Briefmarke, Geld oder Gratis-Wurst

Die kuriosesten Olympia-Prämien

London - Die nationalen olympischen Verbände versprechen ihren erfolgreichen Athleten in London teils groteske Prämien.  Wir haben die kuriosesten gesammelt.

Gratis-Wurst ein Leben lang, das eigene Gesicht auf einer Briefmarke oder noch mehr Gold fürs Gold: Während sich die deutschen Athleten mit der altbewährten und vergleichsweise bescheidenen Geldprämie zufrieden geben müssen, sind die Auszeichnungen bei der Konkurrenz teils skurril.

Liebhaber reichhaltigen Essens, die zudem ihre Sportart perfekt beherrschen, sollten ernsthaft über einen Nationalitätswechsel nachdenken. Ein Olympiasieger aus Weißrussland erhält Wurst satt bis an sein Lebensende. Ein Großsponsor hat dort beim Thema Prämie die Hosen an, oder besser gesagt die Schürzen. „Natürlich ziehen wir dabei auch den Geschmack der Athleten in Betracht“, heißt es. Also auch noch die Wahl zwischen der echten Wiener, der würzigen Nürnberger oder der herzhaften Krakauer. Welch Gaumenschmaus!

Die siegreichen Sportler aus Malaysia sollten dagegen besser nicht in ihre Zusatzbelohnung beißen, sonst droht nach der Dopingprobe der Gang zum Zahnarzt. Ein lokaler Magnat verspricht jedem Sieger einen Goldbarren im Wert von zwei Millionen Ringgit (umgerechnet 511.000 Euro). „Auf jeden von euch, der in London Gold holt, wartet ein Goldbarren. Es gibt Gold für Gold“, teilte Andrew Kam mit. Um sein Festgeldkonto muss er sich dennoch wenig Gedanken machen - einen Olympiasieger hat der südostasiatische Inselstaat bisher nicht hervorgebracht.

Die britische „Royal Mail“ hat eine in anderem Sinne wertvolle Ehrung angekündigt. Der nationale Postdienst verspricht jedem, der bei den Spielen in der Heimat Golf ergattert, eine Briefmarke mit Siegerporträt. Ob die künftigen britischen Helden wohl mit den armenischen tauschen würden? Olympiasieger aus der Kaukasus-Republik bekommen unglaubliche 700.000 Euro geschenkt.

Summen, von denen deutsche Athleten nur träumen können. 15.000 Euro zahlt die Deutsche Sporthilfe Olympiasiegern. Ein Achtplatzierter beim größten Sportfest der Welt erhält 1500 Euro. Seit 2000 ist die Höhe der Prämien unangetastet. Auch ein Grund, warum sich Diskus-Weltmeister Robert Harting zuletzt öffentlich als „unterbezahlt“ bezeichnete. „Wer sich in der Erwartung, reich zu werden, für eine olympische Sportart entscheidet, der ist falsch in unserem System“, sagte der Sporthilfe-Vorstandsvorsitzende Michael Ilgner dem SID. Höhere Prämien könnten auch ein Anreiz in die falsche Richtung sein, wenn man etwa an die Dopingproblematik denke.

„Die Athleten betreiben ihren Sport aus Leidenschaft. Wenn jemand Leistungssportler wird, um durch einen Olympiasieg ausgesorgt zu haben, dann würde ich ihm - flapsig gesprochen - eher empfehlen, zur Lotto-Annahmestelle zu gehen“, sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), im SID-Interview.

Die Briefmarken in Großbritannien sollen dank sechs Druckereien übrigens schon 24 Stunden nach dem sportlichen Erfolg im Umlauf und spätestens zur Mittagszeit erhältlich sein. Da werden die Weißrussen wohl noch auf ihre Bratwurst warten.

SID

Rubriklistenbild: © dpa/dapd

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