Kohlschreibers Karriere-Neustart

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Philipp Kohlschreiber lässt sich feiern

München - Wie vor fünf Jahren hat Philipp Kohlschreiber das ATP-Turnier in München gewonnen. Wie vor fünf Jahren will der Augsburger durchstarten - aber ohne die Fehler von damals zu machen.

Ehe sich Philipp Kohlschreiber aufmachte nach Madrid, sagte er noch ein paar bemerkenswerte Sätze, und er klang ziemlich ernsthaft. Er sei ja, berichtete er, „älter geworden“, womit er aber vor allem ausdrücken wollte: Ich bin reifer geworden. Das wirkte zunächst wie ein Widerspruch, denn als er nach dem 7:6 (10:8), 6:3 gegen Marin Cilic aus Kroatien im Endspiel des ATP-Turniers in München den Sportwagen angelassen hatte, den der Sieger erhält, driftete er erst mal mit durchdrehenden Reifen über den roten Sand.

Als ein Kindskopf will Kohlschreiber nach seinem zweiten Sieg bei den BMW Open allerdings nicht mehr wahrgenommen werden. Vor fünf Jahren, begann er zu erzählen, habe er auf der Anlage des MTTC Iphitos ja schon mal gewonnen, „hier hat für mich alles angefangen“, sagte er. Dann redete er weiter, er vermischte ein wenig Gegenwart und Zukunft, doch wer genau hinhörte, dem wurde klar, dass Kohlschreiber den zweiten Sieg in München als eine Art Neustart empfindet, als habe er die „Reset“-Taste seiner Karriere gedrückt.

Genau genommen hat Kohlschreiber nach seinem ersten Turniersieg vor fünf Jahren geglaubt, es gehe jetzt ziemlich zackig aufwärts für ihn. Das war ein Trugschluss. Er stagnierte bei seinem Versuch, die Top 20 der Weltrangliste zu knacken, er machte sogar Rückschritte, weil er ein paar falsche Entscheidungen hinsichtlich seiner Karriereplanung traf. Er hatte mehr mit sich als mit seinen Gegnern zu kämpfen. Seit einem halben Jahr trainiert der 28-Jährige nun wieder in Oberhaching bei München, das „tut mir gut“, hat er eingeräumt.

Mit fünf Jahren Verspätung soll es nun also wieder aufwärts gehen. Und Kohlschreiber sagt, er habe sich geändert. „Ich beiße mich wieder rein“, sein „Spielwitz“ und seine „Aggressivität“ seien nun wieder zu sehen, also das, „was mich mal stark gemacht hat“, betonte er. Außerdem mache er nun nicht mehr „den Fehler, über Siege nachzudenken“, beteuerte er, „ich bin lockerer als vor fünf Jahren.“ Ja, seine Leistungen würden sicher weiterhin schwanken, aber er wolle nun „dranbleiben“ und „nicht verrückt spielen, wenn ich mal verliere“.

Ab Dienstag spielt Kohlschreiber in Madrid, auf blauem Sand, gleich in der ersten Runde trifft er auf Gael Monfils (Frankreich), in der Weltrangliste die Nummer 14. Das ist nach einer Woche ohne Niederlage, nach Siegen gegen zwei vor ihm positionierte Spieler (Feliciano Lopez/Spanien, Cilic) eines der Matches, denen er in der ersten Runde künftig gerne aus dem Weg gehen würde - was er aber erst kann, wenn sich seine neue Weltranglistenplatzierung (Nummer 25) auch auf die Setzliste bei Turnieren auswirkt.

Und München? „Einen Vertrag auf Lebenszeit kann ich mir gut vorstellen“, sagte Kohlschreiber scherzhaft. Am Sonntag hat er sich ausdrücklich bei allen bedankt, die bei diesem Turnier Verantwortung tragen, auch bei denen, „die ich vergessen habe“. Patrik Kühnen dürfte dennoch geschluckt haben, als sein Name nicht fiel. Offensichtlich ist Kohlschreiber auf den Turnierdirektor der BMW Open und Davis-Cup-Kapitän nach wie vor nicht gut zu sprechen. Menschen, die von sich behaupten, reifer geworden zu sein, verhalten sich so eigentlich nicht.

sid

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