Kohlschreiber: Schlappe und Olympia-Absage

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Philipp Kohlschreiber

Kitzbühel - Davis-Cup-Spieler Philipp Kohlschreiber hat seine Teilnahme am olympischen Tennisturnier in London kurzfristig abgesagt.

In einem verwackelten Video in schlechter Qualität, das er am Sonntag auf seine Homepage stellte, gab Philipp Kohlschreiber das Ende seiner Olympia-Ambitionen bekannt. In 1:48 Minuten sagte der Augsburger Tennisprofi seine Teilnahme am bedeutendsten Sportereignis der Welt ab. Kohlschreiber begründete seinen Entschluss mit einer Verletzung, die er sich beim ATP-Turnier in Kitzbühel zugezogen habe.

„Ich habe die ganze Woche schon mit einem verhärteten Fuß gekämpft. Im Finale ist es dann schlimmer geworden“, sagte der 28-Jährige, nachdem er am Samstag gegen Robin Haase (Niederlande) 7: 6 (7:5), 3:6, 2:6 verloren hatte: „Ich hätte gerne in London gespielt, aber auf Anraten des Arztes und des ATP-Physiotherapeuten haben wir beschlossen, dass es keinen Sinn macht.“

Seine Auftaktpartie beim olympischen Tennisturnier in Wimbledon hätte Kohlschreiber am Sonntag nur wenige Stunden nach dem Endspiel in Österreich absolvieren müssen. Auf der Pressekonferenz nach der Niederlage war der Davis-Cup-Spieler, der ab Montag erstmals in seiner Karriere unter den besten 20 Spielern der Weltrangliste geführt wird, kurz vorher noch guter Dinge gewesen: „Es war bislang eine tolle Saison für mich. Jetzt hoffe ich, lange bei den Olympischen Spielen zu bleiben.“ Den Flug von München nach London hatte Kohlschreiber für 21.00 Uhr gebucht.

In dem Video mit dem Titel „Statement“ klagt der Wimbledon-Viertelfinalist nicht nur über Fußprobleme, sondern auch über „leichte Einrisse im Oberschenkel“. Kohlschreiber sagte, er fände es schade, zum zweiten Mal seine Teilnahme an den Olympischen Spielen wegen einer Verletzung absagen zu müssen: „Ich habe die ganze Woche gut gespielt. Das ist jetzt vielleicht das einzig Bittere.“

Bereits 2008 in Peking hatte Kohlschreiber kurzfristig wegen eines Muskelfaserrisses abgesagt. Während sich die Superstars Roger Federer, Novak Djokovic, Serena Williams und Maria Scharapowa speziell auf das Jahreshighlight im Tennis-Mekka im Londoner Südwesten vorbereitet hatten und stets betonen, dass das olympische Tennisturnier mindestens den Stellenwert eines Grand Slams besitzt, ist die Situation im deutschen Herrentennis einigermaßen kurios.

Die deutsche Nummer zwei, Florian Mayer aus Bayreuth, hatte bereits vor Wochen auf Olympia verzichtet und damit für Kopfschütteln gesorgt. „Man sollte mir anrechnen, dass ich wenigstens ehrlich bin und nicht zwei Tage vorher verletzt aufgebe“, hatte Mayer in Wimbledon gesagt und seinen Verzicht mit dem Alter (fast 30) und der Turnierplanung (Masters in den USA) begründet.

Tommy Haas, derzeit der erfolgreichste deutsche Spieler, wollte in Wimbledon spielen, durfte aber nicht. Der DOSB hatte den 34-Jährigen nicht vorgeschlagen, so konnte der Halle-Sieger auch keine Wildcard bekommen. Immerhin Philipp Petzschner hat im Londoner Bezirk SW19 seine helle Freude. Der 28-jährige Bayreuther gewann sein Autaktmatch gegen den Slowaken Lukas Lacko 7:6 (7:5), 6: 1 und trifft nun auf Janko Tipsarevic (Serbien).

Petzschner, nun neben seinem Doppelpartner der einzige deutsche Tennisspieler in Wimbledon, ist dermaßen enthusiastisch, seine Olympia-Premiere feiern zu dürfen, dass ihm Tränen in die Augen geschossen waren, als er die Teilnahme an der Eröffnungsfeier wegen seines frühen Spieltermins am Samstag absagen musste.

sid

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