Der König dankt ab: Letztes Gold für Phelps

London - Goldener Abschluss einer goldenen Karriere: Schwimmkönig Michael Phelps hat auch das letzte Rennen seiner einzigartigen Laufbahn gewonnen und dankt als 18-maliger Olympiasieger ab.

Die 4x100-m-Lagenstaffel der USA um den 27-Jährigen war im letzten Wettbewerb im Aquatics Centre wie erwartet nicht zu schlagen. Mit vier Siegen und zwei zweiten Plätzen verlässt Phelps die britische Hauptstadt wie 2004 Athen und 2008 Peking als erfolgreichster Schwimmer. Seine nun insgesamt 22 Olympia-Medaillen könnten ein Rekord für die Ewigkeit bleiben. Immer wieder hatte der Superstar in den vergangenen Tagen an seinen Abschied gedacht. „Das ist mein letzter Vorlauf. Das ist mein letztes Schmetterlings-Rennen“, sagte er sich selbst. Am Samstagabend war es so weit.

Um 20.35 Uhr Ortszeit wurde Phelps unter dem tosenden Jubel der 17.500 Zuschauer im Aquatics Centre ein letztes Mal in die Halle gerufen. An der Seite seiner Teamkollegen Matthew Grevers, Brendan Hansen und Nathan Adrian kam er herein. Lange behielt er seine blau-weiße Trainingsjacke an. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, schaute er immer wieder konzentriert nach unten, lockerte seine Arme.

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Um 20.40 Uhr sprang der Dominator der vergangenen Jahre ein letztes Mal in ein olympisches Becken, flog über 100 m Schmetterling fast wie in seinen besten Tagen durch das Wasser. Nach 50,23 Sekunden war es Geschichte, Phelps hatte das Quartett von Platz zwei in Führung gebracht. Am Beckenrand wartete er auf Schlussschwimmer Adrian. Der Sieg stand da längst fest. „In den vergangenen Tagen gingen gar nicht so viele Emotionen durch meinen Kopf“, hatte Phelps vor dem Rennen gesagt. Danach war es anders. Phelps fiel seinen Kollegen in die Arme, winkte mehrfach ins Publikum, wirkte emotional aufgewühlt. Acht Jahre lang hat er das Schwimmen dominiert wie kein anderer vor ihm. Nun ist endgültig Schluss.

„Es wird nach Samstag keine Wettkämpfe mehr geben“, betonte Phelps in den vergangenen Tagen mehrfach. Stattdessen werde er das Leben genießen. „Ich freue mich darauf, essen zu können, was und wann ich will“, sagte er. Auch eine Arbeit im Schwimmklub in Baltimore gemeinsam mit seinem Trainer Bob Bowman ist denkbar. „Es wird komisch sein, ohne ihn zu trainieren“, sagte Bowman der Nachrichtenagentur AFP: „Ich werde ihn aber bei seinen Aktivitäten außerhalb des Beckens, mit seiner Schwimmakademie und seiner Stiftung unterstützen.“

Ganz von seinem Sport wird Phelps ohnehin nicht lassen können. „Ich würde mich freuen, die Jungs nächstes Jahr bei den Weltmeisterschaften zu sehen“, sagte er und meinte die jungen Athleten im Team wie etwa Tyler Clary. In Barcelona könnte der König also noch einmal zurückkommen. Allerdings nur auf der Tribüne und nicht im Becken.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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