kazmirek wurde Sechster (6173), der gesundheitliche angeschlagene Pascal Behrenbruch (Frankfurt) stieg auf dem achten und letzten Platz liegend nach 20 m des abschließenden 1000-m-Laufs aus. „Den Platz hatte ich ja sicher. Da wollte ich nicht durch einen Kraftakt riskieren, wieder krank zu werden“, sagte der Europameister.

sid/dpa

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